Just Loomis und die Frauen

"Women", ungeschönt abgelichtet

"Interior", Santa Fe, New Mexico, 1997, courtesy galerie hiltawsky Zur Foto-Galerie
Spandauer Vorstadt - Der Künstler Just Loomis fotografierte vornehmlich Frauen. Seine Portraits und gestellten Schnappschüsse lassen sich nun in der Galerie Hiltawsky betrachten. Ein Vergleich mit den Fotografien Helmut Newtons und Greg Gormans drängt sich fast schon auf. Deren Bilder zeigt das Museum für Fotografie am Bahnhof Zoo.

Ungefähr fünfzig Prozent der Weltbevölkerung sind Männer. Und fünzig Prozent Frauen. Während Greg Gorman zurzeit im Museum für Fotografie seine Bilderreihe „Men“ ausstellt, öffnet die Galerie Hiltawsky ab dem 13. November seine Tür für die Öffentlichkeit und präsentiert „Women“. Die Fotoausstellung des international tätigen Künstlers Just Loomis fokussiert sich auf Frauen, auf andere Weise jedoch als Gorman es mit seinen Männern tut. Beide eint der enge Bezug zum 2004 verstorbenen Akt- und Modefotografen Helmut Newton, beide gehen von ihm aus gesehen aber verschiedene Wege – zumindest in ihren Ausstellungen.

Während Gorman hochästhetisierte Männerkörper zeigt, oft Schwarz-Weiß, Adoniskörper wie Objekte, betrachtet Loomis seine portraitierten und in Pseudo-Schnappschüssen aufgenommenen Frauen anders. Die Bilder gehen tief in den Alltag der Frauen, in Banales und Geheimes. Sie zeigen Frauen beim Schminken, andere beim Kellnern, bekleidet in Bondage-Zubehör, müde und allein neben dem Bett. Manche der Schwarz-Weiß-Fotos wirken wie Celebrity-Bilder der 50er Jahre, so „Rea“, auf der sich eine Blondine in schwarzem Kleid vor einer Hintergrund-Menschenmenge nach hinten dreht und abgelichtet wird. Es wirkt wie ein Schnappschuss auf irgendeiner Gala.

Andere Bilder sind melancholisch intim, „Amalie and Friend“ stehen in einem kargen Zimmer. Im Hintergrund nur ein schwerer Bilderrahmen und eine vergilbte Matratze auf einem Lattenrost. Die Freundin umschließt die oberkörperfreie Amalie von hinten mit ihren Armen, beide schauen in die Kamera. Andere Fotos sind Portraits, sie lichten schonungslos menschlichen Makel ab: müde Augen, rote Wangen, fahle Haut, Leberflecken, Sommersprossen – die Belichtung gönnt den Portraits keinerlei Beschönigung, keine Mystik, keinen Schatten, der die Gesichter in künstliche Spannung versetzt. Hier werden Frauen, Mädchen, Damen abgebildet, aus dem Leben gegriffen – just as they are.

Die Ausstellung geht vom 13. November 2013 bis zum 11. Januar 2014. Mehr zur Retrospektiv-Ausstellung für Helmut Newtons Werk sowie die 25-teilige Fotoausstellung Greg Gormans im Museum für Fotografie gibt es hier.

Foto Galerie

Galerie Hiltawsky, Tucholskystraße 41, 10117 Berlin

Telefon 030 285 044 99

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Dienstag bis Samstag 14:00 bis 19:00 Uhr

Galerie Hiltawsky

Internationale Fotokunst in der Gallerie Hiltawsky

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