Ehemaliges Arbeitshaus und Gefängnis

Gedenkort Rummelsburg eröffnet

Gedenkort Rummelsburg eröffnet
Vor den enthüllten Stelen wurden verschiedene Kränze niedergelegt; hier vom ehemaligen Berliner Museums- und Gedenkstättenreferenten Rainer E. Klemke, der den Runden Tisch für den Gedenkort geleitet hatte. Zur Foto-Galerie
In Anwesenheit von Zeitzeugen und Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel ist am 12. Januar die neue Gedenkstätte eingeweiht worden, die an die Opfer der über 130-jährigen Geschichte des Arbeits- und Bewahrungshauses sowie der späteren DDR-Haftanstalt Rummelsburg erinnert.

Bei nassem Winterwetter und mit Blick auf diverse Baugerüste fand die Eröffnungsfeier des Gedenkorts Rummelsburg statt. Vor dem ehemaligen Verwaltungsgebäude der Haftanstalt in der Hauptstraße 8 wurden drei hohe Metallstelen enthüllt, die mit Tafeln versehen der Erinnerung an die düstere Geschichte des Orts dienen sollen. Ihre Höhe entspricht der der früheren Gefängnismauern. Weitere Stelen auf dem Gelände informieren über die Biografien von insgesamt 18 Insassen des früheren Arbeitshauses und späteren DDR-Gefängnisses.

Der von einer Anwohnerinitiative ins Rollen gebrachte Prozess zur Einrichtung des Gedenkorts wurde in den letzten zwei Jahren von einem Runden Tisch unter Mitwirkung des Bezirksamts weitergeführt. Für den anonymen Wettbewerb zur Gestaltung, den Helga Lieser und ihre Kooperationspartner gewannen, konnten nur wenige Monate veranschlagt werden. Grund war die Finanzierung: Die rund 250.000 Euro kamen zu 40 Prozent vom Bezirk; ein großer Teil stammte jedoch aus dem „Mauerfonds“ der Bundesregierung – diese Mittel mussten bis Ende 2014 zweckgebunden ausgegeben werden.

Initiative von Anwohnern

Die unwirtlichen Verhältnisse während der Eröffnung konnten die Freude der Beteiligten über das Gelingen des Projekts nicht trüben. Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD), als früherer Bezirksbürgermeister von Lichtenberg ein großer Unterstützer des Gedenkorts, erinnerte daran, wer ursprünglich den Anstoß gab: „Der Wunsch, das Gedenken zu organisieren, kam von den Anwohnerinnen und Anwohnern an der Rummelsburger Bucht.“ Den Reiz des im Gestaltungswettbewerb siegreichen Entwurfs von Helga Lieser sieht Geisel unter anderem in den anrührenden, aus der Ich-Perspektive erzählten Geschichten der Opfer auf den Gedenktafeln.

Noch in der Kaiserzeit, Ende der 1870er Jahre, entstand vor Ort das Städtische Arbeitshaus, in dem einerseits die jungen Bewohner des benachbarten Waisenhauses arbeiten mussten, andererseits sozial ‚auffällige‘ Menschen untergebracht wurden. Während des Nationalsozialismus trat dieser zweite Aspekt in den Vordergrund: Die Nazis sperrten in Rummelsburg missliebige Personen unterschiedlicher Art ein, darunter Homosexuelle und Prostituierte. Der Ort wurde zur Sammelanstalt für sogenannte „Asoziale“; 30 jüdische Insassen wurden 1941 abtransportiert und ermordet. Auch in der Zeit als zentrale DDR-Haftanstalt für Ost-Berlin saßen Menschen wegen „asozialem Verhalten“ ein; ebenso wie politische Häftlinge, die sich ihre Zellen mit gewöhnlichen Straftätern teilen mussten.

Der Kurator der nun eröffneten Ausstellung, der Berliner Historiker Thomas Irmer, brachte in seiner Rede eine Konstante der Geschichte auf den Punkt: „Rummelsburg war ein Ort der Repression von sozial abweichendem Verhalten.“ Mit den Stelen habe man versucht, die Biographien der Opfer am passenden historischen Ort, in der Nähe ihrer jeweiligen ehemaligen Zellen, darzustellen.

Foto Galerie

Gedenkort Rummelsburg, Hauptstraße 8, 10317 Berlin
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