Auseinandersetzung mit dem NS-Regime

Das Geschichtslabor und der "Patient 238“

Die Stolpersteine sind Teil eines Projekts des Kölner Künstlers Gunter Demnig. Seit 1995 erinnert Demnig mit den Gedenksteinen an die Opfer des NS-Regimes.
Die Stolpersteine sind Teil eines Projekts des Kölner Künstlers Gunter Demnig. Seit 1995 erinnert Demnig mit den Gedenksteinen an die Opfer des NS-Regimes.
Wittenau - In den Räumlichkeiten der ehemaligen Nervenklinik für Kinder eröffnet am 7. Juni das "Geschichtslabor Wiesengrund“. Schüler und Lehrer werden eingeladen, sich mit der Historie und der Rolle der Medizin zur Zeit des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen.

„Ich freue mich, dass nun am authentischen Ort am Eichborndamm ein Geschichtslabor eröffnet wird, das sowohl einen würdigen Ort des Gedenkens darstellt als auch einen lebendigen Ort der Auseinandersetzung mit Gewalt und Nationalsozialismus. Junge Menschen haben hier die Möglichkeit, sich mit der Geschichte der Medizin in der Zeit des Nationalsozialismus anhand von Einzelschicksalen zu beschäftigen“, konstatiert die Bezirksstadträtin für Schule, Bildung und Kultur Katrin Schulze-Berndt von der CDU.

Bereits in den 1980er Jahren thematisierte man die Geschichte der Städtischen Nervenklinik für Kinder mit der Ausstellung „totgeschwiegen“. Eine Arbeitsgruppe im Auftrag des Heimatmuseums Reinickendorf erforscht seitdem die Vergangenheit dieser Einrichtung. An diesem authentischen Ort hat man nun das „Geschichtslabor Wiesengrund“ für Workshops, Ausstellungen, Lesungen und persönliche Gespräche eingerichtet. Schülerinnen und Schüler können gemeinsam mit ihren Lehrern eigene Projekte durchführen und direkt vor Ort Forschung und Recherche betreiben. Die Resultate fließen anschließend in das Projekt Geschichtslabor ein.

Der „Patient 238“

Die Eröffnung des Geschichtslabors begleitet die 5000. Berliner Stolpersteinverlegung zu Ehren des „Patienten 238“ Paul Höhlmann. Vor den Gebäuden der Nervenklinik am Eichborndamm 238-240 führt der Kölner Künstler Gunter Demnig die Aktion in Zusammenarbeit mit der Stolpersteininitiative Reinickendorf, dem Heimatmuseum, dem Friedrich-Engels-Gymnasium und der Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin durch.

Paul Höhlmann wurde nur 14 Jahre alt als er an den Folgen medizinischer Experimente der Nationalsozialisten am 27. August 1942 starb. Man bezeichnete den Jugendlichen als ein „Reichsausschusskind“. Nachdem man wenige Monate zuvor Paul in die Kategorie „typischer Fall von Mongolismus“ eingestuft hatte, wurde er im März auf Geheiß des „Reichsausschusses zur wissenschaftlichen Erfassung von erb- und anlagebedingten schweren Leiden“ in die Städtische Nervenklinik für Kinder eingeliefert.

Informationen und Anmeldungen gibt es im Heimatmuseum Reinickendorf.

Bis zum 31. Januar 2014 erinnert auch eine Ausstellung im Heimatmuseum an die Verbrechen in der Städtischen Nervenklinik für Kinder.

 

Das Geschichtslabor und der "Patient 238“, Eichborndamm 238-240, 13437 Berlin

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