Register zu Berliner Partyszene veröffentlicht

Eine Karte aller Berliner Clubs - auch der verstorbenen

Eine Karte aller Berliner Clubs - auch der verstorbenen
Die Legende lebt! Dabei hat die Bar 25 schon seit 2010 geschlossen.
Eine interaktive Berlin-Karte zeigt Tanzlokale und Musikbars seit 1950 – auch längst verschwundene tauchen hier auf. Das "Kataster" ist für die Bezirksämter gedacht, kann aber auch beim Ausgehen helfen.

Es wirkt auf den ersten Blick wie ein Spielzeug für Internet-Nerds. Blaue, rote und gelbe Kreise, die aufploppen und wieder verschwinden, je nach Cursor-Bewegung auf der Zeitachse. 1950 ploppt nur das Babylon-Kino auf, drumherum Ausgehwüste. 2014 dagegen ein blutrotes Band der Clubkultur von Moabit bis Treptow, mit blauen Sprengseln für die Musikbars.

Willkommen im Clubkataster, dem ersten kartographischen Überblick zur Berliner Partyszene. Hier sind alle Läden aufgeführt, die regelmäßig Musik anbieten, darunter Bars, Konzertsäle und Discotheken, aber auch Theater und Galerien. 1200 Kulturanbieter wurden erfasst, darunter 351 Clubs, von denen 123 derzeit geöffnet sind. Die Besonderheit: Auch ehemalige, längst geschlossene Clubs werden aufgeführt, wie der legendäre Dschungel in der Nürnberger Straße, Schöneberg, oder das Big Eden am Ku’damm.

Mitte hat die meisten Clubleichen

Für Schöneberg sind 18 verstorbene Clubs registriert, in Mitte liegen die meisten Clubleichen: 93. Das Kataster ist also auch ein Instrument der Selbstvergewisserung und des wehmütigen Erinnerns. Wobei die vielen illegalen Clubs der 90er Jahre bisher kaum erfasst sind. Die katastereigene Statistik stützt die verbreitete Klage vom Clubsterben und der Verdrängung in die Außenbezirke zunächst nicht: Für 2014 werden 19 Eröffnungen und 13 Schließungen ausgewiesen, auch in früheren Jahren ist die Bilanz eher positiv.

Doch Lutz Leichsenring, Autor des Katasters, warnt vor voreiligen Schlüssen. Die Zahlen seien noch nicht valide, man hoffe auf Hinweise aus der Szene. „Weil wir das Eröffnungsdatum vieler aktiver Clubs nicht kennen, haben wir erstmal pauschal 2010 angenommen.“ Also ein Recherchewerkzeug 2.0, das von der aktiven Beteiligung seiner Nutzer lebt.

Register soll Konflikte entschärfen

Das Kataster sei vor allem für die Bezirksverwaltungen gedacht, sagt Katja Lucker vom Musicboard Berlin. Es soll helfen, Konflikte zwischen Betreibern und ruhebedürftigen Nachbarn oder renditehungrigen Bauherren zu entschärfen und die Beamten in den Genehmigungsbehörden mit mehr Informationen zu versorgen. Wo es Clubs und Bars für die Partyszene gibt, ist den meist älteren Mitarbeitern oft nicht geläufig.

Präzedenzfall für eine solche Wissenslücke war der Knaack-Club in Prenzlauer Berg, der 2010 nach 58 Jahren am Standort Greifswalder Straße schließen musste. Ein angrenzender Neubau war ohne Schallschutzauflagen genehmigt worden, obwohl er direkt an den Club grenzte. Die Gerichte entschieden letztlich gegen den Club. Im Kataster ist nur nüchtern verzeichnet: „Status: geschlossen“. Ab 2010 verschwindet der blaue Knaack-Fleck.

Clubkommission hat die Seite entwickelt

Das vom Senat geförderte Musicboard hat das Kataster bei der Clubcommission in Auftrag gegeben. Rund 15 000 Euro hat die Internetseite gekostet. Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) lobt das neue Instrument mit Verweis auf die Clubszene als Wirtschaftsfaktor. Dennoch sieht sich Geisel eher als neutraler Vermittler zwischen den konkurrierenden Interessen. „Die Menschen wollen nicht nur in Berlin feiern, sondern hier auch wohnen“, sagt Geisel. „Ich werbe für ein gleichberechtigtes Nebeneinander.“

Die Bezirke sollten mit dem Kataster auch Hinweise erhalten, wie sich das Clubleben bei ihnen entwickelt. Ob eher gestorben oder neu geboren wird. „In Mitte sprechen wir von einem qualitativen Clubsterben“, sagt Leichsenring. Dort seien klassische Musikclubs durch Champagnerbars ersetzt worden, die weniger ambitionierte Musikprogramme auflegten. Über aktuelle Konflikte mit Anwohnern informiert das Kataster nicht. „Das sind oft laufende Verfahren. Damit wollen die Clubs nicht so gerne an die Öffentlichkeit“, sagt Lucker.

Charmeoffensiven, statt Konfrontation mit Anwohnern

Das Musicboard setzt eher auf gegenseitige Rücksichtnahme. Dazu wurde das Programm „Pop und Kiez“ aufgelegt. In diesem Jahr werden Projekte unterstützt, die „für ein positives Miteinander von Live-Musik und Nachbarschaft“ sorgen, etwa durch Kiez- Workshops oder Talkrunden. Besonders den Veranstaltern von Open-Air-Events wird empfohlen, die Anwohner mit Charmeoffensiven zu umgarnen. Etwa durch kostenlosen Eintritt oder einen Hotelgutschein. Auch für den „Umgang mit Querulanten“ gibt es Ratschläge: Lärmmessung am Fenster des Klägers organisieren oder eine PR-Kampagnen für die Cluberhaltung starten.


Quelle: Der Tagesspiegel

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