Victor Man's Zephir-Ausstellung

Eindringlich undurchdringlich

Eindringlich undurchdringlich
Rauch, Schleier, Semitransparenz: Drei Schlagworte, die in der Ausstellung immer wieder begegnen. Zur Foto-Galerie
Unter den Linden - Wie aus der Zeit gefallen und trotzdem hochmodern: Die Zephir-Ausstellung von Victor Man ist ein düsterer Ritt durch verschiedene Kunstepochen und diverse Stile - und trotzdem sehr einheitlich. Der Grund? Die Bilder hüllen den Betrachter in einen dunklen Schleier aus Finsternis, Begierde und morbider Phantasie.

Die Wände sind in einem mittelbraunen Stoff eingekleidet, Bilder verschiedenster Größen hängen an ihnen, allesamt dunkel gehalten. Die Farben Grau, Schwarz und Dunkelblau dominieren, die Bildränder flackern eigenartig. Es ist ein warmes, orangefarbenes Glimmen – kein Industrielicht. Kerzenschein vielleicht. Das Flackerlicht beleuchtet nicht das Bild, sondern dessen Konturen. Unüblich. Was soll das und wo ist die Lichtquelle?

Die Bilder des rumänischen Künstlers Victor Man sind für sich genommen schon einnehmend genug, in Zusammenspiel mit der extravaganten Präsentation allerdings verstärken sie die Fiktion einer düsteren Welt nachhaltig. Man läuft durch die KunstHalle der Deutschen Bank und denkt an dunkle Gemäuer, an Kellerkatakomben, an schwarze Höhlen. Handwerklich sind die Arbeiten unbestritten hervorragend und auch konzeptionell – und das gilt für jedes einzelne Bild als auch für ihr Zusammenspiel – ist die Ausstellung stark.

Schwarze Romantik und Sado-Maso-Bilder

Da sind Bilder, die an Höhlenmalerei erinnern, andere wiederum zitieren die Kirchenmalerei. Gleich mehrfach hat der Künstler ein surreales Motiv verarbeitet, das auch ein bisschen an die schwarze Romantik erinnert: Personen, vom Hals abwärts ab gezeichnet, sitzen auf Stühlen, einen Kopf – und nur den Kopf, ohne Körper –  in den Schoß gebettet. Ist es der eigene? Und was hat es mit den Schlieren über den schwarzäugigen Schädeln auf sich? Ist es die Seele, die entgleitet?

Und dann sind da die aktuellen Bilder, die mit einem postmodernen Bezug. Sado-Maso-Posen und Fesselspiele werden in der Dunkelheit des Bildes angedeutet. Oder sind es doch mittelalterliche Foltermethoden? Häufig muss man nah an die Exponate herantreten, um die schemenhaften Konturen vom dunklen Hintergrund unterscheiden zu können. Besondere Aufmerksamkeit zieht die Darstellung eines Science-Fiction-Wesens beziehungsweise einer  Maskenfrau, im engen Latexkleid knieend, auf sich. Die Besucher scharen sich wie Fragezeichen ums Bild.

Am Ende der Ausstellung bleiben Befremden, Faszination und ein wohliger Schauer zurück. Alles irgendwie auf einmal. Vielleicht, so könnte man vermuten, ist es kein Zufall, dass sich „Zephir“ auf Vampir reimt. Dass der Künstler Victor Man aus Transsilvanien kommt, dass er möglicherweise alle Bilder in der Nacht gemalt hat und dass er vielleicht auch die anzitierten Kunstepochen eben nicht nur anzitiert, sondern miterlebt hat, befeuern den Gedanke noch. Jetzt wird es doch zu unheimlich. Schnell raus aus dem Zwielicht und dem Wind der Dunkelheit. 

Weitere Infos zur Ausstellung und begleitenden Veranstaltungen gibt’s hier: www.deutsche-bank-kunsthalle.de

Foto Galerie

Deutsche Bank KunstHalle, Unter den Linden 13-15, 10117 Berlin

Telefon 030 2020930
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Montag bis Sonntag von 10:00 bis 20:00 Uhr

Deutsche Bank KunstHalle

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