Fotostudio Urbschat

Wir bleiben am Ku'damm

Das Fotostudio Urbschat hat einen neuen Standort am Ku'damm gefunden.
Das Fotostudio Urbschat hat einen neuen Standort am Ku'damm gefunden.
Das traditionsreiche Fotostudio Urbschat hat am Kurfürstendamm 170 einen Mietvertrag bis 2019. Doch der Besitzer des Hauses möchte es abreißen lassen - deswegen sollen die Mieter die Flächen räumen. Das Gericht gab jetzt den Fotografen Recht. Sie dürfen bleiben - vorerst.

Der Kudamm 170 wird geräumt. Büros sind aus den oberen Etagen ausgezogen. Ende des Jahres schließt das Teppichgeschäft seine Tore. Der Besitzer des Hauses will es abreißen, denn der 60er-Jahre-Bau soll einem modernen, größeren Neubau weichen. Das Vorhaben wurde nun vorerst abgewendet, da im Haus auch das Traditions-Fotostudio Urbschat ansässig ist, dessen Betreiber erfolgreich gegen die Kündigung geklagt haben. Diese wurde vor ein paar Monaten für Ende Juli erteilt. Ganz knapp vor dem Stichtag sprach die 25. Zivilkammer das Urteil, dass der Mietvertrag „zu unveränderten Konditionen fortbesteht“, auch wenn er gekündigt wurde, so ein Gerichtssprecher. Der Vermieter hatte auf Räumung geklagt, was das Gericht jedoch abschmetterte.

„Der Abrissbagger muss wohl noch warten“, freut sich Nicole Urbschat. Erst im Jahr 2019 würde der Vertrag ungültig, da das Fotoatelier Urbschat im Jahr zuvor eine schriftlich festgesetzte Verlängerungsoption wahrgenommen habe. Die 55-Jährige betreibt das Geschäft, das ihr Vater Horst aufgebaut hat, zusammen mit ihrer Schwester, der zehn Jahre jüngeren Daniela und deren drei Töchtern. Ohne die traditionelle Ladenfläche am angestammten Platz auf dem Ku’damm „würde unsere gesamte Familie pleitegehen“, meint Nicole Urbschat. Das Haus, das ihr Geschäft beheimatet, gehört der Münchener Holler-Stiftung. Von deren Immobiliengesellschaft gibt es keinen Kommentar. Ein weiterer Rechtsstreit um die „Photoacademy Urbschat“ und deren eigenen Mietvertrag beschäftigt noch das Gericht.

200.000 Gesichter

Art & Photo Urbschat“ ist nach Aussage des Clans der am längsten bestehende Familienbetrieb am Kurfürstendamm. Horst Urbschat war zunächst Pressefotograf. Dann erwarb er 1969 die Berliner Filiale des Hamburger Familienunternehmens Dürkoop und machte daraus ein Porträtfotostudio.  Inzwischen ist er 84 Jahre alt und hat die Unternehmensführung an seine Töchter abgegeben. Die Räumlichkeiten, die Horst Urbschat 1969 kaufte, sind nur wenige Häuser vom heutigen Studio entfernt. Prominente Kunden gingen im ursprünglichen Haus ein und aus: Bill Clinton, Robert Kennedy jr., Arnold Schwarzenegger, Curd Jürgens und Brigitte Grothum. Der Umzug tat der Popularität keinen Abbruch: Marianne Birthler, Walter Scheel, Claudia Pechstein und Dieter Hallervorden ließen sich ablichten.

Zusammengenommen haben die Urbschats 200.000 Gesichter fotografiert. Kundinnen, die nicht regelmäßig über einen roten Teppich stolzieren, bekommen nach einer Idee von Nicole und Daniela Urbschat eine Star-Kur verpasst. Unter dem Konzept „Jede Frau ist eine Diva“ werden Kundinnen professionell geschminkt, frisiert und anschließend glamourös abgelichtet – in der Berliner Großstadt oder in einer abgelegenen Finca auf Mallorca.

Ausbilden für die Zukunft des Geschäfts

Zum Unternehmen gehören auch die Auszubildenden. Die „Photoacademy“ macht zurzeit 55 junge Menschen zum „Photo-Artist“. Dabei lernen sie sowohl Fotografie als auch Mediengestaltung. Die Idee zum Ausbildungszweig des Unternehmens sei nach dem Einzug in den Ku’damm 170 geboren worden: „Wir konnten hier nicht expandieren, weil uns Fachpersonal fehlte.“

Inzwischen bildet man über den eigenen Bedarf hinaus aus. Zehn feste Mitarbeiter hat das Unternehmen, zusätzlich kommen 50 Freiberufler hinzu. Im Platz am Ku’damm „stecke das ganze Familienvermögen“, erklärt Nicole Urbschat. Die beiden Schwestern hätten Lebensversicherungen beendet, um die über eine Million Euro teuren Anlagen zu bezahlen. Ihr Vermögen im Alter hänge somit, wie bei ihrem Vater, vom täglichen Geschäft ab.

Andere passende Räume im Umfeld sind den Urbschats nicht bekannt. „Es ist schwierig, große Flächen mit einem Handwerksbetrieb zu finanzieren“, meint Nicole Urbschat, am Ku’damm wären heute die doppelten Mietkosten fällig. Andere Möglichkeiten sieht sie nicht. Die monatlichen Quadratmeterpreise seien an Friedrichstraße und Unter den Linden nicht weniger hoch und „dort gibt es keine gewachsene Urbanität wie am Ku’damm“. Von Besuchern der Stadt könne man nicht ausschließlich leben und bewährte Stammkunden „würden wohl nicht mitkommen“.


Quelle: Der Tagesspiegel

Art and Photo Urbschat OHG, Kurfürstendamm 157, 10709 Berlin

Telefon 030 8809740
Fax 030 8814381

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