Ausflugslokal vor der Auferstehung

Abgebrannte Institution wird wieder aufgebaut

Ein Bild aus dem Jahr 2001: Die abgebrannten Wannsee-Terrassen.
Ein Bild aus dem Jahr 2001: Die abgebrannten Wannsee-Terrassen.
Die legendären Wannsee-Terrassen werden neu aufgebaut. Der Blick aufs Wasser war berühmt - bis zu dem folgenschweren Brand vor knapp elf Jahren.

Eigentlich sei es „noch gar nicht der richtige Zeitpunkt“, um den Bau der neuen Wannsee-Terrassen bekannt zu machen, findet die Investorenfirma. Aber verbergen lassen sich die Arbeiten auch nicht mehr: Wer nördlich des Strandbads Wannsee spazieren geht, erblickt den Rohbau, und der hohe Kran ist selbst vom gegenüberliegenden Ufer aus unübersehbar. Das traditionsreiche, aber Ende 2001 abgebrannte Ausflugslokal kehrt also zurück – wenn auch Jahre später als geplant. Wann es eröffnet, ist noch unklar. Der Steglitz-Zehlendorfer Baustadtrat Norbert Schmidt (CDU) rechnet damit frühestens in der Weihnachtszeit – oder erst im kommenden Jahr.

Die ursprüngliche Gaststätte mit dem typischen Reetdach war bereits zwei Mal in Flammen aufgegangen. Nach der ersten Zerstörung 1947 dauerte der Wiederaufbau drei Jahre. Eine defekte Dunstabzugshaube, die in der Küche in Brand geriet, war die Ursache des zweiten Feuers. Der damalige Pächter kündigte inmitten der qualmenden Ruine an, „innerhalb eines Jahres“ den Betrieb wieder aufzunehmen. Doch dann geschah nichts – außer dass die Berliner Forsten als Verpächter die Gebäudereste beseitigten. Der Vertrag lief ein paar Monate später aus.

Lange war fraglich, ob es für ein neues Lokal am Wannseebadweg 35 eine Genehmigung geben würde, weil das Gelände als Forstgebiet ausgewiesen ist und in einer Trinkwasserschutzzone liegt.

Bürokratische Hürden

Aber davon ließ sich der jetzige Eigentümer Harald Huth nicht entmutigen. Er erwarb das 8.500 Quadratmeter große Grundstück vor rund sieben Jahren für 401.000 Euro vom Liegenschaftsfonds und rechnete mit einem baldigen Neubeginn. Doch die letzte von einigen Genehmigungen kam erst in diesem Jahr von den Berliner Forsten. Huth ärgerte sich über die Ämter, aber diese wiesen seine Vorwürfe zurück und sprachen von fehlenden Unterlagen.

Zuletzt gab es Streit um die Zahl der Sitzplätze. Neben 300 im Inneren plante der Bauherr draußen 1.000 Plätze, aber das Bezirksamt erlaubte dort nur 500. Dabei ging es um fehlende Flächen für einen großen Parkplatz; das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf befürchtete, dass Autofahrer den Wannseebadweg und die nahe Insel Schwanenwerder zuparken.

Huth investiert etwa 2,5 Millionen Euro. Das ist für ihn eine relativ kleine Summe, schließlich ist er in Berlin als Initiator größerer Vorhaben bekannt. Aktuell errichtet er am Leipziger Platz in Mitte mit Finanzierungspartnern das 460 Millionen Euro teure Stadtquartier, das 2014 mit 270 Läden in einem Einkaufszentrum und ebenso vielen Wohnungen eröffnen soll. Zu Huths Projekten gehörten auch Berlins bisher größtes Shoppingcenter, die Gropius-Passagen in Neukölln, und „Das Schloss“ in Steglitz.

Englischer Landhausstil

Der Rohbau der Wannsee-Terrassen lässt erkennen, dass diese nicht dem Original gleichen werden – anders als dieses hat der Nachfolger zum Beispiel halbrunde Ausbuchtungen. Angekündigt ist ein „englischer Landhausstil“ Außerdem entsteht wohl ein Ziegel- statt des Reetdaches. Dies zeigt eine Video-Simulation auf der Webseite von Huths Firma High Gain House Investments.

Gegenüber dem Tagesspiegel hatte Huth schon vor Monaten deutlich gemacht, „selbstverständlich“ werde sein auf Großprojekte spezialisiertes Unternehmen nicht selbst ein Lokal betreiben. Ob inzwischen ein Wirt gefunden wurde, war am Mittwoch nicht zu erfahren.

Die Wannsee-Terrassen waren immer beliebt unter Ausflüglern, besonders für Kaffeekränzchen und größere Feste wie Hochzeitsfeiern. Berühmt war das Restaurant für den Panoramablick über Havel und Wannsee mit den Segelbooten.


Quelle: Der Tagesspiegel

Abgebrannte Institution wird wieder aufgebaut, Wannseebadweg 35, 14129 Berlin

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