Tagebau verschmutzt Flusswasser

Die rostige Spree

Die rostige Spree
In der Spree zu schwimmen, wie hier beim City-Triathlon, könnte bald gesundheitsschädigend sein.
Dass Kohle die Luft verschmutzt, ist nichts Neues. Selbst die Wasserverschmutzung durch Grundwassersenkung beim Rohstoffabbau sollte bekannt sein. Trotzdem gibt es noch immer aktive Tagebaue, die die Spree verschmutzen. Eine Stilllegung würde das Problem allerdings auch nicht sofort lösen.

Die starken Regengüsse unterstützen offenbar das Problem, sind aber nicht der die Wurzel des Übels: „Ich kenne es schon fast nicht mehr anders“, sagt Uwe Promnitz, Platzwart der Spremberger Kanuten, und holte ein Marmeladenglas aus der Spree. Das Wasser darin ist rostrot. Flussabwärts von Spremberg, in Berlin, beobachtet man aus Sorge um die Trinkwasserversorgung aufmerksam die Spree.

„Die durch Eisenhydroxyd hervorgerufene braune Färbung ist für uns nicht das Problem“, erklärt Birgit Fritz-Taute, Referatsleiterin für Wasserwirtschaft bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. „Das kommt nicht bis Berlin – das Sulfat aber schon.“ Die Lausitzer Braunkohle wurde beinahe hundert Jahre mit Entwässerungsanlagen geführt. Das abgeleitete Wasser trägt zu der roten und braunen Färbung sowie zu den Sulfaten in der Spree bei. Für die Förderung der Braunkohle wird das Grundwasser im Tagebau abgesenkt. Dadurch werden die Mineralien Markasit und Pyrit Luft und Wasser ausgesetzt. Die Verbindung produziert Eisenhydroxyd und Sulfat.

Ausgediente Tagebaugruben verzeichnen einen Anstieg des Grundwassers. Dadurch gelangen Säure, Eisen und Sulfat in die Oberflächengewässer. Doch auch aktive Tagebaue von Vattenfall schwemmen die Stoffe durch sogenannte Sickerwassereinträge in Flüsse. Dazu gehören auch die Spree, die Kleine Spree und die Schwarze Elster. Laut Experten ist ein Anstieg der Belastung in den kommenden Jahren wahrscheinlich.

Schädlich für Mensch und Tier

Aus diesem Grund existiert schon seit 2000 eine Arbeitsgruppe, in der die Länder Sachsen, Brandenburg und Berlin, die Wasserbetriebe, aber auch die Bergbausanierungsgesellschaft LMBV und der die Tagebaue betreibende Energiekonzern Vattenfall nach Wegen aus der Misere suchen. „Die technischen Möglichkeiten, um das Sulfat aus dem Wasser zu bekommen, sind allerdings stark eingeschränkt“, sagt Birgit Fritz-Taute: „Deshalb wird der Sulfatwert in und auch weit vor Berlin regelmäßig kontrolliert. Sollte er den zulässigen Grenzwert von 240 Milligramm pro Liter übersteigen, müssten die an der Spree gelegenen Wasserwerke wie Friedrichshagen sofort den Betrieb einstellen.“ Bis jetzt sei das zum Glück nicht passiert, sagt die Hydrogeologin, aber es stehe ja auch keine baldige Lösung in Aussicht: „Am meisten Sorgen machen mir die aktiven Tagebaue, die mit Sulfat belastete sogenannte Sümpfungswässer ableiten. Und es sollen ja weitere dazukommen.“

Durchfall und starke Übelkeit sind die Folgen des Konsums von Sulfat-verseuchtem Trinkwasser. Eisenhydroxyd hingegen ist wenigstens nicht schädlich für Menschen. „Gefahr für die Gesundheit beim Paddeln oder Baden besteht da nicht“, sagt der Leiter des brandenburgischen Landesumweltamts Matthias Freude. Jedoch leiden Tiere unter dem Stoff: „Das Eisenhydroxyd färbt das Wasser braun wie Rost, der flüssig wird, und kann in großen Mengen die Kiemen der Fische verkleben oder Kleinstlebewesen, die Partikel aus dem Wasser filtern, töten – was wiederum die Nahrungsgrundlage für Fische gefährdet.“

Matthias Freude will die Situation jedoch nicht überbewerten. Das ökologische Gleichgewicht wäre bisher immer wieder ins Lot gekommen, sagt er. Umweltschützer sind da anderer Meinung. So beobachtete die Arbeitsgruppe Braune Spree des Nabu über einige Jahre hinweg einen Artenrückgang in und an der Spree zwischen Neustadt und der Talsperre Spremberg.

Dreckschleuder Tagebau

Auf Anfrage der Fraktion Bündnis 90/ Grüne gab die Landesregierung Brandenburg an, der aktive Tagebau Nochten scheine die größte Rolle bei Anhäufung von Sulfat in der Spree zu spielen, wohingegen das Eisen hauptsächlich durch den Wiederanstieg des Grundwassers im Bereich der stillgelegten Tagebaue verursacht würde und über diffuse Quellen in die Kleine Spree und Spree gelange.

„Beide Stoffe sind in höheren Konzentrationen schädlich“, gesteht die Landesregierung ein, kann aber keine Prognosen abgeben: „Aufgrund mangelnder Vorhersehbarkeit einiger Entwicklungen … kann derzeit weder der Anteil des Grundwasseranstieges am Eisenaustrag genau beziffert werden, noch eine zeitliche Prognose zur Entwicklung des Grundwasseranstieges am Eisenaustrag genau beziffert werden.“

Das Problem wurde unterschätzt, heißt es von Umweltschützern. Schließlich seien die Folgen der Pyrit-Spaltung seit 1937 bekannt.  Durch den Mangel an einer ultimativen Lösung, sei die Stilllegung der Tagebaue, oder wenigstens der Verzicht auf neue, die beste Alternative. Doch auch dann liefe noch jahrzehntelang Eisenhydroxyd und Sulfat in die Spree.


Quelle: Der Tagesspiegel

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