Besuch im "Hostel Hermannstraße"

"No Flamenco on my Linoleumboden!"

Edith und ihre Crew eröffnen ein Hostel mit Hinterhofblick. Zur Foto-Galerie
Berlins berühmteste Hartz-IV-Empfängerin eröffnet Hostel mit Hinterhofblick und Gemeinschaftsdusche in Neukölln. Jede Menge Futschi inklusive. Wer einchecken möchte, sollte bis zum 20. September im BKA Theater vorbeischauen.

Eins ist sicher: Mit seiner Figur der Edith Schröder hat Travestiekünstler Ades Zabel eine Berlin-Type für die Ewigkeit geschaffen. Die resolute Neuköllnerin, deren Klappe ebenso groß ist wie ihre „Glocken“, ist seit Anfang der Nullerjahre unverzichtbarer Bestandteil der Berliner Kleinkust-Szene. Dabei zieht ein Abend mit Edith und ihren unverwüstlichen Freundinnen Jutta (Bob Schneider), Birgit (Biggy van Blond) und Hatice (Stefan Kurschner) definitiv eines nach sich, nämlich Bauchschmerzen. Denn was die Ades Zabel Company in ihren Programmen auf die Beine stellt, ist nicht nur richtig gutes und hintergründiges Kabarett, sondern auch ein riesiger Spaß. Jedenfalls für alle, für die es auf der Bühne gerne auch mal etwas derber zugehen darf.

Schließlich nehmen Edith und ihre Freundinnen kein Blatt vor den Mund. Und auch die Schamesröte treibt es ihnen nicht so schnell ins Gesicht. Davon kann man sich auch im aktuellen Stück „Hostel Hermannstraße“ ein Bild machen, das nach der Sommerpause nun nochmal vom 2. bis zum 20. September im BKA Theater auf die Bühne gebracht wird. Die Story: Das Amt kündigt Edith die Bezüge, schließlich ist sie jetzt stolze Besitzerin eines Neuköllner Altbaus (siehe Kultstück „Linie 8“). Doch die Sachbearbeiterin bringt ihre Lieblings-Hartzerin auf eine Idee: warum nicht ein Hostel eröffnen? Damit ist schließlich im Trendbezirk gutes Geld zu verdienen.

Atemlos – durch Neukölln!

Immer im Mittelpunkt: Edith Schröder.
Gesagt, getan. Fortan kümmern sich Edith und ihre Freunde im neuen Hostel mehr schlecht als recht um angereiste Hipster (mit denen man sich irgendwie auf Englisch verständigen muss) ebenso wie um ein berühmtes Paar aus Nordkorea. Teilzeit-Muslima Hatice heuert als „Putz-Praktikantin“ eine „Asylantin“ aus Sachsen an, im Keller eröffnet eine Horror-Wellnessoase und unterstützt vom Inder um die Ecke müssen plötzlich vegane und glutenfreie Gerichte improvisiert werden. Doch als das Ganze schließlich so richtig ins Rollen kommt, blüht Edith eine Reise in die Uckermark. Dort hat sich Brigitte nämlich beim Bio-Eier-Kauf Hals über Kopf in einen echten Bauern verguckt, muss dann aber natürlich schnellstmöglich aus der Provinz gerettet werden.

Zwischendurch lernt das Publikum außerdem eine schamlose Sektenführerin und ihren Tanz der Freude, eine geschändete Sexpuppe und Edith Schröder als Helene Fischer bzw. Kneipenbesitzerin Jutta als neue Andrea Berg kennen. Tolle Unterhaltung, die zwischendurch mit witzigen Filmchen (u.a. einem Besuch von rbb-Reporter Ulli Zelle im neuen Hostel) und natürlich einer Menge Songs (unter anderem einer grandiosen deutsch-türkischen „Happy“-Version) untermalt wird. Und auch das Publikum kann sich natürlich nicht ganz aus der Affäre ziehen. Aber davon sollte man sich am besten direkt vor Ort ein Bild machen. Fazit: Kult pur!

Foto Galerie

BKA - Theater, Mehringdamm 32, 10961 Berlin
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