Diskussion über Mauerpark

Entscheidung über Erweiterung gefordert

So könnte er zukünftig aussehen: Dieser Plan für den Mauerpark stammt vom Architektenbüro Carsten Lorenzen APS Bau. 550 Wohnungen sind in dem Entwurf vorgesehen.
So könnte er zukünftig aussehen: Dieser Plan für den Mauerpark stammt vom Architektenbüro Carsten Lorenzen APS Bau. 550 Wohnungen sind in dem Entwurf vorgesehen.
In einer Sondersitzung am heutigen Freitagabend wird um die Vergrößerung des Mauerparks gefeilscht. Dafür werden entsprechende Flächen benötigt. Der Grundstückseigentümer schlägt dem Senat ein Tauschgeschäft vor.

Am heutigen Freitagabend geht in einer Sondersitzung das Feilschen um den Mauerpark in die heiße Phase. Der Stadtentwicklungsausschuss der BVV Mitte tagt wegen einer möglichen angrenzenden Bebauung. „Es wird spannend“, kündigt Carsten Spallek an. Der Baustadtrat des Bezirks betont: „Ohne Wohnbebauung gibt es keine Parkerweiterung.“

Bereits 1990 besiegelte die Allianz-Umweltstiftung mit dem Land Berlin einen Vertrag. Darin war vorgesehen, dass der acht Hektar große Park bis zum Jahr 2000 für die Fördersumme von 4,5 Millionen Mark auf 13,5 Hektar ausgedehnt wird. Jedoch wurde diese Frist ständig hinausgeschoben. Sollte bis Ende 2012 nicht endlich mit der Vergrößerung des Parks begonnen werden, muss der Senat dieses Fördergeld zurückzahlen.

Sorge um offenes Park-Milieu

Die zur Erweiterung notwendigen Flächen erstrecken sich westlich des Mauerparks, von der Bernauer Straße bis zu den Bahngleisen. Im Besitz dieses Geländes ist die österreichische Firma CA Immo. Sprecher Wilhelm Brandt zufolge beabsichtigt die Firma nun ein Tauschgeschäft. Dem Senat bietet sie ein Teil des Grundstücks. Im Gegenzug fordert sie, auf dem ihr verbleibenden Areal das Baurecht zu haben. Anhänger der Mauerpark-Szene sind skeptisch, was die Bebauung anbelangt. Die Freunde des Mauerparks fürchten um das freie, alternative Milieu im Park. Zudem könnten graue Wohnhäuser die Grünanlage verschandeln.

„Wir wollen ja nicht den Mauerpark bebauen, sondern unser Grundstück nebenan“, meint Brandt. Luxuswohnungen stehen nicht zur Debatte. Ohnehin sei der Markt dafür quasi gesättigt. In fünf unterschiedliche Konzepte habe die CA Immo 400.000 Euro fließen lassen. „Das Verfahren ist von unserer Seite aus abgeschlossen. Jetzt muss die Politik entscheiden.“

Kauf statt Tauschhandel

Als alternative Lösung sieht der Verein Freunde des Mauerparks einen Kauf vor. Der Senat soll ebenso wie die Betreiber des Flohmarkts am Mauerpark und des Biergartens „Mauersegler“ Bereitschaft gezeigt haben, mehreren Hektar große Bereiche anzukaufen. Dann würde die CA Immo nur nördlich des Gleimtunnels bauen. Dort solle eine Genossenschaft Kindertagesstätten und Mehrgenerationenwohnungen verwalten, erklärt Rainer Krüger, Vorstand der Mauerparkfreunde. Bei der Sondersitzung an diesem Freitag habe dieser Vorschlag die besten Aussichten, haben die Fraktionen des BVV-Ausschusses angekündigt.

Ein weiteres Hinauszögern der Entscheidung wollen Allianz und CA Immo nicht akzeptieren. „Wir haben sehr viel Geduld gehabt“, äußert sich Allianz-Sprecher Spandau dazu. Parkerweiterung oder Rückzahlung sei nun die Devise. „Wir können mit beiden Szenarien leben, und jede Entscheidung ist besser als der jetzige Schwebezustand.“

Wenn das Tauschgeschäft zwischen Senat und CA Immo und damit die Vergrößerung fehlschlagen, wird der Grundstück-Eigentümer das Areal an Unternehmen des Logistik- und Produktionsgewerbes vermieten. Für Baustadtrat Spallek wäre das der „Super-GAU“, wie er es ausdrückt. Schließlich bekäme der Senat in diesem Fall eine Strafzahlung aufgebrummt. Darüber hinaus käme es in den nächsten 10 bis 15 Jahren zu keiner Erweiterung des Mauerparks. Die Firmengebäude müssten wahrscheinlich eingezäunt werden. Das Areal könnte man dann nicht von West nach Ost und umgekehrt durchqueren – wie einst vor dem Fall der Mauer.


Quelle: Der Tagesspiegel

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