Seniorenheim in Kreuzberg

Interkulturelles Projekt ist geplatzt

Interkulturelles Projekt ist geplatzt
Zu wenige Bewohner hat das muslimisch-orientierte Seniorenhaus. Der Gebetsraum ist fast leer.
Fünf Jahre lang hat das Interkulturelle Kreuzberger Pflegehaus versucht, sich mit türkischen Tees und einem Gebetsraum als erstes Seniorenhaus Deutschlands nur für Muslime zu etablieren. Jetzt muss das Schild über der Tür geändert werden, denn interkulturell soll es nicht mehr sein.

Das Kreuzberger Seniorenhaus „Türk Bakim Evi“, welches von der Marseille-Kliniken AG geleitet wird, muss sein interkulturelles Konzept aufgeben. Einst wurde es mit türkischsprachigem Personal ausgestattet. Islamische Bräuche wurden gepflegt. Es war das erste Objekt seiner Art in Deutschland. Fünf Jahre wurde es als Seniorenhaus, das extra auf Muslime ausgelegt ist, geführt. Man müsse „Pflegeeinrichtungen erfolgreich und auch kostendämpfend positionieren“, erklärten die Betreiber ihre Neuausrichtung.

Die Methfesselstraße beherbergt seit 2007 das „Türk Bakim Evi“ Haus. Die karge Atmosphäre wird nur wenig von der orientalischen Dekoration verbessert. Jedoch wurde speziell ein Gebetsraum in Richtung Mekka angelegt, es gab Kurse für türkische Küche und rituelle Waschungen.

Die türkischen und arabischen Programme im Fernsehen, die türkische Tees in der eigenen Teestube – all das sollte den Bewohnern der Einrichtung ein geborgenes Gefühl geben und die Möglichkeit, ihren gewohnten Ritualen nachzugehen. Das Prinzip klingt ansprechend, aber es war wohl nicht vollkommen durchdacht. Denn die türkische Community scheint dem Projekt desinteressiert gegenüberzustehen.

Überall etwas weniger

In Berlin leben laut dem Amt für Statistik um die 23.000 Menschen über 60, die einen türkischen Migrationshintergrund haben. Davon wohnten letztes Jahr nur 66 im muslimischen Seniorenhaus, obwohl es eine Kapazität von 140 Betten hätte. Es scheint nicht recht anzukommen. Eine Auslastung von knapp fünfzig Prozent hat für die Marseille-Kliniken AG den Ausschlag gegeben, die Ausrichtung der Stätte zu verändern.

Mit dem neuen Schwerpunkt auf „Menschen mit Demenz und Abhängigkeitserkrankungen“ kommt auch ein neuer Name, das „Interkulturell“ wurde gestrichen. Jetzt heißt das Heim nur noch „Pflegehaus Kreuzberg“. Auf der Webseite der Einrichtung ist nichts mehr zu lesen vom Gebetsraum oder türkischem Tee. Nicht nur Internetauftritt und Name wurden abgespeckt. Es gab einige Entlassungen, die laut Marseille-Kliniken AG aus der „konzeptionellen Neuordnung des Pflegehauses“ hervorgehen. Zwölf Mitarbeiter mussten gehen, wobei drei zusätzliche wegen angeblicher Störung des Friedens im Betrieb entlassen wurden. Mit „Wildwest Methoden“ betitelt das die Gewerkschaft Verdi. Sie vermutet, dass die Kündigungen nur erfolgten, um die Entstehung eines Betriebsrates zu verhindern. Das wurde von den Betreibern zurückgewiesen.


Quelle: Der Tagesspiegel

Pflegehaus Kreuzberg, Methfesselstr. 43, 10965 Berlin

Telefon 030 7680760
Fax 030 7 68 07 61 59

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