rbb-Reportage

TV-Tipp: "Terror im Kiez"

Eine Demonstration von Nazis in Berlin.
Eine Demonstration von Nazis in Berlin.
Ein erneutes NPD-Verbotsverfahren wird derzeit von der Bundesregierung vorbereitet. Warum ein Prozess wichtig ist, zeigt ein Dokumentarfilm, der über rechte Gewalt in den Berliner Bezirken berichtet.

Der Film „Terror im Kiez – Neonazis in Berlin“, der am 12.März 2013 um 20:15 im rbb gezeigt wird, ist eine aktuelle Bestandsaufnahme der rechten Szene und der Aktivitäten der NPD in Berlin. Bei der Reportage kommt es zu einem subtilen Duell zwischen der Neuköllner Bürgerin Christiane S., die Opfer von rechtsradikalen Anschlägen wurde, und dem NPD-Landesvorsitzenden Sebastian Schmidtke.

Ein subtiles Duell

Als im September 2011 drei NPD-Aktivisten Propaganda-Material in den Briefkasten von Christiane S. in ihrem Haus in der Hufeisensiedlung in Britz werfen wollen, wehrt sich die Mutter von zwei Kindern aktiv gegen die Parteiwerbung und schickt die Männer weg. Diese reagieren mit lautem Protest und bedrohen die Frau mit verbalen Attacken. Was danach geschieht, ist für Christiane S. der Beginn eines jahrelangen Albtraums. Die Bilanz ist erschreckend. Mehrere Fensterscheiben gingen zu Bruch, die Hauswände wurden mit brauner, brennbarer Flüssigkeit beschmiert und der Briefkasten gesprengt. Chrisitiane S. und ihre Familie leben seit dem Vorfall in ständiger Angst.

Auf der anderen Seite der NPD-Landesvorsitzende Sebastian Schmidtke, der sich gemäß seines Amts nach außen offen und kooperationsbereit zeigt. Doch Schmidtke, angeklagt unter anderem wegen Volksverhetzung, forciert nach Aussage von Wolfgang Wieland, ehemaliger Justizsenator von Berlin, den „Schulterschluss“ zwischen gewalttätiger rechter Szene und NPD. Im Film wird weiterhin ein Zusammenhang von Schmidtke zu der jahrelang zugänglichen Internetseite NW-Berlin.net aufgedeckt, auf der ein Verzeichnis von NPD-Gegnern mit Adressen und Bilder aufgelistet war. Nach Ermittlungen der Polizei wurde die Seite abgeschaltet.

Eine Initiative gegen rechts

Das rbb-Reporter-Team Jo Goll und Torsten Mandalka führen in dem Film Christiane S. und Sebastian Schmidtke zusammen. Sie, die nicht mehr anonym bleiben will und öffentlich den Kampf gegen die rechte Szene sucht. Unnd auf der anderen Seite der Landesvertreter der NPD, der die Vorwürfe geschickt umgeht und sich politisch diplomatisch ausdrückt, um einen Schein zu wahren, der aber laut Reporter Goll „durch die Strafverfolgung zeitnah bröckeln wird“. In Konfrontation mit dem Fall Christiane S. versucht Schmidtke zu beschönigen und nimmt NPD-Mitglieder aus der Schussbahn. „Bei hunderten Wahlkampfhelfern der NPD in Berlin lässt sich natürlich nicht genau zurückverfolgen, wer Schuld an dem besagten Vorfall hat“, heißt es von Schmidtke.

Christiane S. will trotzdem weiterkämpfen. Sie sucht die Täter und macht sich für eine Offenlegung der Namen stark. Im letzten Jahr gründete sie deshalb die Initiative „Hufeisensiedlung gegen rechts“, die schon mehr als 120 Mitglieder hat. „Ich hoffe, dass die Anschläge aufhören und wir mit der Initiative Erfolg haben. Andernfalls muss ich das Haus verkaufen und zurück nach Kreuzberg ziehen“, sagt S. im Film. Schmidtke profiliert sich dagegen weiter als toleranter Politiker, der weiß, was zu sagen ist und wie er sich medial zu vermarkten hat. Auf Demos ist er weiterhin sehr aktiv und wurde, wie im Film gezeigt, schon handgreiflich gegenüber linken Protestanten. Offiziell ließ er verlauten, es handelte sich bei dem Übergriff um Notwehr. Auch hier ermittelt die Polizei.

„Der Film kommt zur rechten Zeit. Nicht nur die ´Bauernschläue` der NPD-Politker wird dargelegt, sondern auch der aktive Widerstand von Bürgerinnen wie Christiane S.. Das alles hilft zur Aufklärung und bei dem neuen NPD-Verbotsverfahren“, sagt Wieland. 

mehr Infos unter rbb-online

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