Erfolgsmusical im Grips Theater

Fast 30 und kein bisschen leise: Linie 1

Fast 30 und kein bisschen leise: Linie 1
Das Mädchen aus der Provinz lernt die Berliner kennen. Von links: Lorris Andre Blazejewski, Maria Perlick, Jens Mondalski in "Linie 1".
Hansaviertel – Ein echter Dauerbrenner der Berliner Bühnenlandschaft wird 30 – und noch ist ein Ende des Erfolges von "Linie 1" nicht abzusehen. Lohnt sich das Hauptstadt-Musical auch 2016 noch?

Eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn drängen sich die Menschen vor den Eingängen. Minuten nach Saalöffnung sind kaum noch Lücken auf den Rängen. Um halb acht fordert die Kartenabreißerin das Publikum auf zusammenzurücken. Nein, wir sind nicht bei der Berlinale – nur im Theater. Am vergangenen Samstag spielte das Ensemble des Grips Theaters zum 1709. Mal „Linie 1“ – die „musikalische Revue für Erwachsene“ mit einer unvergleichlichen Erfolgsgeschichte. Uraufführung des oft ausverkauften Berlin-Musicals war 1986. In seiner bald 30-jährigen Historie wurde es mit diversen Preisen bedacht und in 15 Ländern inszeniert.

Was passiert auf der Bühne, das die Menschen auch 2016 noch in Scharen lockt? Zunächst mal hört sich der Plot völlig aktuell an: Eine junge Frau aus der Provinz kommt am Bahnhof Zoo an, auf der Suche nach einem Rockmusiker, der sie bei einem Konzert in ihrer Heimat verzaubert hat. In der U-Bahnlinie 1 und an deren Haltestellen trifft sie viele verschiedene Menschen. Darunter schräge Typen genauso wie Biedermänner und –frauen, gescheiterte Existenzen, unheimliche Sonnenbrillen- und Hutträger sowie die legendären Wilmersdorfer Witwen.

An der Linie 1 wird noch nach Mark gefragt

In der Vergangenheit hatten die Autoren versucht, „Linie 1“ an die veränderten Gegebenheiten in Berlin anzupassen. Seit 2004 wird das Stück wieder in der Urfassung aufgeführt. Und die funktioniert nach wie vor. Auch wenn es kein Ost und West und keine D-Mark mehr gibt. Die Inszenierung ist Zeitreise und zeitgemäß zugleich. Sie eignet sich für echte Berliner genauso wie für Besucher, die die Stadt aus der Perspektive der Hauptfigur, gespielt von Maria Perlick, sehen.

Das naive Mädchen provoziert (un-)gewollt Reaktionen bei den Mitreisenden der Linie 1 und den Menschen, denen es an den Bahnhöfen begegnet. Es entfaltet sich ein Bild vom Leben in der Großstadt, das heute erscheint wie vor 30 Jahren. Dazu passt, dass mit Dietrich Lehmann sogar ein Schauspieler aus der Erstbesetzung dabei ist. Genauso wie die Band No Ticket, die zusammen mit dem inzwischen verstorbenen Birger Heymann hinter der Musik von „Linie 1“ steckt. Die macht einen wesentlichen Teil des Erfolgs aus. Es gibt auch eine CD. Aber die Songs und Instrumentals entfalten ihre Kraft vor allem live. Im Theater thronen No Ticket hinter einem Netzvorhang über der Bühne. Dazu singen die Schauspieler solo oder im Chor.

„Linie 1“ verbindet Tragik und Lebenslust, ein gutes Ensemble und mitreißende Musik. Da darf auch mal mitgeklatscht werden, ohne dass es peinlich wäre. Etwa bei der ‚Hymne‘, „Fahr mal wieder U-Bahn“, die Fans des Musicals längst auswendig können. Ob das Mädchen während der über dreistündigen Vorstellung ihren Rockstar findet und es ein Happy End gibt, verraten wir nicht. Dafür aber, dass die Schauspieler nach dem Schlussapplaus mit einem Spendenaufruf für Flüchtlinge an die Liebe und Humanität von heute appellierten.

Die nächsten Vorstellungen von „Linie 1“ laufen vom 2. bis 6. Februar, jeweils um 19.30 Uhr. Weitere Informationen bekommst du auf der Webseite des Grips Theaters.

GRIPS Kinder- und Jugendtheater Hansaplatz, Altonaer Str. 22, 10557 Berlin

GRIPS Kinder- und Jugendtheater Hansaplatz

DAS GRIPS gilt als eines der wichtigsten Kinder- und Jugendtheater in Deutschland.

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