Interview

Oliver Berben über Berlin und das etwas andere Wende-Drama

Oliver Berben über Berlin und das etwas andere Wende-Drama
Oliver Berben ist auch Vorstand für Television, Entertainment und Digital Media bei der Constantin Film AG.
Dieser Mann hat ein Händchen für spannende Geschichte(n): Oliver Berben, Produzent und Vorstand bei der Constantin Film, ist auch beim Thriller-Drama "Wendezeit" mit von der Partie, das die ARD im Jubiläumsjahr 2019 zeigt. Ein Interview am Set des Films.

Dahlem, ehemaliges US-Militärkrankenhaus: Lange war der Komplex ein „Lost Place“ in einer ruhigen, gutbürgerlichen Gegend, bald soll er zum Technologiezentrum werden. Nicht zum ersten Mal wird er für Filmaufnahmen genutzt. Es ist November 2018, die letzten Drehtage von Wendezeit (Arbeitstitel) stehen an. Hauptfigur des Films ist Saskia Starke, gespielt von Petra Schmidt-Schaller, die von der Stasi in die amerikanische Botschaft in West-Berlin und die CIA eingeschleust wurde. Die Wende wird für sie zum Ausnahmezustand: Nicht nur, dass sie droht aufzufliegen – auch ihre Familie steht auf dem Spiel, denn was für Starke zu Beginn nur eine Zweckheirat war, ist längst viel mehr geworden.

Executive Producer der Koproduktion von rbb, ARD Degeto und Moovie GmbH ist Oliver Berben. Nicht zum ersten Mal steht der Sohn der Schauspielerin Iris Berben hinter einem Filmprojekt, das zu einem historischen Stoff einen anderen, moderneren Zugang wählt, als man das bisher von deutschen TV-Produktionen gewohnt war – so viel lässt der Trailer schon erahnen. Am Rande des Pressetermins am Set erzählte uns Berben von neuen Perspektiven auf die Wende und seiner Verbindung zur Hauptstadt.

QIEZ: Wie war die Entstehungsgeschichte von Wendezeit – zu welchem Zeitpunkt sind Sie dazu gekommen?

Oliver Berben: „Direkt zu Beginn. Das Besondere an diesem Stoff, sowohl wie ihn die Autorin Silke Steiner geschrieben hat als auch wie er verwirklicht worden ist, war, dass man ein bekanntes historisches Ereignis nimmt, aber von der Perspektive her anders erzählt. Das hat uns sofort dran interessiert. Also nicht den x-ten Film zu machen, der sich mit der gleichen Thematik beschäftigt, sondern den Blickwinkel im gleichen zeitlichen Rahmen in eine andere Richtung, auf andere Charaktere zu richten.“

QIEZ: Also nicht unbedingt den zehnten Film, der die Wende erklärt …

O.B.: „Es geht nicht darum, wie sie passiert, sondern darum, was mit Systemen und den Menschen darin passiert, mit Überzeugungen, die sie haben, privat wie öffentlich. Es ist ein veränderter Blickwinkel auf ein bekanntes historisches Ereignis.“

 

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Ein Beitrag geteilt von Carsten Hayes (@henceassatyr) am Nov 21, 2018 um 4:27 PST

 

QIEZ: Nun steht ja ein Jubiläumsjahr bevor. Gab es für Sie auch Optionen, andere Filme über die Wende zu machen?

O.B.: „Ich gehe auch sehr vorsichtig an diese Thematik heran, weil ich finde, dass schon sehr viel gesagt und erzählt ist. Wenn man sich mit dieser Thematik beschäftigt, finde ich es wichtig, eine Perspektive zu finden, die man noch nicht kennt. Ein anderes Beispiel: Wir haben vor eineinhalb Jahren in Berlin einen Film gemacht, Das Zeugenhaus. Der hat die Nürnberger Prozesse, die man ja auch kannte, nur aus der Perspektive der Zeugen erzählt, die in einem Haus bei Nürnberg auf die Verhandlung gewartet haben. Das historische Element wurde nicht erklärt, sondern es wurde erzählt, was es mit den Menschen zu dem Zeitpunkt in diesem geschlossenen Raum gemacht hat. Ich versuche mich mit den Erzählungen nicht zu wiederholen.“

QIEZ: Wir wollen ja immer ein bisschen klassifizieren. Würden Sie der Einordnung von Wendezeit als Agententhriller zustimmen? Ist dieses dramatische Element für deutsche Historienfilme auch eine neue Herangehensweise, geht das etwas mehr in Richtung Serien, auch optisch?

O.B.: „Das sind zwei verschiedene Dinge, das Visuelle und das Erzählerische. Gewollt ist, dass es im Grunde ein Genre-Mix ist, in dem Fall eine Mischung aus Drama und Thriller. Das Schöne ist, dass diese neuen Erzählformen, die aus dem Seriellen kommen, aber nicht nur dort bleiben müssen, natürlich die Möglichkeit geben, dass wir uns ein bisschen von den Kategorien lösen. Bei Wendezeit, aber auch bei vielen anderen Produktionen wie etwa Parfum war unsere Überlegung: Wie schaffen wir es, verschiedene Genres zu verbinden, um dadurch dem Zuschauer ein ganz anderes Erlebnis zu bieten? Auf der einen Seite kann er sich auf die Thriller-Elemente, die Action freuen, aber es steckt eben auch eine extrem hohe Emotionalität und eine historische Komponente drin.“

QIEZ: Vielleicht noch eine Frage zu Berlin …

O.B.: „Gerne. Ich habe 22 Jahre hier gelebt.“

QIEZ: Haben Sie noch eine Wohnung hier?

O.B.: „Ja klar. Ich bin 1988 nach Berlin gekommen, habe mir dann hier das erste Mal in meinem Leben eine kleine Wohnung kaufen können und da wohne ich.“

QIEZ: In welchem Stadtteil?

O.B.: „In Schöneberg.“

QIEZ: Aus der Sicht des Produzenten: Wie schwierig oder einfach ist es, in Berlin zu drehen?

O.B.: „Zuallererst mal ist es eine tolle Stadt um zu drehen. Es wird aber schwieriger. Das hat mit mehreren Sachen zu tun: Die Stadt ist zwar sehr gut organisiert, gerade wenn man das Medienboard nimmt, die ja nicht nur fördern, sondern sich auch sehr stark um die Organisation der Drehs kümmern. Gegenüber den frühen Neunzigern, als ich mit meiner Firma angefangen habe, hier zu drehen, ist es aber sehr viel bürokratischer geworden. Das ist aber auch normal. Wenn mehr gedreht wird, wenn mehr Teams da sind, muss man auch die Interessen der Anwohner schützen. Manche Leute nervt das, manche freuen sich auch, wenn sie es sehen. Das ist immer eine Mischung. Ich glaube schon, dass das Produzieren hier im Großen und Ganzen sehr gewollt ist. Aber man muss auch aufpassen dass es nicht überhandnimmt.“

„Wendezeit“ läuft im Herbst 2019 im Rahmen des „FilmMittwochs“ in der ARD, der Titel kann sich noch ändern.

Ehemaliges US-Militärkrankenhaus, Fabeckstraße 62, 14195 Berlin

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