Eissportlerin Jenny Wolf

Engagiert in Lichtenberg

Lichtenberg-Jenny Wolf
Unter den Berliner Ostbezirken ist Lichtenberg das Multikulti-Viertel. Eisschnellläuferin Jenny Wolf kennt den Kiez seit ihrer Kindheit - und weiß, wie sehr sich das Leben hier gewandelt hat. Lichtenberg ist schon lange mehr als nur Platte. 

Eines verrät Jenny Wolf nicht: Wo ihre tägliche Laufstrecke liegt. Geradezu perfekt soll sie sein und ganz im Wald versteckt. „Sonst kommen noch mehr Leute dorthin“, sagt sie und lächelt entschuldigend. Wenn es sich nicht gerade um ihre Joggingrunde dreht, gibt die junge Eisschnellläuferin gerne Auskunft. Wer sie beim Bäcker oder im Supermarkt trifft, darf sie getrost ansprechen und nach einem Autogramm fragen. Oder um einen Tipp bitten, wie man etwa seine Schlittschuhe am besten pflegt.

Jenny Wolf lebt seit zehn Jahren in Lichtenberg, zunächst in der Herberge des Sportforums Hohenschönhausen, seit einigen Jahren in den eigenen vier Wänden. Den Bezirk im Osten Berlins kennt die Sportlerin seit ihrer Kindheit, ihre Mutter kam hier auf die Welt, ihre Oma wohnte in Friedrichsfelde, direkt gegenüber dem Tierpark.

Einkaufscenter und kleine Geschäfte

In ihrer Kindheit war Jenny Wolf oft mit ihrer Oma im Tierpark unterwegs. Seitdem hat sich Lichtenberg enorm verändert: Andere Häuser, neue Nachbarn, viele Einkaufscenter – das Ringcenter, die Möllendorffpassagen und das Einkaufszentrum an der Landsberger Allee. Im Ringcenter geht auch Jenny Wolf gern shoppen. Gerne und häufig kaufe sie auch in den unzähligen kleinen russischen und vietnamesischen Läden im Kiez ein. „An diesen Läden merke ich, dass der Bezirk immer multikultureller wird“, sagt sie. Der Anteil von Menschen nichtdeutscher Herkunft ist in Lichtenberg mit rund 15 Prozent tatsächlich höher als in den übrigen Bezirken im Osten Berlins.

Dass es im Bezirk auch Probleme, soziale Spannungen und Integrationsschwierigkeiten gibt, „das ist sicher so“, sagt Jenny Wolf. In der Förderung der Integration sehe sie für Politik und Gesellschaft eine der wichtigsten Aufgaben. Auch sie selbst möchte durch ihr soziales Engagement einen Beitrag leisten, vor allem für die Kinder im Bezirk.

Die Eisschnellläuferin ist „Liki-Patin“, Repräsentantin des Lichtenberger Kinderpflegedienstes. „Die haben sehr um mich geworben, und ich habe gerne zugesagt“, sagt sie. In diesem Bereich würde sie gern mehr machen. Über Anfragen von sozialen Einrichtungen freue sie sich daher sehr. „Repräsentantin sein, das ist ja nicht viel Arbeit, eben meinen Namen zur Verfügung stellen, zu Veranstaltungen gehen, Werbung machen“, sagt sie.

Als Liki-Patin von Kindern umjubelt

Die Kinder vom Lichtenberger Pflegekinderdienst lädt Jenny Wolf zum Schnuppertraining ein. Kinder für Sport zu begeistern, daran liege ihr viel. „Die wollen am liebsten gleich auf das schnelle Eis“, erzählt sie lächelnd. Von Zeit zu Zeit bekommt Jenny Wolf auch Briefe von den Kindern und während Wettkämpfen jubeln sie ihr von der Tribüne aus zu. „Es ist sehr beeindruckend“, sagt sie.

Dass auch in ihrem Heimatbezirk Lichtenberg schicke Neubauwohnungen und Sanierungsobjekte aus dem Boden schießen – und so mancher Kieze sich als „neues Friedrichshain“ präsentiert, das begrüßt Jenny Wolf. Sie meint aber auch: „Schicke Wohnungen alleine reichen aber noch nicht.“ Was ihr noch fehle im Bezirk? „Ein paar mehr Restaurants.“

Lichtenberg, Hohenschönhausen, Marzahn – für viele sind das nicht die attraktivsten Ortsteile. Was Jenny Wolf denen sagt, die solche Vorurteile haben? Sie legt die Stirn in Falten, denkt nach, lacht. „Man sollte einfach mal herkommen.“ Dann schwingt sie sich auf ihr Herrenrad und radelt davon.


Quelle: Der Tagesspiegel

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