Vom Aussterben bedroht

Prenzlauer Bär soll Luxuswohnungen weichen

Prenzlauer Bär soll Luxuswohnungen weichen
Das Wandbild mit dem spielenden Bären entstand zur 750-Jahr-Feier von Berlin.
Schönhauser Allee - Er war ein Wahrzeichen Ost-Berlins, nun hat er wohl ausgespielt: Der Fußball spielende Bär auf einer Giebelwand in Prenzlauer Berg soll Luxuswohnungen weichen.

Der Bär, kurze Beine, pummelig, die Mauerkrone ins Gesicht verrutscht. Den Ball vor ihm wird er nie erreichen, trotzdem rennt er unverdrossen Richtung Jahn-Sportpark. Ein Kämpfer, dieser Berliner Bär, Jahrgang 1986, Wahrzeichen von Prenzlauer Berg. Seit 27 Jahren spielt er auf einer Giebelwand an der Schönhauser Allee Fußball, Millionen von U-Bahnfahrern und Schönhauser-Bummlern ist er eine vertraute Figur. Nun droht sein Verschwinden.

Die Grünfläche zwischen Cantianstraße und Schönhauser Allee wird mit Luxuswohnungen bebaut, zwei Gebäude mit „hochwertigen Cityflats“ und Penthäusern sind geplant. 1A-Lage zwischen Mauerpark, Kulturbrauerei und Kastanienallee. Die 47 Wohnungen werden unter dem Namen „Cantianeck“ gerade verkauft. Fertigstellung: Sommer 2015. Investsumme: 20 Millionen Euro. Bauherr ist eine Gesellschaft mit ostigem Namen: KWV2 Wohnungsgesellschaft Ost-Berlin mbH – mit Sitz in Zossen.

Großes Interesse an Bären-Stücken

KWV stand früher für Kommunale Wohnungsverwaltung, ein mächtiger Apparat, der die Verteilung des knappen Wohnraums regelte. Hinter der Gesellschaft stehen zwei Berliner Investoren. Einer heißt Antonio Samos und erklärt, er wolle das Wandbild abschlagen lassen und die Putzteile für einen guten Zweck im Internet verkaufen. Einige Wohnungskäufer hätten schon starkes Interesse an einem Stück vom Bären bekundet. Aber mit seinem Schöpfer, Andreas Zahlaus, hat darüber noch niemand gesprochen. Was ihn, Zahlaus, ärgert.

Der Bär war eine Auftragsarbeit. Der Magistrat von Ost-Berlin wollte zur 750-Jahr-Feier der Stadt die Magistralen aufhübschen, erzählt Zahlaus. An der Giebelwand des Hauses Schönhauser Allee 135 musste der Putz erneuert werden. Diesem Eingriff fiel eine Frau mit hochtoupiertem Haar zum Opfer, die hier jahrelang für einen Festiger warb. Als die Dame stückweise von der Wand geschlagen wurde, fiel dem Magistrat ein, dass es doch schön wäre, hier für das benachbarte Jahn-Stadion zu werben. Dort trainierte und spielte der staatsnahe Serienmeister BFC Dynamo. Außerdem wurden hier einige Länderspiele der DDR-Nationalmannschaft abgehalten.

 

Zahlaus malt farbintensive Ölbilder, sein Werk von 1987 zählt er gar nicht als Kunst. „Das war nur ein Signet als Wegweiser.“ Innerhalb von drei Tagen musste das Bild fertig sein, da holte er sich Hilfe. Später gab es einen Farbanschlag auf das Bild. Ein Auftragsbär, wenn auch optisch unverdächtig, galt im oppositionell gestimmten Prenzlauer Berg als feindliches Objekt.

„Logo für Prenzlauer Berg“

Nach der Wende konnte der kickende Bär sein staatstragendes Image schnell abstreifen. Die Zugezogenen schlossen ihn ins Herz, weil er so schön aus der Zeit gefallen wirkte und der Einzige seiner Art blieb. 2006, als die Fußball-WM anstand, nahm sich Stefanie Gronau vom Tourismusbüro in der Kulturbrauerei des Bären an, erklärte ihn zum „Logo für Prenzlauer Berg“ und ließ zusammen mit Zahlaus 500 T-Shirts mit dem Logo drucken.

Danach geriet der Bär ein wenig ins Abseits, selbst Gronau hat ihn aus dem Blick verloren. Dass er nun verschwinden soll, sei wohl „der Lauf der Dinge“. Immerhin einen würdigen Abschied habe der Bär verdient, findet sie. Auch Zahlaus will jetzt keine Kampagne zur Rettung des Bären veranstalten. Sein Kommentar zum baldigen Abschied: „Dann isses mal so.“


Quelle: Der Tagesspiegel

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