Berlin Jazz Experiment

Neues Holzmarkt-Festival wegen Lärmschutz abgesagt

Neues Holzmarkt-Festival wegen Lärmschutz abgesagt
Dieses Tor führt dich auf das Areal vom Holzmarkt.
Berlin bekommt jetzt doch kein neues Festival! Das "Berlin Jazz Experiment" wurde von den Veranstaltern am 2. Mai leider abgesagt. Was da los ist und was dich eigentlich erwartet hätte ...

„Ruhe bitte. Und keine Festivals draußen, bitte!“. Mit diesen Worten haben die Veranstalter Anfang Mai auf Social Media bekanntgegeben, dass das geplante Festival Ende Mai nun doch nicht stattfinden darf. Grund dafür sind stärkere Lärmbeschränkungen und eine Art „akustische Sperrstunde“. Wer schon Karten gekauft hat, kann diese bei den jeweiligen Anbietern zurückgeben. Was dich auf dem Festival auf dem Holzmarktgelände erwartet hätte, liest du weiter unten.

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Ruhe, bitte. Und keine Festivals draußen, bitte! Liebe Besucher*innen des Berlin Jazz Experiments, liebe Freunde, Unterstützer*innen und Musiker*innen, Berlin verändert sich. Manches wird besser, schöner, vieles wird anders, einiges wird schlechter. Zu letzterem Punkt gehören ganz sicher Berlins immer stärkeren Lärmbeschränkungen. Zu viele Beschwerden und eine fehlende politische Linie haben dafür gesorgt, dass es Musikkultur, vor allem draußen, in unserer Stadt immer schwerer hat. Und manchmal geht auch gar nichts mehr. Genau das ist jetzt dem Berlin Jazz Experiment passiert. Unsere Idee war es, einen öffentlich zugänglichen Teil des Festivals zu haben. Draußen, wo auch ohne Ticket Musik gehört und Jazz erlebt werden kann. Offen, für alle. Aufgrund der aktuellen Lage mit einer Art akustischer Sperrstunde macht unser Konzept schlicht und ergreifend keinen Sinn mehr. Und unser Experiment würde dadurch seiner Seele beraubt. Daher sehen wir keine andere Möglichkeit, als das Berlin Jazz Experiment abzusagen. Wir hoffen, dass sich die Situation in Zukunft wieder ändert und die Hauptstadt ihre Liebe zur Kultur, auch zur etwas lauteren, wiederentdeckt. Darauf freuen wir uns, dafür kämpfen wir. Und dann gibt es auch wieder das Berlin Jazz Experiment. Ihr hört von uns! Die Karten können ab sofort bei den jeweiligen Ticketanbietern zurückgegeben werden. Bei Fragen könnt ihr euch gerne an info@berlinjazzexperiment.com wenden. Euer Berlin Jazz Experiment Team! —————————————————-

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Das hätte dich beim neuen Festival erwartet

Berlins neues Festival hat es ganz schön in sich. Um die Idee hinter dem Ganzen zu erklären, reicht es längst nicht aus, nur das Line-up herunterzurattern – obwohl das absolut hörenswert ist! Und da sind wir schon beim ersten und offensichtlichsten Knackpunkt vom Berlin Jazz Experiment: Da läuft Jazz. Kein Grund, wegzuklicken! Denn Jazz, das ist längst nicht das elitäre musikalische Durcheinander, das wir Deutschen mit dem Genre verbinden. Vielleicht hast du sogar schon viel mehr Jazz in deiner Playlist als du ahnst. Denn: „In Deutschland hüten sich Bands davor, ihre Musik Jazz zu nennen, weil das hier eher negativ aufgenommen wird“, erklärt uns Jean-Paul Mendelsohn. Er ist ein Berliner Promoter und organisiert das Berlin Jazz Experiment gemeinsam mit seinem Kumpel und Kollegen Max und dem Kollektiv vom Holzmarkt.

Liebst du auch Jazz, ohne es zu wissen?

Eins ihrer Ziele: „Jazz hat ein verstaubtes Image. Wir wollen die Sichtbarkeit der coolen Szene hier erhöhen“, so Jean-Paul. In London ist Jazz zum Beispiel längst angesagt, wird in den Pubs gespielt und als absolut tanzbar erkannt. Zeit wird’s, dass wir auch hier umdenken! Dass diese Stadt, in der es nicht einmal einen großen Jazz-Club gibt, den Artists auch in Berlin eine Plattform gibt. Weil die Musik von Rayana Jay oder Allysha Joy einfach gut ist. Sie sind nur zwei der Acts, die du bei den vielen Konzerten erleben kannst – oder vielleicht neu entdeckst? Nur am Rande erwähnt: Was auf anderen Festivals noch kritisiert wird, ist hier schon vorbildlich umgesetzt: Auch ohne ausgegebene Frauenquote stehen richtig viele Künstlerinnen auf den Bühnen.

Je nach deiner Expertise in Sachen Jazz macht dich das Line-up an einem anderen der drei Veranstaltungstage besonders glücklich: Am Freitag spielen eher junge Künstler*innen, der musikalische Londoner und Berliner Nachwuchs hat dann freshe Tunes im Gepäck. Am Samstag gibt es ruhigere Sounds, vor allem von weiblichen Größen der Jazz-Szene wie Me’shell Ndegeocello. Und am Sonntag geht es in der Kombi mit Afrobeats, Soul und Funk etwa mit dem Sun Ra Arkestra ab. Und das Line-up ist längst noch nicht komplett.

 

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„Der Holzmarkt hat alles, was ein Festival auch bietet, wenn man raus in die Pampa fährt“, erklärt Jean-Paul die Entscheidung für den Berliner Standort. Die lockere und kreative Atmosphäre, die er damit anspricht, kannst du bei dem Event dann auch komplett auskosten. Denn das Programm ist über das gesamte Gelände verstreut: Im Katerschmaus erwartet dich ein Jazzbrunch, im Säälchen, Kater Blau und weiteren Locations finden Konzerte statt. Für die musst du dich im Voraus um Tickets kümmern. Aber parallel dazu läuft der zweite Teil des Festivals, der sich hinter dem „Experiment“ im Namen verbirgt – und zwar überwiegend gratis. Dazu gehören offene Jamsessions, DJ- und Akustik-Sets auf dem Gelände sowie ein Vinylmarkt, aber auch (stadt-)politische Diskussionen und noch mehr Programmpunkte, die nur am Rande mit Musik zu tun haben.

Berlin gibt es beim Festival gratis dazu

Denn das Event soll ein Event nicht nur in Berlin, sondern auch mit und für Berlin werden. Das Berlin Jazz Experiment hat nämlich den Anspruch, Musik und Gesellschaft zusammenzubringen. Darum sind auch Talks und Workshops zu den Themen Stadtentwicklung und Gender geplant. Aber nicht mit dem erhobenen Zeigefinger: „Wir wollen Denkanstöße geben, aber es soll verbindend sein: Alle treffen sich durch die Musik und auf der Bühne.“ Alle können also mitmachen und anbringen, was ihnen in dieser Stadt unter den Nägeln brennt. Die Themen sind darum universal. Ihr gemeinsamer Nenner: Es geht um Lösungen dafür, wie wir in Zukunft in der Stadt leben wollen. Und darum, alle Menschen zusammenzubringen.

 

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Vielleicht bist du bisher nicht bei jeder Demo oder politischen Diskussion vorne mit dabei – kein Ding! Dem Organisator geht es genauso. Jean-Paul nennt das, was das Festival bieten soll einen „Bürgerdialog“, er ist mit der Formulierung aber selbst nicht ganz zufrieden. „Ich habe mich selbst noch nicht wirklich politisch engagiert, auch weil ich Worte wie ‚Bürgerdialog‘ oft so steif finde. Genauso wie ‚Bürgerfest‘. Aber das ist eigentlich, was wir wollen: alle ranholen und ein Bewusstsein für bürgerschaftliches Engagement schaffen.“ Nur eben so, dass es Spaß macht.

Was das nun mit Jazz zu tun hat? Nicht nur, dass der, musikalisch gesehen, total offen ist und Einflüsse aus allen möglichen Stilrichtungen aufnimmt. „Jazz, das ist eher ein Lifestyle als ein Genre“, erklärt Jean-Paul. „Man improvisiert zusammen, hört einander zu und erfindet sich ständig neu. Genau so sollte auch eine gute Gesellschaft sein.“

Noch mehr Infos findest du auf der Webseite vom Berlin Jazz Experiment.

Holzmarkt 25 eG, Holzmarktstraße 25, 10243 Berlin

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