Zu Besuch im schwächsten Kiez Berlins

Einsame Orte am Moritzplatz

Einsame Orte am Moritzplatz
Der graue Moritzplatz mit dem Aufbau-Haus im Hintergrund.
Luisenstadt - Der Moritzplatz in Kreuzberg hat im Sozialstrukturatlas am schlechtesten abgeschnitten. Platz 419. Laut der Studie leben hier drei Viertel der unter 15-Jährigen in Haushalten, die Hartz IV beziehen. Ein Besuch.

Die Gegend nördlich der belebten und beliebten Oranienstraße sieht eher grau aus, und das liegt nicht am Wetter. Mietshäuser aus den 60er Jahren reihen sich aneinander. Hier und da sieht man eine kleine Grünfläche, die aber selbst bei den frühlingshaften Temperaturen an diesem Mittag verlassen ist.

Der Moritzplatz in Kreuzberg hat im Sozialstrukturatlas am schlechtesten abgeschnitten. Platz 419. Laut der Studie leben hier drei Viertel der unter 15-Jährigen in Haushalten, die Hartz IV beziehen. Bewertet wurde unter anderem nach den Kriterien Bildung, Einkommen und Gesundheit.

Abseits der Hauptstraße findet man nur wenige Leute

Thomasz Jamrociak, der hier wohnt, erzählt, dass hier viele Arbeitslose, Alte und Kranke leben. Der 35-Jährige kann verstehen, dass sein Kiez so schlecht abgeschnitten hat. Aber er selbst hat das Leben hier liebgewonnen. Warum? Er mag seine Lieblingskneipe, die ,Rote Rose‘, „die älteste Kneipe in Kreuzberg“, wie er betont.

Vereinzelt laufen ein paar Anwohner durch den Kiez. So wie Christa Jörns-Keller. Sie wohnt hier seit 1986. „Die Menschen sind gemischt – jung und alt“, erzählt die 57-Jährige. „Es gibt auch viele türkische Bewohner. Die Mieten sind teurer geworden, aber außer einem Imbiss gibt es hier nicht so viel.“ In der Nähe befindet sich das Aufbau- Haus, in dem der gleichnamige Verlag seinen Sitz hat, „aber das ist nur was für Leute, die Geld haben.“ Vor dem Haus befindet sich ein chaotischer Kreisverkehr. Hier laufen Menschen hektisch an Baustellen vorbei, um umzusteigen.

Abseits der Hauptstraße findet man jedoch nur wenige Leute und kaum welche, die hier wohnen. Johanna, 26 Jahre alt, ist eine von ihnen: „Wir sind vor einem Jahr hierhergezogen“, erzählt sie. „Unsere Wunschgegend war es nicht. Wenn wir ins Grüne wollen, fahren wir meistens bis zum Maybachufer.“ Das grüne Stück Kreuzberg ist ein Stück weg. Ab und an sieht man Familien auf der Straße. Die holen gerade ihre Kinder aus der Kita oder gehen auf den Sportplatz. Besonders glücklich sehen die meisten nicht aus.


Quelle: Der Tagesspiegel

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