Riviera und Gesellschaftshaus in Grünau

Bezirk erklärt Stillstand bei verfallenden Denkmälern

Bezirk erklärt Stillstand bei verfallenden Denkmälern
Die abblätternde Pracht vergangener Jahrhunderte.
Grünau - Seit Jahren faulen das "Gesellschaftshaus" und die "Riviera", zwei Kulturprachtbauten des ausgehenden 19. Jahrhunderts, vor sich hin. Die Grundstückseigentümerin hat versäumt, den verpflichtenden Denkmalschutz der Gebäude ernst zu nehmen. Der Bezirk Treptow-Köpenick veranlasste daraufhin im April 2013 eine sogenannte Sicherungsanordnung - passiert ist seither jedoch wenig.

Grün-schimmlige Fassaden, abblätternde Tapete, bröckelnde Stuckelemente, eingetretene Türen, Pfützen- und Schimmelbildung. Zu sagen, die Riviera habe schon einmal bessere Zeiten erlebt, zu ihrer Entstehung 1897-98, ist eine grobe Untertreibung. Seit dem Jahr 1991, als die Lokale des Riviera Hotel-Restaurants und des daneben liegenden „Gesellschaftshauses“ geschlossen wurden, rotten Hotel und Ballsaal vor sich hin. Dabei war das Gelände bereits 1977 unter Denkmalschutz gestellt worden, so zeigt es die zusammengetragene Chronik der Initiative riviera-retten.de auf, welche von der AG Ortsgestaltung Grünau ins Leben gerufen wurde .

Im Frühjahr des Milleniums sollte dann der Wandel folgen – man überlegte im Mai 2000, aus dem Gelände eine Wohnanlage und ein neues Hotel zu meißeln. Hierfür hatte die damalige Eigentümerin das Gelände als ein denkmalgeschütztes vergünstigt aufgekauft. Als sich herausstellte, dass die Investitionen sich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht rechnen werden, versiegten jedwede Bau- oder Instandsetzungsmaßnahmen. Zu diesem Zeitpunkt – 2001 – war ein Großteil der Inneneinrichtung bereits geplündert und die Räume stark verunstaltet. Noch bis vor Kurzem zog die rustikale Ruine – verbotenerweise – manche Abenteuerfreudigen an, ähnlich dem Spreepark mit seinen anachronistischen Jahrmarktfossilien. 2006 ging das Eigentum de facto über in die Hand von Selahattin Erdem, einem Potsdamer Unternehmer, der als Bevollmächtigter seiner Schwester für das Grundstück auftritt.

Verfallen lassen, um Neubau voranzutreiben?

Sprung in die Gegenwart: Die Eigentümerin hatte einen Antrag auf Abriss und Neubebauung des Grundstücks beantragt – welcher abgelehnt wurde. Erdem wurde in der Folge von der 16. Kammer des Verwaltungsgerichts dazu verpflichtet, sich dem Denkmalschutz seines Gebäudes anzunehmen. Die AG Ortsgestaltung Grünau sprach den Verdacht an – und die ausdrückliche Forderung des Verwaltungsgerichts ließ den Rückschluss ebenfalls zu -, dass die Eigentümerin über Jahre hinweg Riviera und Gesellschaftshaus hat verfallen lassen, damit diese den Status des Denkmalschutzes verlieren und neu bebaut werden können.

Doch die Rechnung ging nicht auf. 40.000 Euro dürfte das Abtragen und Einlagern der Stuckelemente, das Abdichten gegen Regenwasser und die Versiegelung von Türen, Fenstern und weiteren undichten Stellen die Eigentümerin kosten. Nicht gänzlich unerwartet legte deren Rechtsbeistand alle denkbaren Rechtsmittel gegen das Urteil ein. Im Rahmen einer Mediation zur Sanierung der Gebäude vor einem Güterichter verpflichtete sich der Vertreter der Eigentümerin dann, die geforderten Maßnahmen zu erledigen – schließlich hatte das Verwaltungsgericht Berlin die entsprechende Anordnung als rechtmäßig bestätigt. Bisher wurden jedoch nach Angaben des Bezirksamts nur die Fenster gegen Vandalismus gesichert.

Angesichts neuer Erkenntnisse über den Zustand der Denkmalsubstanz im Riviera erging im Juli diesen Jahres eine weitere Anordnung zur Sicherung der Saaldecke, die mit Kosten von rund 20.000 Euro verbunden ist. Dass sich dennoch wenig getan hat, erklärt der zuständige Baustadtrat Rainer Hölmer (SPD) mit der rechtlichen Komplexität der Situation aufgrund des „massiven Eingriffs in das Eigentum“ sowie der personellen Besetzung der Denkmalbehörde. Aktuell müssten sich drei MitarbeiterInnen um die 4.500 Denkmale des Bezirks und jährlich 600 entsprechende Verfahren kümmern. Zudem habe die Eigentümerin durch ihren Rechtsbeistand immer wieder versichern lassen, die geforderten Arbeiten auszuführen.

Die Geduld des Bezirksamts endete schließlich mit einer am 15. Oktober abgelaufenen letzten Frist. Am folgenden Tag wurden Maßnahmen zur Durchführung der „Ersatzvornahme“ eingeleitet – der Bezirk veranlasste die nötigsten Reparaturen nun selbst und wird sie der Eigentümerin in Rechnung stellen. Sichtbar werden die Sicherungsarbeiten nach Angaben des Amts allerdings erst ab 13. November.

Bezirk erklärt Stillstand bei verfallenden Denkmälern, Regattastraße, 12527 Berlin
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