Wohnung der Kanzlerin wird vermietet

Eine Nacht in Merkels Bude

Eine Nacht in Merkels Bude
Hier hat die Kanzlerin vermutlich früher gestanden und Kartoffelsuppe gekocht. Zur Foto-Galerie
Einmal leben wie einst die Kanzlerin: Für 55 Euro pro Nacht kann man jetzt Merkels frühere Wohnung mieten. Nach ihrer Kartoffelsuppe duftet es in der Wohnung allerdings nicht mehr.

Hat sie in dieser Küche schon damals ihre berühmte Kartoffelsuppe gekocht? Sich in diesem Badezimmer hübsch gemacht? In diesem Schlafzimmer geruht und von einem Aufstieg ins Kanzleramt geträumt? Zwei Zimmer, 55 Quadratmeter, Schönhauser Allee 104 – hier hat Angela Merkel früher angeblich gewohnt, hier kann jetzt jeder für 55 Euro pro Nacht auf den Spuren der Kanzlerin wandeln. Über das Unternehmen Airbnb, das Privatunterkünfte weltweit vermittelt, wird Merkels Ex-Wohnung vermietet. Doch wer hofft, hier noch ihre Chemiebücher im Regal zu finden oder Backbücher für den besten Streuselkuchen, der wird enttäuscht. Die Spuren der Kanzlerin wurden quasi wegsaniert, auch sie ein Opfer der Gentrifizierung in Prenzlauer Berg.

„Leben wie Angela Merkel früher“, so preist Gastgeberin Lene ihre Wohnung im Netz an. Die Wohnung liege „super zentral – jedoch trotzdem fantastisch ruhig im zweiten Hinterhof. Nach vorne und hinten schaut ihr aus den Fenstern auf grüne Bäume.“ Nachbarn hätten Lene von der prominenten Vormieterin erzählt, heißt es. Zu sehen ist von Merkel heute zwar nichts mehr. Neue Holzdielen wurden verlegt, ein modernes graues Sofa steht im Wohnzimmer, im Schlafzimmer ein weißer Ikea-Schrank, das Bad ist weiß gekachelt, wie die Bilder zeigen. Aber immerhin: Die Wände sind noch dieselben. Und die hätten sicher so einiges zu erzählen – wenn sie denn nur sprechen könnten.

Hier soll sie auch die Nacht des Mauerfalls verbracht haben

35 Jahre alt ist Merkel, als sie in der Zweiraumwohnung in der Schönhauser Allee wohnt und am 9. November 1989 die Mauer fällt. Sie schaltet an diesem Abend den Fernseher ein, sieht Politbüromitglied Günter Schabowski etwas von der Einführung einer neuen Reiseregelung stammeln. Merkel aber will lieber in die Sauna im Thälmann-Bad, wo sie sich donnerstags oft mit ein paar Frauen trifft. Doch einmal ausgeschwitzt, zieht es sie später noch zur Bornholmer Brücke, die nur wenige hundert Meter von ihrer Wohnung entfernt ist. Sie geht rüber in den Westen Richtung Tiergarten, kehrt aber um, bevor sie zum Ku’damm kommt. Sie will fit sein für den nächsten Arbeitstag im Zentralinstitut für Physikalische Chemie in Adlershof.

Mehrfach hat Merkel von dieser Nacht erzählt. Wer sich nun in ihr angeblich ehemaliges Schlafzimmer legt und davon liest, wird vielleicht noch die Aufbruchstimmung der jungen Angela spüren. Die bisherigen Gäste waren zumindest zufrieden mit ihrer Übernachtung. „Eine sehr ruhige und saubere Wohnung“, schreibt Nina. „The place to be“ sei der Prenzlauer Berg, schwärmt Isabelle. Von der Kanzlerin und ihren Spuren erwähnen die beiden Kurzzeitmieterinnen jedoch nichts. Seltsam. Ist Angelas Aura etwa auch wegsaniert worden? Vielleicht gibt es ja noch Hoffnung. Einfach einen Topf Kartoffelsuppe aufsetzen und langsam köcheln lassen.

Foto Galerie


Quelle: Der Tagesspiegel

Eine Nacht in Merkels Bude, Schönhauser Allee 104, 10439 Berlin

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