Tegel Flight Academy

Das Mitfliegen lernen

Das Mitfliegen lernen
Hoch in die Luft - auch ohne Flugangst.
Ein neuer Flug von Tegel nach Tegel lehrt die Passagiere, was es mit dem Gerumpel an Bord auf sich hat und wie sich ein Notfall-Sinkflug anfühlt.

Es knistert aus den Lautsprechern. Das Kabinenlicht über den Köpfen der Passagiere flackert. „Sehen Sie, gerade haben wir auf die Stromversorgung durch die Triebwerke umgeschaltet.“ Cyrus Sadri, der die 130 Fluggäste mit dieser Erklärung beglückt, ist sowohl Pilot als auch Radiomoderator. Mit seiner Auskunftsfreudigkeit hat das allerdings eher weniger zu tun. Auch sein Kollege, Flugkapitän Derek Fund, hat am Vormittag den Passagieren nicht etwa aus Langeweile eine Stunde lang Rede und Antwort gestanden. Entscheidend ist: Flug 1234 von Berlin-Tegel nach Berlin-Tegel ist Teil eines wahrscheinlich einzigartigen Pilotprojekts der deutschen Firma Airevents.

Zum Nordpol und den Polarlichtern

Drei Mann organisieren unter diesem Namen Rundflüge zumNordpol und den Polarlichtern oder chartern alte und seltene Maschinen für zahlungskräftige Luftfahrtenthusiasten. Ab Berlin-Tegel geht es für 200 bis 300 Euro in die Luft. „Wir experimentieren jetzt erstmals mit einem Angebot, das gerade Neulingen das Fliegen näher bringt“, erklärte Airevents-Mitgründer Lutz Schönfeld vor kurzem bei der Premiere. Die zweite Ausgabe der „Flight Academy“ findet im November statt. Flugpersonal und Maschine stellt die Charterabteilung von Air Berlin zu Verfügung. Durch die Zusammenarbeit mit der Fluggesellschaft ist auch ein Besuch in deren Wartungshangar möglich – ein Blick aus nächster Nähe auf die Technik.

Wissen gegen Flugangst

Doch die Passagiere sollen nicht nur Erklärungen erhalten, sondern auch spüren, was ein Verkehrsflugzeug zu leisten in der Lage ist:  „Normalerweise starten wir oft mit reduziertem Schub, um Sprit zu sparen. Heute wollen wir natürlich zeigen, was Power ist“, hatte Flugkapitän Derek Fund in seinem Vortrag angekündigt. Als der dutzende Tonnen schwere A319 schließlich mit seinen annähernd 20.000 PS auf der Bahn 26L zu Beschleunigen beginnt, muss Passagier Kai-Uwe Eckhardt schmunzeln. „Zieht doch ganz gut, muss ich schon sagen.“ Bis auf siebeneinhalb Kilometer geht es hoch in den Himmel über Berlin. Eckhardt, der beruflich viel fliegt, hat seit einem unglücklichen Start, bei dem das Flugzeug an einer der Tragflächen plötzlich den Auftrieb verlor, in der Luft ein mulmiges Gefühl. „Das macht es für mich besonders interessant, mehr über die Hintergründe zu lernen.“

Slalom im Airbus

Kurz nachdem das Flugzeug die letzten Wolken hinter sich gelassen hat, meldet sich erneut Flugoffizier Sadri. Man habe gerade die Freigabe der Flugsicherung für ein Manöver erhalten. Sonderflug hin oder her, alles muss abgesprochen und genehmigt werden. Kaum ist die Durchsage vorbei, geht das Flugzeug auch schon in eine scharfe Linkskurve und gleich darauf in eine Rechtskurve. „Woah“, ist aus dem hinteren Teil der Kabine zu hören, während der Airbus sich immer weiter zur Seite neigt – bis zu 35 Grad. Passagier Ralph Schledermann ist allerdings noch nicht wirklich beeindruckt. In Myanmar habe er mal einen Flug erlebt, da sei das Gepäck in einem riesigen Netz vor den Passagierreihen verstaut gewesen. „Als es dann beim Start nach oben ging, knirschte das Teil als wäre es kurz vorm Reißen“, erzählt der 58-Jährige. Eines hat allerdings auch er noch nicht erlebt: den Abbruch einer Landung. Dieses Szenario ist bei Flug 1234 fest eingeplant und angemeldet.

Ein geplanter Notfall

Da in Tegel für solche Späße aber zu viel Betrieb herrscht, fliegen die Piloten Richtung Norden. Schon kurz darauf kommt Usedom in der Ostsee in Sicht. Dort, am Flugplatz von Heringsdorf geht es in Landeeinstellung herunter bis auf 60 Meter über dem Boden, dann geben die beiden Piloten Vollgas. Die Triebwerke heulen auf, wie beim Start werden die Fluggäste in ihre Sitze gedrückt und das Flugzeug gewinnt wieder an Höhe. Aber: alles weniger dramatisch, als er es erwartet habe, findet Passagier Eckhardt. Passagier Schledermann ist von der Standfestigkeit der Flugtechnik beeindruckt. „Es ist schon klasse, dass diese Notfall-Manöver so kontrolliert geflogen werden können. Da habe ich auch vor den Piloten Respekt.“ Für Patrick Geier war die Teilnahme an der „Flight Academy“ der erste Flug seines Lebens – ein Geschenk seines Vaters. Spannend und interessant sei es für ihn gewesen, resümierte der 15-Jährige nach der Landung in Tegel. „Und wenn ich nochmal fliegen sollte, sind mir jetzt alle Ängste genommen.“


Quelle: Der Tagesspiegel

Flughafen Berlin Tegel TXL, Flughafen Berlin-Tegel, Flughafen Tegel, Berlin, Deutschland 13405, 13405 Berlin
XMAS Newsletter

Weitere Artikel zum Thema Ausflüge + Touren

Ausflüge + Touren | Freizeit + Wellness | Neueröffnungen | Wohnen + Leben

Neu in Grunewald: das Saunafloss

Deine Badehose kannst du zu Hause lassen, wenn du zu Dirk Engelhardt an die Havel […]
Ausflüge + Touren | Freizeit + Wellness

Gratis Street Art Tour in Berlin

Kunst gibt es in Berlin nicht nur im Museum, sondern auch an Häuserwänden. Diese interaktive […]
Ausflüge + Touren | Freizeit + Wellness

Top 10: Lost Places in Berlin und Umgebung

Sie tragen meist viel Geschichte in sich, wecken dein Entdecker-Gen und sind natürlich tolle Ausflugsziele […]
Ausflüge + Touren | Kultur + Events | Sehenswürdigkeiten

Was passiert denn jetzt mit dem Spreepark?

Der Spreepark in Berlin Plänterwald wird vom Lost Place zum Kultur- und Kunstpark ausgebaut. Beim […]