Kommentar zum arbeitsfreien 8. März

Der neue Feiertag kommt rasend schnell

Der neue Feiertag kommt rasend schnell
Mitte Januar wurde in Berlin für mehr Frauenrechte demonstriert. Ist der neue Feiertag ein erster Schritt?
Es ist vollbracht: Nach langen Diskussionen im Vorfeld hat das Berliner Abgeordnetenhaus einen neuen Feiertag für die Hauptstadt abgesegnet. Nicht gerade Berlin-typisch: Die Umsetzung soll richtig zügig vonstattengehen. Vielleicht sogar zu schnell?

Für Gesprächsstoff hatte der zusätzliche Feiertag schon länger gesorgt. Die meisten Parteien waren sich zwar einig, dass Berlin einen weiteren arbeitsfreien Tag verdient hätte – schließlich haben wir hierzulande davon die wenigsten. Doch ob es einen festen Termin und Anlass geben solle und wenn ja welchen, darüber wurde gestritten und so manche*r änderte zwischendurch den Kurs. Alles vorbei, denn am Ende einigten sich die Koalitionsparteien SPD, Grüne und Linke auf den Internationalen Frauentag am 8. März. Heute hat diesem Beschluss das Abgeordnetenhaus als letzte Instanz zugestimmt.

Die Diskussionen werden deshalb nicht gleich verstummen. Müssen sie auch nicht, denn natürlich gibt es Gründe, den Frauentag als Feiertag kritisch zu sehen. Aber er ist ein Feiertag und wenn es mit ihm gelänge, die Gleichberechtigung nicht nur am 8. März stärker ins Bewusstsein zu rufen – bestens! Im nächsten Jahr gibt es obendrauf einmalig noch einen weiteren arbeitsfreien Tag, den 8. Mai. Dieser steht 2020 für 75 Jahre Ende des 2. Weltkrieges in Europa und sollte unstrittig sein.

Wenig Zeit für die Umsetzung

Im Feiern ist Berlin ganz groß und deshalb verwundert es auch nur halb, dass man sich nach den langen Beratungen nun richtig beeilen will: Schon am 8. März 2019 dürfen die meisten in Berlin Beschäftigten ausschlafen. Zwischen Beschluss und Feiertag liegen also gerade mal sechs Wochen. Auch wenn die endgültige Entscheidung schon länger absehbar war, weil sich andere politische Gremien schon zuvor für den 8. März ausgesprochen hatten: Es bleibt trotzdem ein enges Zeitfenster. Die Wirtschaft jammert ohnehin, dass ein neuer Feiertag Geld kosten und das Bruttoinlandprodukt belasten würde. Einen Punkt hat sie aber, wenn sie bei der schnellen Einführung Probleme mit Lieferketten und Dienstplänen vorhersagt.

Ebenso wie der Wirtschaft wird es Schulen, Kitas oder Verkehrsbetrieben gehen. Möglicherweise müssen Klassenarbeiten verlegt oder Feiertagsdienstpläne aufgestellt werden. Ja, die meisten dieser Probleme sind in sechs Wochen noch regelbar. Aber was ist mit einem weiteren betroffenen Bereich, dem Gesundheitswesen? Vermutlich werden Ärzte für Patienten wichtige Termine verschieben müssen. Und was ist mit für den 8. März angesetzten Operationen in Berliner Krankenhäusern? Können die am Feiertag alle durchgeführt werden?

Pragmatisch und der Sache gerecht wäre es gewesen, in diesem Jahr den 9. November – nach 30 Jahren Mauerfall und natürlich in Gedenken an die Reichspogromnacht – zum Feier- und Gedenktag zu machen. Nur letzteres ist geschehen. Im Jahr 2020 hätte man dann ganz locker den Frauentag arbeitsfrei machen können.

Abgeordnetenhaus, Niederkirchnerstraße 5, 10117 Berlin

Abgeordnetenhaus

Das Berliner Parlament befindet sich nahe beim Potsdamer Platz. Hier, im Gebäude des ehemaligen Preußischen Landtags, hat das Landesparlament seinen Sitz.  

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