Masterplan gegen Jugendarbeitslosigkeit

Erfolgsnachrichten aus Marzahn-Hellersdorf

Erfolgsnachrichten aus Marzahn-Hellersdorf
Bezirksbürgermeister Stefan Komoß (2.v.r.) verkündete positive Zahlen. Mit am Tisch sitzen Wolfgang Steinherr (r., Leiter des Jobcenters), Dr. Ramona Schröder (Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Berlin Mitte) und Thomas Koch, Besitzer des gleichnamigen Autohauses, das Praktikums- und Ausbildungsplätze anbietet.
Der ehrgeizige Plan, die Jugendarbeitslosigkeit im Bezirk bis 2016 auf null zu reduzieren, ist nach Ansicht von Bezirksamt, Arbeitsagentur, Jobcenter und Wirtschaft gut angelaufen. In einem Autohaus an der Marzahner Chaussee präsentierte Bürgermeister Stefan Komoß nach zwei Jahren eine positive Zwischenbilanz mit ermutigenden Zahlen.

Das Ziel war bewusst ehrgeizig formuliert: Zum Jahresbeginn 2012 verkündete Marzahn-Hellersdorfs Bezirksbürgermeister, die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 15 und 25 Jahren innerhalb von vier Jahren abschaffen zu wollen – in einem Bezirk, der berlinweit den mit zwölf Prozent höchsten Anteil von Schulabgängern ohne Abschluss hat.

Die im Rahmen dieses Masterplans gestarteten Aktivitäten nannte Komoß bei der heutigen Vorstellung der Halbzeitbilanz „deutschlandweit einzigartig“. Neben klassischen Maßnahmen der Arbeitsagentur und des lokalen Jobcenters beruht die Strategie des Bezirks auf mehreren Grundpfeilern: Mit dem „MatchPoint“ wurde eine Institution geschaffen, die Schüler und Jugendliche in Unternehmen vermitteln soll – nicht nur zum Beginn einer Ausbildung, sondern bereits zuvor. Vertreter des Bezirksamts, der zuständigen Arbeitsagentur Mitte und des Jobcenters arbeiten hieran gemeinsam in einem Büro im Bezirksamt. MatchPoint sucht gezielt Kontakt mit der Wirtschaft in Marzahn-Hellersdorf, um die Unterstützung der Arbeitgeber zu gewinnen.  

Durch Praktika sollen die Schüler frühzeitig in die Berufswelt hineinschnuppern; darüber hinaus wurde an den Integrierten Sekundarschulen ein intensives Berufswahlcoaching eingeführt. Sogenannte Praxislernklassen ermöglichen es den Jugendlichen im Idealfall, während des 10. Schuljahrs ein bis zwei Tage pro Woche in einem Unternehmen mitzuarbeiten.

Deutlicher Rückgang der Arbeitslosigkeit

Ein weiterer Ansatzpunkt des Marzahn-Hellersdorfer Konzepts ist das Jobcenter. Junge Arbeitssuchende, die hier Leistungen beantragen, werden sofort beraten und bekommen ein Angebot. Wolfgang Steinherr, Leiter des Jobcenters, räumte allerdings ein, dass bei diesem ‚Work-First-Ansatz‘ viele der Klienten zunächst mit geeigneten Maßnahmen auf die Aufnahme einer Arbeit oder Ausbildung vorbereitet werden müssten.

Die Zahlen, die Bezirksbürgermeister Komoß am Donnerstag im Autohaus Koch präsentierte, waren dennoch beeindruckend: Von Ende 2011 bis Ende 2013 ist die Arbeitslosigkeit unter den 15- bis 25-jährigen in Marzahn-Hellersdorf um 34 Prozent gesunken, von 2656 auf 1749. Die Zahl der Schulabgänger blieb dabei ungefähr gleich. Für den Bezirksvergleich konnte die Geschäftsführerin der Arbeitsagentur Berlin-Mitte Dr. Ramona Schröder mit Daten aus ihrem Zuständigkeitsbereich aufwarten. Während sich die Jugendarbeitslosigkeit in Lichtenberg auch aufgrund der vorteilhaften Sozialstruktur ebenfalls positiv entwickelt, bleibt die Reduktion in Mitte deutlich zurück: Im Jahr 2013 sank die Zahl der Betroffenen dort um 7,5 Prozent gegenüber 14 Prozent in Marzahn-Hellersdorf.

Das Maßnahmenbündel des Masterplans komme in Fahrt, meint Schröder: „Ich war etwas skeptisch, aber das Ergebnis ist beeindruckend.“ Inzwischen gäbe es Überlegungen, in ganz Berlin eine „Jugendberufsagentur“ einzuführen, in der die Vertreter der relevanten Institutionen in ähnlicher Weise Hand in Hand arbeiten sollen – Marzahn-Hellersdorf sei ein praktischer Vorläufer. Und wie sieht es nun mit dem ambitionierten Ziel des Bezirksbürgermeisters aus? Komoß formuliert es so: „Es kann gelingen, zu einem Zustand sehr geringer Jugendarbeitslosigkeit zu kommen.“

Autohaus Koch GmbH, Marzahner Chaussee 219, 12681 Berlin

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