Friedrichshain
Arbeiten an der East-Side-Gallery

Die Mauer wird rausgeputzt

Die Mauer wird rausgeputzt
Schön bunt hier. Euphorische Menschen und zähnefletschende Politiker des Kalten Krieges waren hier früher mal zu sehen. Nun zeigt Popartkünstler Jim Avignon an seinem Stück East Side Gallery unter anderem DJs in Clubs oder Spekulanten mit Hochausmodellen unterm Arm.
Mühlenstraße – Zuletzt wurde über die Versetzung von Mauerteilen aus der East-Side-Gallery gestritten, nun verkündet der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg positivere Nachrichten: das weltberühmte Touristenziel wird von morgen an einer Grundreinigung unterzogen. Doch ob diese Maßnahme die Wogen glätten kann?

Lange wurde um die Finanzierung gerungen, nun ist es so weit: Das längste noch existierende Stück der Berliner Mauer wird generalüberholt. Ab dem morgigen Dienstag, witterungsbedingt um einen Tag verspätet, werden die aufgemalten Kunstwerke der East-Side-Gallery „von Graffiti und Schmierereien gereinigt und konserviert“, wie das Bezirksamt mitteilt. Zudem sollen Löcher im Beton, die durch Vandalismus entstanden sind, gestopft werden.

Vor nicht allzu langer Zeit ging es noch um ganz andere Löcher. Aufgrund der Bautätigkeit in der Mühlenstraße 60 wurden vom Investor mehrfach – geduldet vom Bezirksamt – Teile der denkmalgeschützten Mauer versetzt. Die Künstlerinitiative East Side Gallery e.V. hatte dagegen protestiert und rechtliche Schritte eingeleitet. Deren erster Vorsitzender Kani Alavi ist auf die Verantwortlichen nach wie vor nicht gut zu sprechen. Über die Reinigungspläne des Grünflächenamts wurden die Künstler seinen Angaben nach nicht informiert. Das Tischtuch scheint zerschnitten – so viel wird im Gespräch mit dem erbost wirkenden Alavi deutlich. Eine Beteiligung der Initiative bei der Planung der eigentlich gewünschten Reinigung hätte der Vorsitzende für geboten gehalten.

Kofinanzierung durch Bund und Land

Der zuständige Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne) freut sich dagegen über den doch noch erfolgten Geldsegen: „Der Bezirk hat sich seit langem dafür eingesetzt, dass Mittel für die erforderlichen Arbeiten bereitgestellt werden, da der finanzielle Aufwand den Rahmen sprengt, den der Bezirk für die Grünflächenunterhaltung hat, denn die East-Side-Gallery ist Teil einer Grünanlage. (…) Es ist unser Ziel, das weltweit einzigartige Symbol für die Trennung Berlins auch künftigen Generationen zu erhalten.“ Die insgesamt 230.000 Euro für die Reinigung werden je zur Hälfte vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt bereitgestellt.

Im Streit zwischen Alavi und der Künstlerinitiative auf der einen sowie dem Bauherrn aus der Mühlenstraße 60 und dem Bezirksamt auf der anderen Seite kommt das Dilemma der Mauerkunst zum Tragen: Während Alavi von „Urheberrecht“ spricht, reklamiert der Bezirk die East-Side-Gallery als Teil des öffentlichen Raums, einer Grünanlage. Es bleibt die Frage, wer für den Erhalt zuständig sein sollte und wer über Veränderungen entscheiden darf.

East Side Gallery, Mühlenstraße, 10243 Berlin

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