Projekt "Drei Meter Dreiunddreißig"

Architektur zum Tasten, Hören und Sehen

Architektur zum Tasten, Hören und Sehen
Sound-Experiment in der High-Deck-Siedlung: Im Rahmen des Projekts "Drei Meter Dreiunddreißig" setzen sich Neuköllner Kinder spielerisch mit ihrer Umgebung auseinander. Zur Foto-Galerie
High-Deck-Siedlung – Besonders schön sieht der Kiez am südlichen Ende der Sonnenallee auf den ersten Blick nicht aus. Doch interessant ist die Architektur der vier- bis sechsgeschossigen Wohnblocks mit den hochgelagerten Wegen allemal. Ein Projekt des Büros für urbane Kommunikation AllOurMemories soll nun die Augen der Kinder im Viertel für ihre Umgebung öffnen.

„Unser Konzept ist total aufgegangen“, freut sich Carsten Cremer von AllOurMemories. Zusammen mit der Schule in der Köllnischen Heide, der Kepler-Schule sowie einigen Architekten und Künstlern hat er ein Projekt auf die Beine gestellt, bei dem Kinder aus der High-Deck-Siedlung in Neukölln ihre Umgebung spielerisch erkunden. „Den Grundschülern macht es total viel Spaß. Sie betrachten ihre Siedlung jetzt schon mit anderen Augen“, so der 43-Jährige, der sich einmal jährlich für urbanen Pädagogikprojekte engagiert und sonst als Kulturagent arbeitet. Der Familienvater lebt seit gut zehn Jahren in Neukölln, kannte aber die High-Deck-Siedlung bis 2013 gar nicht. Damals stieß er bei einem Straßenfest auf das Viertel mit der ungewöhnlichen Bauweise, das sofort sein Interesse weckte.

Lärm statt Ruhe

High-Deck-Siedlung (c) Wikipedia / Lienhard Schuld
Cremer fing an zu recherchieren: Die High-Deck-Siedlung entstand zwischen 1975 und 1984 im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus. Die Pläne sahen eine konsequente Trennung von Straßen und Fußwegen vor. So wurden zehn Fußgängerbrücken, die namensgebenden High-Decks, gebaut. Die Idee einer verkehrsberuhigten Wohnanlage weitab vom Stadttrubel konnte allerdings nicht umgesetzt werden. Denn schon bald brachte die Sonnenallee zahlreiche Autos und damit auch laute Geräusche in die Nachbarschaft. „Mir fiel auf, dass es da eine große Diskrepanz gibt zwischen dem, wie es sein sollte und was daraus geworden ist“, erklärt der gelernte Soziologe. Deshalb wollte er mit den Kindern im Kiez schauen, wie man die vorhandene Architektur besser nutzen kann.

Die Schulleiter und Lehrer der beiden kooperierenden Schulen zeigten sich sofort begeistert, was schnell zu einer reibungslosen Zusammenarbeit führte. Schon bald bauten die Schüler mithilfe der Architekturvermittlung kleine baumeister ein maßstabsgerechtes Styropormodell ihrer Siedlung, in das sie ihre Schulwege einzeichneten. „Das hätte ich nicht gedacht, dass die so konzentriert bei der Sache sind!“, zeigt sich eine der Lehrerinnen begeistert. Zudem gab es Verstärkung durch die zwei Sound-Künstlerinnen Heidrun Schramm und Petra Kübert. Zusammen führten sie mit den Elf- und Zwölfjährigen Klangexperimente durch. „Aufgrund der Riegelbauweise hallt das Echo der in den Höfen spielenden Kids sehr weit nach oben“, erzählt Cremer. „Die Experimente sollten den Kindern zeigen, dass sie selbst eigentlich gar nicht unbedingt so laut sind.“

Ausstellung im März

Am Montag, den 19. Januar startet der dritte Teil des Projekts. Die Jugendlichen der Kepler-Schule werden mit einem „High-Deck-Kit“, einer Box mit Stiften, Stadtplänen, Einwegkameras, Tagebüchern sowie grünen und roten Punkten im Viertel unterwegs sein und Anwohner befragen. „Welche Treppe nutzen Sie täglich?“, „Wie verbringen Sie Ihr Wochenende?“ oder „Wo überqueren Sie ungefährdet die Sonnenallee?“ sind nur einige der Fragen, auf die die Kiezbewohner mit Fotos, Skizzen und kurzen Sätzen antworten sollen. Zudem verteilt das Quartiersmanagement High-Deck-Siedlung die Kits auch an Erwachsene in der näheren Umgebung bzw. Interessierte dürfen sich die Boxen vor Ort in der Leo-Slezak-Straße 23 abholen.

Für Anfang März ist dann eine Ausstellung mit den Ergebnissen der Umfrage, dem Modell der Siedlung und Hörstationen mit den Remixen aus den Klangexperimenten geplant. Auch Leuchtkästen soll es geben. Und natürlich wird darin erklärt werden, was es eigentlich mit den 3,33 Meter hohen High-Decks auf sich hat und wie man diese Distanz mithilfe von Rutschen, Heißluftballons und Murmeln überwinden kann. „Jeder ist herzlich willkommen!“, so Cremer, dem das Projekt und die Entwicklung der Kinder besonders am Herzen liegen.

Ort der Schau wird wahrscheinlich der Nachbarschaftstreff mittendrin sein oder aber auch ein leerstehendes Ladengeschäft im Sonnen-Center. Nähere Infos dazu wird es zeitnah auf der Webseite des Quartiersmangement High-Deck-Siedlung geben.

Foto Galerie

Quartiersmanagement High-Deck-Siedlung, Leo-Slezak-Straße 23, 12057 Berlin

Telefon 030 68059325
Fax 030 68059326

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Sprechzeiten: Dienstag 10 bis 13 Uhr und Donnerstag 15 bis 18 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung

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