Das letzte Mal Pakete

So fühlt sich Weihnachten im Gefängnis an

So fühlt sich Weihnachten im Gefängnis an
In Berlins Gefängnissen geht es an Heiligabend nur wenig besinnlich zu.
Tegel / Moabit - In Berlins Gefängnissen sind bald Pakete verboten. Heiligabend gibt’s noch mal Post und ein kleines Fest.

Es könnte das letzte Weihnachtspaket im Gefängnis sein. Traditionell darf ein Gefangener drei Pakete pro Jahr empfangen: eines zum Geburtstag, eines zu einem frei wählbaren Termin – und das dritte natürlich zum Fest. Doch das Ende dieser Tradition ist nah. Denn Berlin schafft gerade ein neues Strafvollzugsgesetz, das 2016 in Kraft treten soll.

Der im September vom Senat beschlossene Gesetzentwurf verbietet „Pakete mit Lebensmitteln und Körperpflegeprodukten“ – anderes wurde in der Regel eh nicht verschickt. Die Verschärfung hat einen einfachen Grund: In den Paketen wird massiv geschmuggelt, und für eine genaue Kontrolle fehlt das Personal. Ein „nennenswerter Prozentsatz“, so Senator Thomas Heilmann (CDU), enthalte Drogen, Messer, Telefone oder andere illegale Dinge.

Zu feiern gibt es in Tegel wie auch den anderen Gefängnissen wenig. Zwar gibt es einen Weihnachtsbaum in jedem Haus, darunter gefeiert oder gegessen wird aber nicht. Langjährige Tegeler Justizangestellte sprechen von der „kritischsten Zeit des Jahres“. Denn während draußen den Menschen feierlich und rührselig zu Mute ist, sinkt drinnen die ohnehin schlechte Stimmung: Allein im Knast – ohne Frau, Kinder und Freunde.

Besuch von Gefangenen

Der Weihnachtsspeiseplan beginnt alltäglich. Heiligabend gibt es „Brühreis mit Hühnerfleisch“, Vegetarier bekommen Brühreis ohne Hühnerfleisch. Der offizielle Höhepunkt ist das Mittagessen am 1. Feiertag. Es gibt Gänsekeule mit Rotkohl, Bratensoße und Salzkartoffeln. Für die wenigen Vegetarier gibt es „gefüllte Aubergine“, ebenfalls mit Bratensoße und Salzkartoffeln. Abends wird die übliche „Kaltverpflegung“ gereicht – also Brot und Belag.

Schnaps zum Ertränken des Kummers gibt es natürlich nicht. Offiziell darf nur ein Mensch in Tegel Alkohol zu sich nehmen – und das ist der katholische Geistliche. Der katholische Gottesdienst ist am 2. Feiertag, allerdings in diesem Jahr ohne Erz- oder Weihbischof. In diesem Jahr ist nämlich die JVA Moabit dran, wie der Sprecher des Erzbistums Berlin, Stefan Förner, sagte. Heiligabend um 10 Uhr halten Erzbischof Heiner Koch und der evangelische Bischof Markus Dröge gemeinsam einen Ökumenischen Gottesdienst hinter den Gittern von Moabit ab.

Anschließend ist eine „Begegnung“ mit Inhaftierten geplant. Schließlich habe der Papst das Heilige Jahr der Barmherzigkeit ausgerufen, sagte Förner. Zu den sieben „Werken der Barmherzigkeit“ gehöre der Besuch von Gefangenen seit biblischen Zeiten dazu.

Stimmung steigt an Silvester

Die Barmherzigkeit der Justizverwaltung lässt sich an einer Zahl genau messen. In diesem Jahr kamen 69 durch die sogenannte Weihnachtsamnestie frei. Früher war Berlin barmherziger, in manchen Jahren kamen mehrere hundert Gefangene frei. Da waren die Gefängnisse aber mit mehr als 5000 Männern überfüllt. Derzeit sind es weniger als 4000. Entlassen werden nur ganz leichte Fälle, die in den nächsten Wochen ohnehin freikommen würden. Für die harten Jungs gibt es keine Gnade.

Die Stimmung im Knast steigt erst Silvester. Das neue Jahr dürfte um Mitternacht traditionell mit kollektiven Tritten und Schlägen gegen die Zellentüren begrüßt werden, schließlich sind Böller verboten und die Gefangenen in der Nacht eingesperrt. Die Justiz schenkt den Gefangenen einen Pfannkuchen zum Neujahrsmittagessen.


Quelle: Der Tagesspiegel

Justizvollzugsanstalt Moabit, Alt-Moabit 12, 10559 Berlin

Telefon 030 90140
Fax 030 90145005

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