Neues Berliner Start-up

Math 42: Mathe Schritt für Schritt

MATH 42 - eine Mathe-Hilfe für Schüler.
MATH 42 - eine Mathe-Hilfe für Schüler. Zur Foto-Galerie
Galerienviertel – Appgefahren: "3x3 macht Vier… und drei macht Neune" – damit es Schülern nicht so ergeht wie in Pippi Langstrumpfs Titelsong, soll die App "Math 42" helfen.

Die Mathe-App ist weitaus mehr als ein Taschenrechner. Sie hilft Schülern von der 5. bis zur 12. Klasse mit Schritt-für Schritt-Lösungen, Mathematik besser zu verstehen. Die Math-42-‚Gründer‘ sind die Mitglieder der Familie Nitsche: Oxana und Thomas sowie Maxim (18), Raphael (17), Sophie (15) und Nikolai (5). QIEZ hat sich mit Familienvater Thomas unterhalten.

Wie stößt man auf die Idee, eine solche App zu entwickeln?

T. N.: „Die Idee hatten meine ältesten Söhne Maxim und Raphael. Beide gaben schon immer viel Mathe-Nachhilfe und sahen dadurch die Notwendigkeit für eine tiefergehende Mathe App. Schaut man in den AppStore, weiß man auch warum: Es gibt für die 6. bis 12. Klasse außer Math 42 kaum etwas Vernünftiges.“

Wie funktioniert das Ganze?

T. N.: „Math 42 ist im Hintergrund ein symbolisches Mathematik-Programm mit viel künstlicher Intelligenz, d.h. Math kann mathematische Ausdrücke mit Buchstaben und Zahlen, wie z.B. ‚a * b + a * c‘ in ‚a * (b + c)‘ zielgerichtet umformen.
Zusätzlich besitzt Math 42 das Verständnis, welche Umformungen sinnvoll auf welche Formel angewendet werden können. Daraus leitet es nicht nur Schritt für Schritt Lösungen ab, sondern findet gleich zu Beginn den Einstieg in sinnvolle Lösungswege, die es den Schülern vor der Lösung als Vorschläge zum Einstieg in eine Aufgabe präsentiert.“

Gab es ein Vorbild für die Entwicklung der App?

T. N.: „Es gab tatsächlich kein Vorbild, da die Schritt für Schritt-Lösungen etwas vollständig Neues sind. Ansatzweise war dies zuvor – etwa von Microsoft – schon versucht worden. Allerdings waren bis zu Math 42 alle Versuche relativ bescheiden und wurden meist aufgegeben. Genau diese Schritt für Schritt-Lösungen sind aber der Unterschied zu allen anderen Systemen, die dies entweder gar nicht oder nur schablonenhaft, also eher schlecht, beherrschen. Genau darin unterscheidet sich Math von Taschenrechnern – es produziert nicht nur Lösungen, sondern tiefgreifende mathematische Erklärungen.“

Was unterscheidet die App also von anderen ähnlichen Lernhilfen?

T. N.: „Die Lernhilfen sind meist nur ein Abbild der allgemeinen Schullehre. Die Umsetzung von Mathematikbüchern in eine elektronische Form ist nichts Neues. Sie poliert nur die veralteten Werkzeuge mit Multimedia und Internet-Konnektivität auf. Wir fragen uns dabei, wo der wirkliche Vorteil gegenüber der alten Schule liegen soll. Oder andersherum gefragt: Wenn ein Schüler schon in der Schule nicht mitmacht, warum soll er es dann mit den gleichartigen Lernhilfen zu Hause lernen? Weil es dort richtig teuer ist?“

Apropos „teuer“: Wie funktioniert das Geschäftsmodell von Math 42 und wie wird das Ganze finanziert?

T. N.: „Das Geschäftsmodell ist das einfachste der Welt. Wir geben Schülern Math 42, lösen ihr Problem und bekommen 89 Cent dafür – Hamburger sind teurer. Lediglich wenn zusätzliche Übungsaufgaben gewünscht werden, muss ein Schüler dafür bezahlen – ähnlich wie für Übungsbücher. Wichtig ist: Um die komplette Funktionalität von Math 42 nutzen zu können, muss nichts zusätzlich bezahlt werden.
Die komplette Entwicklung haben wir circa drei Jahre lang ausschließlich aus der eigenen Tasche finanziert. Allerdings sind wir momentan in engen Gesprächen mit VCs [Firmen, die mit „venture capital“ – Beteiligungskapital – junge Unternehmen unterstützen, Anm. d. Red.] und anderen Finanzierungsformen, um zu prüfen, inwieweit wir neue Märkte, beispielsweise in den USA oder in Asien, gemeinsam schneller erschließen können.“

Welchen Marktwert hat die App?

T. N.:  „Weltweit gibt es circa 60 Millionen Schüler zwischen 13 und 17 Jahren, die ein Problem mit Mathematik haben und ein iPhone oder iPad besitzen.  Das sind circa 66 Prozent aller Schüler. Und das ist schon ziemlich gewaltig. Beispielsweise verhandelt die Türkei gerade mit Apple, 10,5 Millionen iPads für jeden Schüler zu kaufen — welches Mathematik-Programm soll dann verwendet werden?“

Jetzt kann man doch als Schüler ganz einfach sagen: „Math 42 rechnet mir die Aufgaben aus, ich habe den Lösungsweg und spare mir ein stundenlanges Rumsitzen an den leidigen Hausaufgaben.“ Darin besteht vielleicht die Gefahr des Missbrauchs einer solchen Lernhilfe. Wie sehen Sie das?

T. N.: „So sieht es auf den ersten Blick aus. Die Wahrheit ist, dass für jede Aufgabe, die in Math 42 gelöst wird, zumindest einmal eine mathematische Erklärung angeschaut wird – zumindest sagen das unsere Zahlen. Ginge es nur um das Abschreiben, würden Schüler das kaum tun. Anders ausgedrückt, Schüler wissen sehr genau, dass Verstehen dazu gehört, da man anderenfalls den nächsten Test nicht besteht.“

Was haben Sie für neue Ideen?

T. N.: „Wir planen für den Frühsommer in Verbindung mit Math 42 eine komplett neue App, die in erster Linie unabhängig von Math 42, auf Wunsch aber auch eng gekoppelt, in den Bereichen Schülern hilft, wo Math 42 heute passen muß, etwa bei Textaufgaben, Physik, Chemie oder in Geschichte, was ja nun recht weit von Mathematik entfernt ist. Das Beste daran wird sein, dass es diese App auch für Android geben wird.“

Mehr Infos findest du hier.

Foto Galerie

Math 42: Mathe Schritt für Schritt, Mommsenstraße 67, 10629 Berlin

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