Zehlendorf
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Mit Tischfußball um die Welt

Bereits dreimal hat Marcus Tilgner zusammen mit seinem Verein "Sparta Spreeathen" die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft gewonnen. Doch deren Sportart "Subbuteo" kennt hierzulande kaum jemand. Dabei ist diese Version des Tischfußballs weltweit beliebt.

In vielen europäischen Ländern, aber auch in den USA, Kanada, Japan und Singapur wird Subbuteo gespielt. Es gibt nicht nur eine Deutsche, sondern sogar eine Weltmeisterschaft. Und eine Weltrangliste. Mit fünf Kategorien: Open, Veteranen, U 19, U 15 und Damen. Tilgner belegt derzeit Platz 40 in der Open-Wertung.

Subbuteo wird gespielt mit zehn Feldfiguren und einem Torwart auf einem etwa 120 mal 80 Zentimeter großen Feld. Die Figuren sind aus Kunststoff und stehen auf einem Sockel, den die Subbuteo-Spieler nur mit dem Finger schnippen dürfen. Ein Spieler ist Angreifer, nur er darf den Ball spielen. Der andere ist Verteidiger. Dabei darf er den Ball mit seinen Figuren aber nicht berühren, sondern sich nur den gegnerischen Figuren in den Weg stellen. Trifft der Angreifer nicht den Ball oder eine gegnerische Figur, so wechselt das Angriffsrecht. Ein Spiel geht über zweimal 15 Minuten.

Subbuteo sei dem Fußball sehr ähnlich, es gelte sogar Abseits, erklärt Tilgner. Aber es gibt auch Unterschiede. So gibt es statt eines Elf-Meter-Schießens bei einem Gleichstand Freistöße. Zudem muss der Ball hinter einer bestimmten Linie sein, bevor man mit seiner Figur auf das Tor schießen darf.

Liebe auf den dritten Blick

Das erste Mal Kontakt mit Subbuteo hatte Marcus Tilgner mit sechs Jahren. Zu Weihnachten 1974 bekam er ein Spiel von seinen Eltern geschenkt. Doch irgendwann war der Reiz des Neuen vorbei, und das Spiel wanderte in den Schrank. Ein paar Jahre später, die Familie Tilgner war nach Zehlendorf gezogen, weckten Nachbarsjungen aus England – dem Mutterland des Subbuteo – sein Interesse wieder. Doch auch das war nur vorübergehend. Erst Anfang der 1980er Jahre, als ein Freund, das alte Subbuteo wieder aus dem Schrank holte, flammte die Leidenschaft für das Spiel so richtig auf.

1984 gründete Tilgner einen eigenen Verein. Den Namen will er allerdings nicht verraten. „Ich war jung“, sagt er lachend. Vier Leute braucht es für ein Team. Er habe seine Klassenkameraden mehr oder weniger genötigt, mit ihm zu spielen, erzählt Tilgner. Doch mit ihm Turniere spielen, das wollte keiner. Zeitgleich suchte ein anderer Verein noch einen Mitspieler. 1986 schlossen sich beide Vereine zu Sparta Spreeathen zusammen.

15 Mitglieder hat der Verein derzeit. Nachwuchs kommt vor allem aus der Jugendfreizeiteinrichtung (JFE) Düppel, in der Tilgner und sein Verein mittwochs um 18 Uhr trainieren. Vorbeischauen und Mitmachen kann dann jeder. Auch sonntags, wenn Tilgner in der Einrichtung arbeitet, können Interessierte vorbeischauen. In den derzeitigen Sommerferien wird ebenfalls trainiert und gespielt.

Ein Spiel mit “Frustpotenzial”

Kein Besucher der JFE ist wohl je an dem Subbuteo-Tisch vorbeigekommen, ohne zu spielen. Doch die Jugendlichen zu motivieren sei nicht leicht, erzählt Tilgner. „Das Spiel hat ein hohes Frustpotenzial. Es sieht einfach aus. Aber wenn die Jugendlichen es ausprobieren, merken sie, dass das gar nicht so einfach ist.“ Zudem gibt es in der Jugendeinrichtung sehr viel Ablenkung – durch Computer und Kicker. Subbuteo aber erfordere viel Konzentration.

Und manchmal auch Kreativität und Fingerspitzengefühl – bei der Gestaltung der eigenen Mannschaften. Tilgner hat die Deutsche Nationalmannschaft von 1954 und auch ein Hertha BSC-Team in seinem Spielekoffer. Während das nur „Fassade“ ist, sind Änderungen an den Spielfiguren auch taktisch notwendig. Die Metallplättchen im Sockel können ausgetauscht, die Auflagefläche vergrößert, die Kanten runder gemacht, der Schwerpunkt der Figuren verlagert werden, um die passende Figur für verschiedene Situationen zu haben.

Die Subbuteo-Spieler sind viel unterwegs in der Welt, sie spielen in Österreich, Italien, Norwegen. Für den 23./24. November dieses Jahres aber lädt Sparta Spreeathen selbst zu einem Internationalen Turnier ein. Bei dem, nach Tilgners Meinung jeder mitspielen darf. Der Weltverband sehe das aber anders und verlange eine Lizenz, erzählt er. Da führe man derzeit eine grundlegende Diskussion. Anmeldungen für das Turnier liegen bereits aus Österreich, Belgien und Griechenland vor. Gespielt wird in der JFE Düppel.

Info: Der Name „Subbuteo“ kommt aus der Vogelwelt. Subbuteo-Erfinder Peter Adolph war Ornithologe, Vogelkundler. Er benannte das Spiel nach dem Baumfalken, Latein: falco subbuteo. Zu finden ist der Falke auch im Subbuteo-Logo.

 

Dieser Text wurde uns zur Verfügung gestellt von den StadtrandNachrichten, der Online-Zeitung für Steglitz-Zehlendorf.

Jugendfreizeiteinrichtung Düppel, Lissabonallee 6, 14129 Berlin

Jugendfreizeiteinrichtung Düppel

Screenshot der Website www.jfh-dueppel.de

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