Wandbild in Friedrichsfelde

Flieg Flamingo, flieg!

Schöner Wohnen. Seit drei Jahren lässt die Wohnungsbaugenossenschaft Solidarität die 22.000 Quadratmeter eines Plattenbaus in Friedrichsfelde bemalen. Im August soll das Wandbild fertig sein.
Schöner Wohnen. Seit drei Jahren lässt die Wohnungsbaugenossenschaft Solidarität die 22.000 Quadratmeter eines Plattenbaus in Friedrichsfelde bemalen. Im August soll das Wandbild fertig sein.
Friedrichsfelde - In Friedrichsfelde entsteht ein Wandbild: Es soll das größte der Welt werden. Genossenschaften engagieren Künstler, um Plattenbauten attraktiver zu machen.

Es ist fast wie ein Umzug, ohne dass auch nur ein einziges Möbelstück seinen Platz verlassen hat. Statt im großen Plattenbau – Orientierung nur nach Hausnummer möglich – wohnen die Mieter jetzt im kleinen blauen Haus, direkt unter dem Dach. Oder neben dem vorbeifliegenden Flamingo, der auch nach Jahren noch nicht von der Stelle gekommen sein wird. Brigitte Junker, 65, lebt hier seit 32 Jahren. Sie ist sehr zufrieden mit der neuen Umgebung. „Das ist nicht mehr so anonym“, sagt sie.

Die hellen Pastelltöne auf der Platte, die Brigitte Junker drei Jahrzehnte lang Tag für Tag zu sehen bekam, sind farbenfrohen Tönen gewichen. Malerische Häuschen, Bäume verschiedenster Art, Vögel und andere Tiere verschönern jetzt die bislang eher triste Wohngegend.

Riesiges Wandbild auf 22.000 Quadratmetern

In einer großen Plattenbausiedlung der Wohnungsbaugenossenschaft Solidarität direkt am Tierpark in Friedrichsfelde entsteht zurzeit ein riesiges Wandbild auf insgesamt rund 22.000 Quadratmetern. Schon im dritten Jahr arbeiten die Künstler daran. Diesen Sommer wird es fertig – und es soll das größte bewohnte Wandbild der Welt sein. Die Bewerbung ist bereits beim Guinness-Buch der Rekorde eingereicht.

Berlin ist berühmt für die vielen Wandbilder, einige hundert sind es stadtweit. In den siebziger Jahren begannen Künstler im Auftrag der Stadt, Fassaden zu verschönern, um damit ganze Kieze aufzuwerten. In Kreuzberg und Charlottenburg ging es los, heute konzentrieren sich die Aktivitäten der Wandbemaler vor allem auf Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg. Denn Wohnungsbaugenossenschaften und -gesellschaften haben die Fassadenkunst für sich entdeckt, um ihre Wohnblöcke attraktiver zu machen. „Die sind die Einzigen, die sich das noch leisten können“, sagt Norbert Martins, der sich seit Beginn der Wandmalerei mit der Berliner Fassadenkunst beschäftigt. „Die Stadt kann das nicht mehr.“

Es kam schon vor, dass Mieter dem Künstler Steve Rolle Kaffee und Kuchen durch das Fenster gereicht haben, als er gerade auf dem Gerüst stand und pinselte. „Dafür sollte ich ihnen dann aber auch einen Extravogel neben ihr Fenster malen“, sagt er lachend. Der 35-Jährige steht in bunt bekleckstem Outfit mit Jeans und Regenjacke vor der Friedrichsfelder Siedlung und beobachtet, wie eines der Gerüste abgenommen wird. Auch eine der rund 1600 Mieter blickt bewundernd nach oben. Ursula Richter, 75, wohnt hier seit fast vier Jahren. „Das ganze Haus sieht gleich ganz anders aus“, sagt sie. Sie hat sich sofort in das Eichhörnchen verliebt, das an der Fassade nach oben turnt.


Quelle: Der Tagesspiegel

Flieg Flamingo, flieg!, Am Tierpark 2, 10315 Berlin

Weitere Artikel zum Thema