Diskussion um Ideenschmiede

Ein Berg für Guggenheim?

Hier auf dem Pfefferberg-Gelände an der Schönhauser Allee könnte künftig das "BMW Guggenheim Lab" logieren.
Hier auf dem Pfefferberg-Gelände an der Schönhauser Allee könnte künftig das "BMW Guggenheim Lab" logieren.
Wieder Neues vom "BMW Guggenheim Lab": Der Pfefferberg ist als Standort in der Diskussion. Jetzt hagelt es auch aus Prenzlauer Berg Kritik an dem geplanten Bau des Ideenlabors.

Noch haben nicht einmal die Betreiber des Kulturzentrums Pfefferberg eine Ahnung, ob sie den Zuschlag wirklich bekommen haben. Laut Informationen, die dem Tagesspiegel vorliegen, soll die Guggenheim-Stiftung aus New York das ehemalige Brauereigelände als Ersatzstandort für das „BMW Guggenheim Lab“ ausgewählt haben. Die Veranstalter hatten ihre Planungen, das Lab in Kreuzberg anzusiedeln, aufgegeben, nachdem Linksextreme mit Gewalt gedroht hatten. In Prenzlauer Berg reagierte man überrascht. Obwohl noch keine offizielle Bestätigung vorliegt, haben Anwohnervereine auch dort schon Gegenwehr angekündigt.

Anwohner fühlen sich übergangen

„Man kann Prenzlauer Berg nicht mit Kreuzberg vergleichen“, so Pfefferberg-Geschäftsführer Andreas Kranhold. Er erwarte nicht, dass Aktivisten versuchen würden, das Projekt – eine Ideenschmiede auf Zeit zur urbanen Zukunft – abzuwenden. Die Guggenheim-Stiftung sei noch immer durchaus willkommen. Matthias Köhne (SPD), der Bürgermeister von Pankow, wollte die Vorgänge nicht kommentieren. Die CDU hingegen warb für den Standort Prenzlauer Berg. Der stadtentwicklungspolitische Sprecher der Pankower CDU-Fraktion, Johannes Kraft, äußerte, er rechne „nicht mit größeren Problemen.“ Jedoch sei es von Bedeutung, den Anwohnern detaillierte Erklärungen zu dem Projekt zu geben.

Der Anwohnerverein „Leute am Teute“ hat allerdings den Eindruck, dass er bei den Planungen zum Lab übergangen wurde. Immerhin gebe es nun „aus Kreuzberg Handreichungen, wie man Investoren verschrecken“ könne, so der Wortlaut auf der Vereins-Website. Ein weiterer von einigen Initiativen unterschriebener offener Brief schließt mit dem Satz: „Prenzlauer Berg und Mitte brauchen kein BMW Guggenheim Lab.“ Die Guggenheim-Stiftung hatte dem Standort Kreuzberg aus Furcht vor Sachbeschädigungen den Rücken zugewendet. Im Vorfeld hatte der Pfefferberg bereits als favorisierter Standort gegolten, wurde jedoch für nicht groß genug befunden.

Entscheidung über neuen Standort in der ersten Aprilhälfte

Der Senatssprecher Richard Meng bemängelte in der Zwischenzeit die „absurde Diskussion“ über das Projekt, die nicht für Berlin werbe und „inhaltlich völlig daneben“ sei. Meng forderte dazu auf, „solche Einzelfiguren“, die mit gewalttätigen Aktionen drohten, nicht überzubewerten. Für eine weltzugewandte Metropole wie die deutsche Hauptstadt sei es extrem wichtig, derartige Debatten zu führen, die das Lab anstoßen wolle. In der Sitzung des Senats habe es lediglich einen kurzen Bericht zum Sachstand gegeben. Inzwischen liefen im Vertrauen Gespräche zu einem neuen Standort, so Meng. Der Senatssprecher wollte den Pfefferberg als neuen Standort des Projekts nicht bestätigen. Er rechnet damit, dass die Veranstalter dazu in der ersten Aprilhälfte eine Entscheidung treffen werden.

Auch die Polizei sei noch nicht über einen neuen Standort informiert, sagte Behördensprecher Stefan Redlich. Wenn die Entscheidung bekannt sei, werde sofort eine Gefährdungsbewertung erstellt, wie vorher am Kreuzberger Standort Cuvrystraße. Dann würden auch die jüngsten Ankündigungen der Lab-Gegner berücksichtigt.

Sondersitzung im Innenausschuss

In Prenzlauer Berg hat es in den letzten Jahren fast keine Proteste mehr gegen ein Verdrängen alteingesessener Anwohner gegeben – im Gegensatz zu Friedrichshain oder Kreuzberg. Den Stadtteil betrachten Stadtplaner als fast vollständig gentrifiziert und homogen. Diese Einschätzung verneint Michail Nelken, der stadtentwicklungspolitische Sprecher der Linksfraktion in Pankow. Prenzlauer Berg werde nach wie vor von „massiven sozialen Verdrängungsprozessen“ geprägt. Diese Prozesse würden auch in den Diskussionen um das geplante Lab dominant erscheinen und die Ursache für Proteste sein.

Ähnlich betrachten das die innenpolitischen Sprecher von CDU und SPD. „Die linke Szene ist vernetzt und beweglich. Die guckt sich nicht nur ihren eigenen Kiez an“, so Robbin Juhnke, der CDU-Innenexperte. „Gefahrlos ist es nirgends“, stimmt sein Kollege von der SPD, Thomas Kleineidam, zu. Am Mittwoch wollen sich die Polizeipräsidentin Margarete Koppers und der Innensenator Frank Henkel (CDU) auf Antrag der Piraten in einer gesonderten Sitzung des Innenausschusses zu dem Thema äußern.


Quelle: Der Tagesspiegel

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