Gründungsfeier des Stadtschlosses in Mitte

Luftschlösser haben keine Finanzierungsprobleme

Luftschlösser haben keine Finanzierungsprobleme
Neben der Probefassade für das Stadtschloss ist viel Platz für die Gründungsfeier - und eine Menge Potenzial für Probleme.
Christiane Peitz vom Tagesspiegel berichtet über die heutige große Gründungsfeier für das 590 Millionnen teure Bauprojekt "Stadtschloss" und übt sich in Verdrängung.

Kein Angst, dies soll kein vorgegriffenes Seufz-Konzert werden, auch wenn unsere Stadt im Augenblick auf Großbaustellen nicht gut zu sprechen ist. Wir werden nicht spekulieren, wie lange sich die Bauarbeiten an Stadtschloss und Humboldt-Forum hinziehen werden. Wir werden nicht exponentielle Rechnungen aufstellen, die davon ausgehen, dass der neue Flughafen drei Wochen vor der Eröffnung einen Aufschub von acht Monaten bekannt gab, und damit weiter machen, dass allein der Baubeginn beim Stadtschloss eine schwere Geburt war. Bereits 2009 sollte es losgehen, bis Wolfgang Tiefensee in seiner Rolle als Bundesbauminister den Termin erst auf 2010, dann auf 2011 legte. Schließlich sprach Angela Merkel ein Machtwort und bestimmte 2014 zum Jahr des Ereignisses. Als kleines Bonbon der Entschuldigung sicherte der Tiefensee-Nachfolger Peter Ramsauer den ersten Spatenstich schon 2013 zu.

Es ist der Zeit auch kaum wert, die schon zu Beginn stetig steigenden Kosten zu überschlagen. Sicher, dieses Mal liegt die Summe nur bei 38 Millionen über dem angestrebten Betrag. Der Kostenvoranschlag stieg von 552 Millionen auf mäßige 590 Millionen Euro, aber ist dabei alles bedacht? Wie steht es mit dem Brandschutz? Sind Attrappen leicht entzündlich? Auch der Lärmschutz will beachtet sein. Schließlich liegt der Geräuschpegel von Scharen von Touristen nicht bei 5 Dezibel. Auch die Kuppel steht noch wackelig. Wer soll die bezahlen? Das ist noch nicht raus. Und ist nicht ein Schloss so ganz ohne eigene Kuppel wie ein Hauptstadt-Flughafen ohne Landebahn?

Man muss kein Wahrsager sein

Wir denken gar nicht daran, dass die Staatsoper in kurzer Entfernung Unter den Linden ein böses Vorzeichen sein könnte. Gut, es ist auch ein sich hinziehendes Großprojekt: Der Paulick-Saal wird erst 2015 wieder zum Trällern freigegeben, statt, wie angekündigt, im Oktober 2014. Schließlich musste sich um die ausgebuddelten Holzpfähle gekümmert werden, die man in 17 Metern Tiefe entdeckt hatte. Wie tief wird das Loch für das Schloss? Wird es große Funde geben, die die Pfähle übersteigen; vielleicht Glasscherben oder alte Schlossbrocken? So eine archäologische Ausgrabung braucht ihre Zeit.

Das ist uns heute alles egal.  Wir lassen die Kosten Kosten sein und der Lärmpegel kann anderswo Rabatz machen. Denn Donnerstag ist Gründungstag. Die großen Würdenträger versammeln sich heute. Bürgermeister Wowereit, Bauminister Ramsauer, der Architekt, Franco Stella, sowie Manfred Rettig und Reiner Bomba von der Schlossstiftung laden zur feierlichen Einstimmung der „Gründungsarbeiten und der Herstellung der Baugrube“. Im Wörterbuch erklärt sich die „Gründung“. Damit ist das „Tragelement zur Einleitung von Lasten eines Bauwerks in den Untergrund“ gemeint, oder ganz profan: das Fundament. Freuen wir uns über den Spatenstich vor dem offiziellen Spatenstich. Heute wissen wir noch nichts von geplatzten Luftschlössern.

Luftschlösser haben keine Finanzierungsprobleme, Schlossplatz , 12555 Berlin

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