Berliner Persönlichkeiten zeigen ihren Kiez

Dunja Hayali: Froh mit Hund im Wrangelkiez

Dunja Hayali: Froh mit Hund im Wrangelkiez
Dunja Hayali mit Emma vor dem ihrer Meinung nach besten Tapas-Laden Berlins, Daniel Brühls Bar Raval. Zur Foto-Galerie
Wrangelkiez - Die TV-Moderatorin wurde gerade in der Kategorie "Beste Information" mit der "Goldenen Kamera" ausgezeichnet. Zuhause ist sie seit 2006 im Osten Kreuzbergs. QIEZ war mit Dunja Hayali und Golden-Retriever-Dame Emma Gassi.

Man kann sich darüber streiten, was kommunikationsfördernder ist: Kind oder Hund. In Prenzlauer Berg könnte das Ergebnis anders ausfallen, aber beim Spaziergang durch Görlitzer Park und Wrangelkiez wird Dunja Hayalis Emma von Jung und Alt herzlich aufgenommen – auch von Menschen, die die ZDF-Morgenmagazin-Moderatorin scheinbar nicht (er)kennen. Hayali hat selbst die Erfahrung gemacht, dass man sich stundenlang über Hunde unterhalten kann. Das hat sie dazu inspiriert, unter die Autorinnen zu gehen. Herausgekommen ist „Is‘ was, Dog? Mein Leben mit Hund und Haaren“ – „ein lustiges Buch für Hundebesitzer, aber auch für alle, die sich überlegen, einen anzuschaffen – weil es ein gutes Abbild von der Realität des Alltags ist“, so die Verfasserin.

Dass es auch über Hayalis eigenen Vierbeiner viel zu erzählen gibt, ahnt QIEZ schon, als die zehnjährige Emma ihren Lieblingsplatz ansteuert: eine große Rutsche auf einem Spielplatz am Görlitzer Ufer ganz im Osten von Kreuzberg. Mit ihrem Schaumstoffball im Mund kann die Golden Retriever-Dame stundenlang unter das Spielgerät starren – auf Ausschau nach Kaninchen, wie ihre Besitzerin vermutet. Wenn Hayali ihrer Hündin einen Befehl gibt, geschieht das übrigens nicht auf Deutsch. Der überzeugten Kreuzbergerin mangelte es an spanischen Gesprächspartnern: „So ist es gekommen, dass ich mit Emma angefangen habe, Spanisch zu reden – was sich aber als Einbahnstraße herausgestellt hat.“

Parallelwelt Frühstücksfernsehen

Hayali lebt im Wrangelkiez, seit sie jede zweite Woche das Frühmagazin im ZDF moderiert. Ihren Job bezeichnet sie gerne als „Leben in der Parallelwelt“. In der steht sie um 3.45 Uhr auf, schreibt, liest und moderiert dann von 7 bis 9. Um 11 ist sie zu Hause und hat dann nach zwei Stunden Mittagsschlaf den Nachmittag zur freien Verfügung. Doch das Dilemma ist offensichtlich: „Wenn ich zurückkomme, sind meine Freunde bei der Arbeit; wenn ich mich abends bettfertig mache, gehen alle erst aus“, erzählt die Moderatorin. „Ich habe mich bis heute nicht an den Rhythmuswechsel gewöhnt.“ Im Moment sieht sie aber keine Veranlassung, den Job zu wechseln: „Das Morgenmagazin ist eine tolle Sendung, weil ich in Berlin sein kann; es ist live, vielfältig und die Moderatoren haben Mitspracherecht“, schwärmt Hayali.

Mit ihren Moderatorenkollegen versteht sie sich nach ihren Angaben ohnehin sehr gut. Zwar verlässt Ex-FAZ-Journalist Wulf Schmiese in Kürze das Team und wechselt in die Hauptstadtredaktion des ZDF. Doch Hayali hat ja noch Mitri Sirin: „Meine Schwester sagt, wir seien wie Zwillinge, die bei der Geburt getrennt wurden“, erzählt sie schmunzelnd. Das Einzige, was sie an ihrem Job etwas schwierig findet, ist die Art, wie gelegentlich im Internet Kritik geübt wird. „Wenn mal was kommt, was unter die Gürtellinie geht, nimmt einen das schon mit“, gibt Hayali zu.

Was darf es denn sein? Hayali und Emma vor der Theke des Dog Shops Hundekuss 36. ©Triantafillou

Viel Licht und ein wenig Schatten im Wrangelkiez

Doch in ihrem Kiez kann sie prächtig abschalten. „Ich finde es immer noch total entspannt. Es ist so ein bisschen leben-und-leben-lassen“, sagt die Journalistin, die natürlich den Wandel in der Gegend registriert: „Der Kiez hat sich in den Jahren dermaßen verändert, dass mir fast schwindlig wird.“ Und trotzdem findet sie: „Das Einzige was nervt ist die Einstellung von manchen Touristen“, und meint damit nur jene Besucher, die sich etwa durch öffentliches Urinieren oder lautstarke Trunkenheit bemerkbar machen. Andere Entwicklungen, die die Menschen im Kiez nur wenig beeinflussen können, sieht sie allerdings kritisch: „Es ist eine Unverschämtheit, wie die Miet- und Kaufpreise nach oben geschossen sind. Ich finde, da hat die Stadt überhaupt keine Idee, wie sie gegensteuern kann.“ Als „konzeptlos“ bezeichnet sie die Stadt auch bei der Problematik rund um den Drogenhandel im Görlitzer Park. Ihr tun beide Seiten – Anwohner wie Drogen verkaufende Flüchtlinge – leid. Und sie gibt zu, selbst auch keine „Patentlösung“ parat zu haben.

Die schönen Seiten des Lebens in Kreuzberg weiß Dunja Hayali zu genießen. Sie freut sich, dass sie außer Kleidung im Wrangelkiez alles Wichtige bekommt. „Ich gehe fast nur in der Gegend einkaufen“, erzählt sie und nennt auch gerne Namen. Denn „das gehört auch zur Nachbarschaft dazu, dass man seine Freunde supportet“. Viele Lebensmittel kauft sie in der Wrangelstraße bei Bizim Bakkal, dem Laden von Ahmet Caliskan, von ihr liebevoll „alter Mann“ genannt. Auch beim Bioladen Biotopia ein paar Häuser weiter ist sie Kundin. Und selbst Hündin Emma wird in der Wrangelstraße glücklich: Leckereien für sie besorgt Hayali bei Hundekuss 36, der unter anderem eine für Vierbeiner einladende Frischfleischtheke hat.

Wenn sie sich selbst etwas Gutes gönnen will, geht Hayali etwa ins Restaurant von Daniel Brühl, mit dem sie auch bekannt ist. „Im Raval gibt es die besten Tapas von Berlin“, lobt sie. Die besten spanischen zumindest, denn seit dem Winter gibt es ja die Kantine Kohlmann. „Die haben eine wunderschöne Bar, ein tolles Restaurant und machen deutsche Tapas. Eine Superidee und saulecker“, so Hayali. Und wenn die Morgenmagazin-Moderatorin morgens mal nicht arbeiten muss, hat sie auch eine Anlaufstelle: „Mein Lieblingsfrühstückladen ist der Salon Schmück„, verrät sie uns.

Das Buch „Is‘ was, Dog? Mein Leben mit Hund und Haaren“ von Dunja Hayali (Mitarbeit Elena Senft) ist bei Ullstein Extra erschienen. Aktuell geht außerdem diese Dankesrede der Moderatorin zur „Goldenen Kamera“ durchs Netz:

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