Durch den Kiez mit Daniel Zillmann

"Mich halten die Ureinwohner auch für ein rich kid"

Daniel Zillmann kennt die Gegend um den Böhmischen Platz seit Kindertagen. Zur Foto-Galerie
Rixdorf – Auch wenn es ihm nicht jeder ansieht: Schauspieler Daniel Zillmann ist waschechter Neuköllner, born and raised in Rixdorf. Wir haben mit dem Tausendsassa in seinem Kiez über Castorf und die heimatliche Blutwurst gesprochen.

QIEZ trifft Daniel Zillmann im Barini in der Böhmischen Straße. Das Café unweit des Richardplatzes versucht sich an einem italienisch-türkischen Crossover – und steht damit exemplarisch für eine Gegend, die noch zwischen dem Alten und Neuen schwankt. „Neukölln ist hartnäckig und lässt sich noch nicht so ganz gentrifizieren“, findet auch Zillmann. Er ist hier aufgewachsen, hat die Entwicklung miterlebt. Zwischendurch wohnte er zehn Jahre am Kreuzberger Planufer – „die schönste Straße der Stadt“ – und kehrte dann wegen der sprunghaft gestiegenen Miete zurück ins heimatliche Neukölln. Selbst wenn ihn nicht jeder „Ureinwohner“ wiedererkennt – wohl fühlt er sich dort dennoch.

Wahrscheinlich könnte Daniel Zillmann sich die Kreuzberger Mietpreise sogar leisten – spätestens nach 2015. „Das Jahr war überwältigend und arbeitstechnisch mein bestes“, resümiert der Schauspieler. Nach seinem Mitwirken in „Tod den Hippies!! Es lebe der Punk“ und Dietrich Brüggemanns Nazi-Satire „Heil“ hat er mit Regisseur Oliver Hirschbiegel und Kollege Tom Schilling die Stasi-Agentenserie „Same Sky“ gedreht. Deren Starttermin ist noch offen, doch bereits ab 11. Februar können wir Zillmann in einer ganz anderen Rolle sehen: Als Kino-Fiesling Big M im sechsten Teil der erfolgreichen Kinderfilm-Reihe „Die wilden Kerle“.

Die Rampensau in der Volksbühne

Es gab vergangenes Jahr weitere Dreharbeiten und andere Jobs in der Branche. „Ich liebe es, Zeichentrick zu synchronisieren“, sagt Zillmann. Doch besonders begeistert erzählt er von seiner Arbeit an der Volksbühne, mit deren legendärem Regisseur und Noch-Intendanten Frank Castorf. Zillmann ist bühnentechnisch ein Spätberufener; früher konnte er mit Theater wenig anfangen – mit Ausnahme der Volksbühne eben: „Das ist ein Theater, wo ich mich wohlfühle. Der Humor und das Philosophische haben mich angetriggert.“ Letztendlich landete der Schauspieler auf Empfehlung des Kollegen Marc Hosemann bei Castorf, doch schon zuvor hatte es dem Regisseur ein Auftritt von Zillmanns damaliger Band Straight to the Rabbits angetan.

Daniel Zillmann stand in Castorf-Inszenierungen von Ibsens „Baumeister Solness“ und Dostojewskis „Die Brüder Karamasow“ auf der Bühne. Wie war die Arbeit mit dem großen Meister? „Es ist ein Erlebnis“, erzählt Zillmann. „Man muss belastbar sein und Eier haben.“ Dafür kitzelt Castorf auf unkonventionelle Art Höchstleistungen aus den Schauspielern. „Er ist wahnsinnig klug und clever“, so der Schauspieler. „Du bist wie du bist, kriegst die und die Texte und dann ab!“ Da spielt Zillmann auch schon mal sechs Stunden auf Krücken, wegen eines Bänderrisses. Denn: „Man fühlt sich wie ein Superheld. Die Erfahrung ist ganz toll.“ Und belastet so ein intensives Jahr nicht auch? „Man wird stärker und stressresistenter und es ist das, was ich mein Leben lang wollte“, so Zillmann.

Ob vegan oder Fleisch, Hauptsache gut

Ausspannen kann er in Neukölln trotzdem noch: „Ich sitze total gerne auf dem Richardplatz auf der Bank. Mit dem Kopfsteinpflaster, den alten Laternen ist es wie in einem Dorf und das mitten in der Stadt.“ Angetan hat es Zillmann auch die gesunde Mischung an Geschäften im Kiez: „Es gibt noch alte Läden wie die Fleischerei am Karl-Marx-Platz, mit der weltbesten Blutwurst. Gleich gegenüber gibt es den veganen Dr. Pogo. Ich finde gut, dass ich zu beiden gehe.“ Man muss es ja nicht unbedingt so machen wie eine Freundin von Zillmann, die sich nichts dabei dachte, mit einer durchsichtigen Tüte voller blutiger Würste beim Veganladen einkaufen zu gehen.

Der Schauspieler hofft, dass die Mischung aus Eck- und Szenekneipen, aus traditionellen und hippen Läden so erhalten bleibt. Zum Beispiel die echte Schmiede am Richardplatz. „Ich gehe nicht zu dem Schmied, aber ich bin froh, dass es ihn dort gibt. Ich gehe auch nicht jeden Tag zur Fleischerei, aber ich weiß, die ist gut und soll dort auch bleiben“, findet Zillmann. Genauso gern geht er ins Kiezkino: „Das Passage-Kino ist das Kino meiner Kindheit. Ich finde auch, dass es nach wie vor das schönste Kino ist.“ Für ausbaufähig hält er dagegen das gastronomische Angebot im Richardkiez: „Kulinarisch könnte noch etwas passieren!“ Zum Essen zieht es ihn daher in benachbarte Viertel, etwa zu Mama Kalo oder Schiller Burger im Schillerkiez – und natürlich zur allseits beliebten Lavanderia Vecchia in der Flughafenstraße. Immerhin gibt es den seiner Meinung nach besten Moscow Mule, Daniels Lieblingsdrink, direkt in der Richardstraße, Ecke Uthmannstraße, bei Alter Roter Löwe Rein.

Daniel Zillmann im Studio (c) Zillmann
Und wie geht es nach einem so intensiven Jahr im darauffolgenden weiter? Neben Theater und Film möchte sich Daniel Zillmann in jedem Fall wieder verstärkt der Musik widmen. Seine aktuelle Band heißt King Mami. Ein Projekt, das er gemeinsam mit Musikerin und Produzentin Luci van Org gestartet hat, mit der er auch befreundet ist. „Wir schreiben die Songs gemeinsam. Oft ist das so ein Therapieding. Ich rede und sie bringt das dann so zusammen“, erzählt Zillmann. Heraus kommen „klassische Songs, die irgendwie in jedem Jahrzehnt funktionieren“. Ganz so brav wie sich das anhört, wird es aber bestimmt nicht. „Luci hat zu mir gesagt, ich hätte einen Hang zu Kindermelodien“, so Zillmann. Jetzt müssen nur noch ein Plattenvertrag und eine Tournee auf die Beine gestellt werden und wir überzeugen uns gerne selber.

Wilde Kerle 6 mit Daniel Zillmann startet am 11. Februar in den deutschen Kinos.

Foto Galerie

Barini-Nk GESCHLOSSEN, Böhmische Straße 46, 12055 Berlin


Montag, Mittwoch bis Freitag ab 09:00 Uhr (Küche bis 21:30, Freitag bis 22:30 Uhr)
Samstag ab 10:00 Uhr (Küche bis 22:30 Uhr)
Sonntag und Feiertag von 10:00 bis 18:00 Uhr (Küche bis 16:00 Uhr)

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