Fashion Week: Ein Erlebnisbericht

Eine Goodie-Bag und 50.000 Schritte später

Eine Goodie-Bag und 50.000 Schritte später
Das Label Marc Cain zeigte Looks für Herbst/Winter 2018 in einem U-Bah-Schacht Nahe Potsdamer Platz. Zur Foto-Galerie
Vom 16. bis 19. Januar zeigt unsere liebste Stadt, wie modisch sie ist. Dabei ist dieses Jahr alles anders: Zum ersten Mal findet die Modewoche ohne Sponsoren-Duo Mercedes-Benz und IMG statt. Wir geben dir einen ganz persönlichen Einblick in unsere Erlebnisse der Fashion Week – und wie wir sie überlebt haben.

10 Uhr, E-Werk in Mitte: Die erste Show des Tages von Ivanman startet und Modeexperten, Business-Insider, Blogger und Promis bekommen ihre Plätze neben dem Runway zugewiesen. Dabei herrscht ein wahres Gewusel, denn die heiß begehrte Frontrow ist für so manch einen ein absolutes Muss. Während die fröhliche Reise nach Jerusalem noch ein wenig weitergeht, freue ich mich schon auf den Soundtrack zur Show.

Bei meiner Fashion Week-Premiere letztes Jahr, waren die mitreißenden Soundtracks definitiv etwas, woran ich mich gerne erinnere. Es wird dunkler und der weiße Schutzteppich über dem Laufsteg wird in letzter Sekunde entfernt. Jetzt könnte man wohl eine Stecknadel fallen hören.

Es geht los, Handys und Kameras sind im Videomodus bereitgelegt und auf dem Runway gibt es perfekt anliegende Schnitte für den sportlichen Business-Mann oder künstlerischen Typ aus Prenzlberg mit Vorliebe für Trenchcoats und Mut zur Farbe zu sehen. Knallgrüne Anzüge sowie rote und gelbe Accessoires sind anscheinend genau das, was mein vom Berliner Winter geplagtes Auge sehen will. Etwas unvermittelt hat mich letztes Jahr getroffen, wie schnell das Ganze dann doch vorbei ist. 15 Minuten und Schluss, Finito, Ende.

Farbenfrohe Styles sind Trend! Auch bei den Männern der Schau des Berliner Labels Ivanman. ©dpa

Lieber eine Runde Tanzen

Während alle anderen aus dem Saal rennen, würde ich viel lieber noch eine Runde tanzen, denn der 80er Jahre Synthiesound am Schluss ist genau mein Ding. Schade, aber gut, ich habe ja auch noch einiges vor heute. Als ich meine Jacke aus der Garderobe holen will, stehen vier junge Blogger vor mir, alle tragen sie Goodie-Bags bei sich – das Privileg der ersten Reihe. So ein bisschen Neugier schwingt bei mir schon mit, schließlich hat so eine Goodie-Bag den Charakter einer Wundertüte und die habe ich als Kind geliebt. Jetzt erinnere ich mich an das, was ein guter Freund gesagt hat: „Da ist doch nichts Besonderes drin!“

Mein zweites Ziel ist die Modemesse Premium in der Station Berlin. Die internationale Fachmesse begrüßte bereits mehr als 60.000 Besucher, die sich Inspiration für ihre eigenen Läden suchen und sich vernetzen. Auf 33.000 Quadratmetern finden sich 1000 Modelabels und von mehr als der Hälfte habe ich noch nie etwas gehört, die beste Voraussetzung für eine Entdeckungstour. Der Lageplan macht mir allerdings Angst, ich hatte eigentlich nicht vor, hier die nächsten 15 Jahre meines Lebens zu verbringen.

Also folge ich meiner Nase und bleibe wegen des eingängigen Namens stehen: Yippie Hippie. Ok, das hat was – mir sticht sofort eine silber-schimmernde Jacke ins Auge.  Was mich irritiert ist das Leo-Fellinnenfutter. Aber ist das wohl der neueste Schrei? Also Material-Kontraste, und zwar so, dass man zweimal hinsieht. Während ich mir vorstelle, wie ich jemanden damit beim Bäcker oder in der Schlange vor dem Katerblau sehe, passiert es: Ich bekomme eine Goodie-Bag, einfach so.

Darin: 60 Prozent Fashion-Magazine, eine Zahnbürste (kann man immer gebrauchen), eine Duschkugel mit Fichten-Geruch, ein Feuerzeug und 36 kleine Lippenstifte. Ich fühle mich wie Pippi Langstrumpf im Taka-Tuka-Land: Ich habe einen Schatz bekommen! Aber was mache ich jetzt damit? Am liebsten würde ich gerne ein paar der Lippenstifte für etwas zu Essen eintauschen, denn hier unter 5 Euro satt zu werden, ist leider unmöglich. Ich wähle trotzdem: eine Brezel mit Feta-Spinat-Füllung. Ziemlich lecker, heiß – das ist ganz wichtig bei den Temperaturen und lässt sich gut mitnehmen. Schließlich kündigt mir mein Handy-Alarm an, dass ich zum nächsten Termin muss.

Einer unser Favoriten: Marina Hoermanseder Twist des Military-Looks. ©Stefan Kraul

Damals als die Fashion Week einfach das Zelt war

Es ist Abend geworden, ich habe mich zuhause schnell umgezogen, zu essen gab es leider nur noch einen Joghurt. Ich treffe mich mit zwei Kolleginnen, um gemeinsam die neuesten Entwürfe des Wiener Labels Callisti anzusehen. Beide sind schon echte Fashion Week-Veteranen und erzählen mir vom „Zelt“. Damals als die Modewoche noch am Brandenburger Tor stattfand waren die Shows kleine Happenings, erinnern sich beide. So lagen beispielsweise einmal Taschenlampen auf den Stühlen, damit man als Zuschauer die Show mitkreieren konnte. Die gute alte Zeit also?

Ein von @callisti_fashion geteilter Beitrag am Jan 18, 2018 um 2:44 PST

Was ich richtig gut finde an dem neuen Fashion Week Konzept ist: Neue Orte schaffen neue Perspektiven. So zeigte die österreichische Designerin Lena Hoschek ihre floralen, weißen Traumkleider im Botanischen Garten in Dahlem und Marc Cain präsentierte seine an die 80er Jahre angelegte Kollektion in einem U-Bahn-Schacht am Potsdamer Platz. Viele Orte verlangen vom Besucher allerdings auch eine genauere Planung ab. Schließlich gibt es neben den Shows viele spannende Sideevents und Partys. Mein Fazit: Ich werde nächstes Mal eine Woche früher mit meiner Terminplanung loslegen.

Was ich während meines Besuchs herausgefunden habe (leider fast zu spät), sind besonders im Hinblick auf innovative Mode die Shows im Rahmen des Kulturformats Berliner Salon interessant. Meine Favoriten: Marina Hoermanseders Military Leder-Röcke mit Kapuzenpullover oder Amazonen-Gürtel-Hosen, mit denen man wohl Lara Croft Konkurrenz macht. Dazu William Fans Lagenlook aus asymmetrischen Rollkragen mit Glitzermantel, das sieht so edel und gleichzeitig locker aus. Genauso der Hit sind seine aus mehreren Materialien bestehenden Blazer mit fließenden Hosen und transparentem Karohemd!

Apropos Transparenz: Viel Haut, dabei cool und fierce, so sieht die Frau bei Designerin Martina-Müller Callisti aus. Als wir in der Schlange stehen, weisen uns Menschen mit Headset den Weg. Es ist viel voller als am Vormittag und so kriegen Zuspätkommer sogar nur noch einen Stehplatz. Präsentiert bekommen wir wallende Röcke, sehr viel in Beerenrot und Beigegold sowie Schnallen, transparente Oberteile mit weiteren Lagen darüber. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die Anzüge mit Schnallen und Cape, die den Frauen etwas von Superheld und Bösewicht gleichermaßen verliehen haben.

Es geht wieder raus auf Berlins eisige Straßen. Ich habe nun sehr viel Lust bekomme, meinen Zwiebellook noch progressiver anzugehen, schließlich habe ich viel Inspiration bekommen. Doch gerade denke ich nur darüber nach, wie schön es sein wird, meine Jogginghose anzuziehen. Bis zum nächsten Mal Fashion Week, im Sommer bin ich wieder bereit für dich!

Meine Tipps: Immer eine Wasserflasche dabei haben und im Gegensatz zu mir sich mal eine Stulle mitnehmen, denn die Tage sind lang und das Essen teuer. Die Messe Bright ist mein Tipp, um die Fashion Week langsam ausklingen zu lassen. Hip-Hop Beats schaffen chilligeres Ambiente und neben Streetwear auch den Skatern bei ein paar Tricks zuschauen.

Foto Galerie

STATION Berlin, Luckenwalder Str. 4-6, 10963 Berlin
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