European Maccabi Games

"Die ganze Mischpoke ist am Start"

Trotz des Zickzacksommers schwimmen die Sportler der Makkabi Spiele im Olympiapark um die Medaillen.
Westend - In diesem Jahr finden die Maccabi Games zum ersten Mal in Berlin statt. Mehr als 2.300 jüdische Sportler aus 36 verschiedenen Ländern besuchen unsere Hauptstadt und messen sich in 19 verschiedenen Disziplinen. Wie es bei dem Sportevent im Olympiapark so zugeht? Wir haben vorbeigeschaut.

„Da wird man ja noch völlig meschugge!“ Der Bahnhof ist bereits eine gefühlte Ewigkeit Fußmarsch entfernt und noch immer ist weit und breit keine Trillerpfeife zu hören und keine Mannschaft zu sehen. Nur Polizisten in den verschiedensten Positionen – quatschend am Straßenrad, wachsam auf dem Fahrrad oder observierend im Auto – verraten, dass hier das Event stattfindet von dem ganz Berlin zur Zeit spricht, und das auf Plakaten in der ganzen Stadt mit dem Solgan „Die ganze Mischpoke ist am Start“ wirbt: die Makkabiade.

Wer sich im Olympiapark nicht auskennt, sollte dabei nicht auf das altbewährte Prinzip: „Ich muss den Weg doch nicht wissen, ich folge bei solch großen Veranstaltungen einfach nur der Masse“ setzen, denn die einzige Masse, sind hier die Polizisten, und wer denen unauffällig folgt, läuft lediglich Spießrunden um das Geschehen herum. Gleich nach dem Weg zu fragen erweist sich dann doch als effizientere Lösung, so dass endlich das Schwimmstadion in Sicht ist.

36 Nationen, aber keine Berliner

Vor den Startblocks hüpfen die Junioren herum, einige aus Ungeduld, anderen ist bei 20 Grad Außentemperatur und bewölktem Himmel möglicherweise nicht ganz so warm. Doch trotzdem wagen sie den Sprung ins kühle Nass. Auf dem Rasenstück hinter dem Schwimmbecken steht ein Siegertreppchen vor der Bühne, rundherum Sitzmöglichkeiten und Pavillons – jedoch alles leer. Die Masse der über 2.300 Sportler aus aller Welt ist an diesem normalen Wettkampftag nicht ansatzweise zu erahnen. Aber auch das Interesse der Besucher scheint noch nicht so recht entflammt zu sein.

Nichtsdestotrotz lodern gegenüber Leidenschaft und Teamgeist: Jubel, Trubel und Heiterkeit locken zum Footballfeld. Gerade spielt das holländische Team gegen Großbritannien, auch hier ist die Zahl der Zuschauer eher begrenzt, aber die ausgelassene Stimmung wirkt ansteckend. Das Klischee der lauten, lustigen Holländer wäre damit schon mal bestätigt. Ob sie wohl auch mit dem Wohnwagen angereist sind?

Beim Tischtennis geht es wieder etwas ruhiger zu – der Ball unterbricht als einziger die Stille, während er fröhlich von Feld zu Feld und von Seite zu Seite springt. Ein Match in absoluter Stille, für das nicht mal eine Halle benötigt wird, findet eine Etage höher statt. Mit gerunzelter Stirn sitzen die grübelnden Schachkandidaten vor ihren Figuren und schicken in dieser Disziplin lieber die Bauern in den Kampf, statt sich selbst zu bewegen. Doch wenn es drauf ankommt, nutzen sie all ihr Fingerspitzengefühl um ihre Herzdame zu beschützen.

Es geht um mehr als den Sport

Vom langsamen, gefühlvollem Spielverlauf stürze ich direkt in eine olympische Disziplin in welcher derjenige gewinnt, der am schnellsten den Schläger zückt. Damit das Publikum und die gesamte „Mischpoke“ das Badminton-Finale ganz entspannt und hautnah erleben kann, wurde in der Halle eine Tribüne aufgebaut. Während ich hier ein Weilchen verharre, lausche ich den Wortfetzen, welche zu mindestens fünf verschiedenen Sprachen gehören. Um mich herum wird geplappert und gelacht, Juden und Nicht-Juden – gemeinsam.

Und plötzlich geht es hier gar nicht mehr um den Sport oder um irgendwelche Linien, Regeln und Abläufe. Sondern darum, dass bei der Makkabiade in Berlin Grenzen überschritten werden, welche vor 70 Jahren gesteckt wurden. Darum, dass wir uns durch ein faires Spiel die Hand reichen und eine Basis für neues Grundvertrauen schaffen. Darum, dass wir uns beweisen und nicht nur das Sportlerherz stärker für die deutsch-jüdische Mannschaft schlägt.

Die europäischen Makkabi Spiele 2015 finden vom 27. Juli bis 5. August zum ersten Mal in Berlin statt. Der Eintritt ist frei. Am 1. August pausiert die Veranstaltung, da der Samstag der jüdische Ruhetag ist.

Olympiapark, Hanns-Braun-Straße, Friesenhaus 2, 14053 Berlin
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