International Club Berlin in Charlottenburg

Geschlossene Gesellschaft

Früher traf sich in Westend die Crème de la Crème der britischen Alliierten im British Offers Club, heute verbringen hier im International Club Berlin Diplomaten, Wirtschaftsbosse und namhafte Künstler gern ihre Freizeit - weil sie da ganz unter sich sein können. Die Mitgliedschaft kostet 1.500 Euro im Jahr, Exklusivität inklusive.

„Sie verlassen West-Berlin“ ist auf einem großen Gemälde zu lesen, das im Restaurant des Internationalen Clubs in Westend hängt. Zu Mauerzeiten kippte hier das Spitzenpersonal der Alliierten im ehemaligen British Officers Club seinen Whisky. Heute haben Thomas Wolf, der Präsident, sein Stellvertreter und Investmentbanker Stefan Heilmann und Geschäftsführerin Petra Jucho den Laden fest im Griff.

Anlage mit Charme

Vor fünf Jahren haben sie das Gelände an der Thüringerallee gekauft, 15.000 Quadratmeter Grün, mitten in der Stadt. Die Ausstattung umfasst acht Tennisplätze, einen Swimmingpool mit 25 Meter langer Bahn, eine Liegewiese mit Spielplatz, den Mitglieder gespendet haben. 500 zahlende Mitglieder hat der Internationale Club in Charlottenburg, 2010 verzeichnete man über 70 Neuaufnahmen. „Es sind überwiegend junge Familien, die Spaß haben an den Menschen hier“, erklärt Wolf. Werbeexperte Jochen Sengpiehl kümmert sich ums Marketing und Thies Sponholz, der Direktor des Hotel de Rome, um die Gastronomie.

Das Club-Restaurant schätzen die Mitglieder sehr, nachdem nach mehreren Bruchlandungen Anfang 2011 Josef Laggner das Restaurant übernommen und die Speisekarte aus seinen Lutter&Wegner-Restaurants gleich mitgebracht hat. Auch Freunde von Mitgliedern dürfen hier dinieren, aber eine Reservierung muss sein. In der Vergangenheit haben sich auch immer mal wieder Nicht-Mitglieder einzuschmuggeln versucht.

In ist, wer drin ist

Doch hier kommt nicht jeder rein. Neue Mitglieder werden mit Bedacht ausgewählt. Nach einem Gespräch mit der Geschäftsführerin muss der Vorstand zustimmen. Auch Ablehnungen hat es schon gegeben. Zu offensichtliche geschäftliche Interessen werden skeptisch beäugt. Früher lag der Jahresbeitrag bei 2000 DM, heute zahlt man 1500 Euro, Paare 1800 Euro. Die Aufnahmegebühr kostet einen weiteren Jahresbeitrag.

Als Willkommensgeschenk gibt es ein dunkelgrünes Handtuch, aber die Assoziation zum berüchtigten Handtuchkrieg zwischen Deutschen und Briten auf den Urlaubsinseln könnte ferner nicht liegen. Im International Club herrscht eine gediegene Atmosphäre zwischen Lounge-Möbeln auf der Terrasse und weißen Liegen auf der Wiese. Schließlich dient die exklusive Anlage laut Satzung unter anderem dem Zweck, Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft, Bildung und Medien die Möglichkeit zu gesellschaftlichen Kontakten und Sport- und Freizeitaktivitäten zu bieten und internationale Verständigung zu fördern.

Internationale Beziehungen

Besonders bedeutend ist aus historischen Gründen die Pflege der deutsch-britischen Beziehungen. Schirmherr des Clubs ist Prinz Charles, der Prince of Wales, der auch in den schweren ledernen Fotoalben des Clubs häufiger abgebildet ist. Der frühere Stadtkommandant und Gründer Patrick Brooking ist ebenso Ehrenmitglied wie die ehemaligen Präsidenten Walter Scheel, Richard von Weizsäcker und Roman Herzog.

Der offizielle Untertitel des Clubs lautet: „The Metropolitan Sports & Country Club“. In vielen Städten gibt es Partnerclubs, die von den Mitgliedern ebenfalls genutzt werden können. In Hamburg ist das zum Beispiel der feine Anglo-German-Club, in New York der Lotos-Club, und in London stehen insgesamt sogar neun Clubs zur Verfügung. Mit den anderen Berliner Clubs will man sich nicht vergleichen. Als es bei einem Strategietreffen darum gegangen sei, das Zielbild zu definieren, habe man sich vom klassischen Konkurrenzdenken gelöst, erklärt Präsident Wolf. China Club und Capital Club sind kaum Thema, eher schon die feinen Westberliner Tennisclubs oder das Soho House in Mitte. Sie alle aber bieten nicht die Möglichkeit, „zusammen mit den Eltern anderer Kinder am Pool um Pommes anzustehen“.

Back to the roots

Nach Abzug der Alliierten hatte Berlin das Gelände 1999 zunächst für 22 Millionen DM vom Bund gekauft. Zu den Förderern des Clubs gehörte der frühere CDU-Fraktionsvorsitzende Klaus Landowsky, der allerdings 2010 ausgetreten ist. Mit einer Million DM jährlich war die Landesbank damals einer der Hauptsponsoren. Grüne und Linke schäumten seinerzeit über „die sinnlose Geldverschwendung, die nur einigen Privilegierten zugutekommt“. Verschiedene Nutzungsmöglichkeiten wurden diskutiert. Am Ende hat der Club gesiegt – und die Tradition.

Das freut aus der Ferne auch den britischen Gründungsvater Patrick Brooking. Schließlich traf sich auf dem Gelände schon in den 20er Jahren der einst so populäre Berliner Schlittschuhclub. Bis heute wird auf den Jahresversammlungen des ICB diskutiert, ob man, wie in guten alten Zeiten, die Tennisplätze im Winter in Schlittschuhbahnen verwandeln könnte.


Quelle: Der Tagesspiegel

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