Berliner Persönlichkeiten zeigen ihren Kiez

Eva-Maria Grein von Friedl: Bayerin meets Berlin

Eva-Maria Grein von Friedl: Bayerin meets Berlin
Eva-Maria Grein von Friedl spielte unter anderem die Hauptrolle in der Telenovela "Tessa - Leben für die Liebe".
Olivaer Platz - Die gebürtige Unterfränkin, die mittlerweile bei München sesshaft geworden ist, kennt die Hauptstadt seit vielen Jahren. Gewohnt hat die erfolgreiche Bühnen und TV-Schauspielerin dabei an ganz unterschiedlichen Orten zwischen Kreuzberg, Mitte und City West. Im Interview hat sie uns verraten, wo sie sich in Berlin besonders wohl fühlt und warum das ländliche Leben inklusive Kräutersammeln und Hundespaziergängen heute trotzdem besser zu ihr passt als der Großstadttrubel.

QIEZ: Liebe Eva-Maria, erinnerst du dich noch an deinen ersten (richtigen) Besuch in Berlin? Wann war das und wie war dein Eindruck von der Stadt?

GvF: „Soweit ich mich erinnere war das 1998 zur Aufnahmeprüfung an der HDK (jetzige UDK). Ich bin in einer unterfränkischen Kleinstadt aufgewachsen und kann mich noch erinnern, dass ich überwältigt war von der geballten Urbanität, die da über mich herein brach. Zuerst hat mich das ziemlich erschreckt und überfordert. Ich hatte wahrscheinlich auch die entsprechend unsichere „Landpomeranze in der Großstadt“-Ausstrahlung. Auf dem Weg vom Bahnhof Zoo zur UDK hat mich dann auch direkt ein Typ am Arm festgehalten und blöd angemacht. Mein erster Kontakt mit der Hauptstadt war also etwas verstörend. Mir hat es dann ganz gut getan, dass ich mich durch mein 4-jähriges Studium an der Bayerischen Theaterakademie August Everding in München langsam an die Großstadt gewöhnen konnte. Nach dem Diplom bin ich dann nach Berlin gezogen und fand es auch richtig knorke!“

Du warst schon häufiger auf Berlins Bühnen zu sehen. Und du hast sogar drei Jahre lang hier gelebt. Wann genau war das und wo hast du damals gewohnt? Bist du viel in den Bezirken rumgekommen oder ist Berlin für dich eher Arbeits-Stadt?

GvF: „Ich bin durch mein erstes Engagement nach der Ausbildung nach Berlin gekommen. Das war 2004. Danach folgten mit „Die Abendteuer des braven Soldaten Schweijk“ neben Walter Plathe und „Swinging Berlin“, für das mich Helmut Baumann engagierte, nahtlos zwei weitere Engagements am Theater am Ku’damm. In dieser Zeit habe ich innerhalb Berlins aus unterschiedlichen Gründen sechs Mal die Wohnung gewechselt: Vom Bergmannstraßen-Kiez in Kreuzberg ging es unter anderem in eine Architektenwohnung in der Oranienburger Straße, in der ich von der Badewanne aus durchs Dachfenster die Kuppel der Synagoge sehen konnte.

Zeitweise hat es mich zum Lietzensee nach Charlottenburg verschlagen und für ein paar Wochen habe ich sogar im Sony Center gewohnt. Eine Bekannte hatte dort ein Büro mit Übernachtungsmöglichkeit in dem ich kurzfristig unterschlüpfen konnte. Das war zufällig genau zur Berlinale-Zeit und ich habe oben am Fenster gestanden und mir die Nase platt gedrückt, um auf die Filmleute schauen zu können die unten über den roten Teppich gingen – nichts ahnend, dass ich einige Jahre später selbst Gelegenheit dazu haben würde. Als ich Ende 2005 für die Hauptrolle in „Tessa – Leben für die Liebe“ besetzt wurde, habe ich dann ernsthaft eine dauerhafte Bleibe gesucht und bin, durch die relative Nähe zur Avus nach Babelsberg, am Olivaer Platz in Wilmersdorf sesshaft geworden.“

Hast du einen Lieblingsstadtteil oder einen Lieblingskiez? Warum fühlst du dich dort wohl?

GvF: „Da ich durch diesen Umzugsmarathon viele Kieze kennenlernen durfte, fällt es mir sehr schwer mich da festzulegen. Das Schöne an Berlin ist, dass diese Stadt für jeden Geschmack etwas bietet. Ich mache auch heute noch total gerne Kiez-Hopping wenn ich in Berlin bin. Oranienstraße zum Feiern, Mitte zum Shoppen, Kollwitzplatz und Umgebung zum Straßenkaffeeklatsch mit Freunden und Charlottenburg, wenn man Ruhe will. Die Mischung macht’s für mich!“

Kannst du uns ein paar Berliner Lieblingsadressen und Lieblingsorte verraten? Wo gehst du zum Beispiel gerne essen oder shoppen, wo kannst du dich gut entspannen?

GvF: „Es geht für mich nichts über ein ausgedehntes Frühstück im Cafe Savigny! Das liiiiebe ich. Zum Essen gerne gediegen ins Engelbecken in der Witzlebenstraße mit anschließendem Chillen am Lietzensee. Mein Mann und ich gehen auch immer wieder gerne ins Ottenthal in der Kantstraße – als gebürtiger Österreicher hat er mich schon bei unserem ersten Date dorthin ausgeführt. Aber mein absoluter Favorit ist momentan das Parker Bowles in der Prinzenstraße und das neu eröffnete Pacifico gleich um‘s Eck! Fantastisches Essen, super Bedienung und beides direkt am Modulor Haus. Hier bekomme ich alles für die Malerei – meine zweite große Leidenschaft neben der Schauspielerei – und kann nach Herzenslust kreativ shoppen. Zum Feiern gehe ich nach wie vor gerne ins Yaam. Das ist für mich Berlin.“

Was kannst du in Berlin gar nicht leiden?

GvF: „Wenn viele Menschen auf relativ engem Raum zusammen leben, führt das zu sozialem Stress. Ich empfinde in Berlin zum Teil eine starke Spannung bis hin zu unterschwelliger Aggression. Ich habe es sehr oft erlebt, dass sich zum Beispiel im Straßenverkehr die Leute wegen relativen Kleinigkeiten extrem anbrüllen oder sogar aus dem Auto aussteigen und sich fast prügeln. Dieses Rumgepöbel, das meistens mit dem typischen „Hey Alter … !“ beginnt und sofort sehr aggressive Ausmaße annimmt obwohl es aus dem Nichts zu kommen scheint – einfach nur weil die Leute gestresst sind und ein Ventil brauchen – geht mir manchmal ziemlich auf den Keks.“

An dich als Expertin die Frage: Was sind die eklatantesten Unterschiede zwischen Berlin und München?

GvF: „Berlin ist eine richtige Großstadt! Sehr facettenreich, mit urbanem Feeling, einem angenehm anarchischen Touch und der ganzen Bandbreite an Hässlichem und Schönem, die das Leben so hervorbringt. Peter Fox bringt das in seinem Lied „Schwarz zu Blau“ so perfekt auf den Punkt wie kein anderer. München wirkt dagegen wie ein „Großdorf“. Alles scheint geordneter und präsentiert sich sehr viel cleaner, gemütlich und überschaubar. Es wird sehr großen Wert auf die Wirkung nach außen gelegt, während die Berliner mehr auf Understatement setzen. Beides hat seine Vor- und Nachteile und ich wehre mich strikt dagegen, mich an diesem ewigen „Welche Stadt ist besser“-Wettstreit zu beteiligen. Ich liebe sie beide und finde, sie können sehr gut nebeneinander existieren.“

Mittlerweile lebst du ja auf dem Land. Warum hast du der Stadt den Rücken gekehrt und wie wohnst du heute? Wie kam es zu deiner Leidenschaft für Wildkräuter?

GvF: „Ich habe meine wilde Großstadt-Zeit während des Studiums und in den ersten Arbeitsjahren zur Horizonterweiterung dringend gebraucht, um mich frei zu machen von den sozialen Kontrollmechanismen der Provinz, meinen eigenen Weg zu finden und mich richtig auszuleben. Berlin bildet das Leben in all seinen Realitäten ab und bietet dadurch so viele Möglichkeiten, sich auszuprobieren, Grenzen zu überschreiten und daran zu reifen. Großstädte sind perfekt wenn man jung, lebenshungrig und ungebunden ist, aber kosten mit ihrem Trubel und ihrem Lärm auch Energie.

Ich habe irgendwann ab 30 gespürt, dass ich zwischen den anstrengenden Reisen und den Dreharbeiten, die ja meistens auch in strukturstarken Gebieten stattfinden, einen Ruhepol brauche. Energie tanken und entspannen kann ich persönlich, wahrscheinlich aufgrund meiner Biographie, am besten in der Ruhe der Natur. Außerdem hat das Schicksal meinem Mann und mir das Angebot für unser kleines Häuschen kurz vor unserer Hochzeit geradezu vor die Füße gekickt. Das war eine einmalige Chance und wir hatten noch nicht mal aktiv danach gesucht.

Am See, absolut schönste, unberührte Natur und in 35 Minuten in der Münchner Innenstadt. Genauso wollten wir leben! Die Vielfalt an Pflanzen und Wildkräutern, die es dort noch gibt, ist mir dann bei unseren täglichen Spaziergängen mit dem Hund aufgefallen. Ich habe angefangen, mich intensiv mit der Materie zu beschäftigen und bin schon fast manisch nur noch mit Bestimmungsbuch durch die Gegend gegangen. Mittlerweile beobachte ich die Flora seit vier Jahren kontinuierlich durch den ganzen Jahreskreis, erkenne fast alles und weiß bestens Bescheid über Heilwirkungen, Essbarkeit und Anwendung. Mein Verhältnis zur Medizin und Ernährung hat sich dadurch total verändert.“

Du hast ja auch einen Hund? Woher kommt er? Ist der Süße ein echtes „Landei“ oder kennt er das Leben in der Stadt? Wenn ja: Ist München genauso hundefreundlich (viel Grün, viele Spielpartner, offene Restaurants) wie Berlin?

GvF: „Mein Mann Christoph hat unsere Strandstreunerin Lola von einem Surfurlaub aus Griechenland mitgebracht. Sie hat in den nun fast zehn Jahren bei uns unkompliziert alles mitgemacht: Wien, Berlin, München und Reisen in aller Herren Länder. Ich habe das Gefühl, dass sie jetzt auf ihre alten Tage auch ganz froh ist, im ruhigen, dörflichen Umfeld über die Wiesen und Felder streifen zu können.

Allgemein ist München schon mehrmals zur hundefreundlichsten Stadt Deutschlands gekürt worden. Im Englischen Garten laufen alle Hunde frei herum. Es herrscht zwar offiziell auch Leinenpflicht, aber nur, um im Problemfall eine rechtliche Handhabe gegen Hundebesitzer zu haben, die zulassen, dass sich ihre Vierbeiner daneben benehmen. Hier sind einem Polizei und Ordnungsamt nicht penetrant auf den Fersen, sondern dulden entspannt wenn Tölen bzw. Zamperl friedlich auf der Liegewiese spielen. Das ist sehr angenehm! In München räumt aber auch fast jeder Hundbesitzer die Haufen seines Vierbeiners weg um „seine“ Stadt sauber zu halten, während ich in Berlin schon mehrmals gehört habe: „Dit mach ick nich weg, ick zahl doch Hundesteuer!“ In allen öffentlichen Verkehrsmitteln Münchens fährt mein Hund übrigens gratis mit!“

Könntest du dir vorstellen, nochmal in (oder am Rand von) Berlin zu leben oder kommt das für dich gar nicht mehr infrage? Warum / warum nicht?

GvF: „Ich kann mir grundsätzlich Alles vorstellen. Man soll nie „nie“ sagen! Ich lebe ja auch immer wieder monatlang in Berlin, wenn ich dort ein längeres Theaterengagement, wie zum Beispiel „Der blaue Engel“ 2011 am Theater am Ku’damm, habe. Das genieße ich dann in vollen Zügen! Ein permanenter Umzug kommt in meiner jetzigen Lebenssituation allerdings nicht in Frage. Dafür fühle ich mich im bayerischen Fünf-Seen-Land momentan einfach zu wohl.“

Woher kommt deine Leidenschaft für die Malerei? Wie würdest du deinen Stil beschreiben? Kann man sich deine Bilder irgendwo anschauen?

GvF: „Das hat sich schon in der Kindheit entwickelt. Ich habe immer schon gern und viel gemalt und gezeichnet. Anscheinend auch nicht ganz talentfrei, denn schon meine Kunstlehrerin in der Schule hat Anfang der 90er, nachdem sie mich auch auf der Theaterbühne gesehen hatte, zu mir gesagt: „Bei dir wird sich immer die Frage stellen, ob bildende- oder darstellende Kunst.“

Ich habe eigentlich gar keinen speziellen Stil. Da ich Autodidaktin bin und die Malerei nie als Einnahmequelle gesehen habe, sondern immer als persönliches Hobby und meditatives Ventil, muss und möchte ich mich da auch gar nicht festlegen. Natürlich freue mich aber darüber, dass immer mehr Menschen so positiv auf meine Bilder reagieren. Mittlerweile male ich auch öfter mal Auftragswerke. Ansonsten haben meine Bilder fast immer mit der Verarbeitung von Erlebnissen und inneren Prozessen zu tun und sind zum Teil gegenständlich, zum Teil aber auch abstrakt.

Für alle, die einen Eindruck gewinnen wollen, werde ich am 12. September eine kleine Auswahl auf meiner Facebook-Seite veröffentlichen.“

Und für alle Fans: Am 13. und 20 September werden im ZDF jeweils um 20.15 Uhr zwei Folgen von „Jana und der Buschpilot“ mit Eva-Maria Grein von Friedl in der Hauptrolle ausgestrahlt.

Theater und Komödie am Kurfürstendamm, Kurfürstendamm 206, 10719 Berlin
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