Neuer Store Fiona Bennett

Gut behütet

Fiona Bennett (Mitte) mit ihren Mitarbeiterinnen Anna Mohl (links) und Selina Grädler.
Fiona Bennett (Mitte) mit ihren Mitarbeiterinnen Anna Mohl (links) und Selina Grädler.
Die stadtbekannte Hutmacherin Fiona Bennett hat einen neuen Laden im alten Tagesspiegel-Haus.

Immer wieder machen Leute vorm Fenster Halt. Manche schauen nur minutenlang. Und dann gibt es die, die reinkommen und wollen, dass Fiona Bennett ihnen den Vogel zeigt. Bennett tippt dann nicht etwa mit dem Zeigefinger gegen ihre Stirn. Sie geht zum weißen Regal und holt den roten Hut mit den zwei riesigen abstehenden Federn raus – ihn nennt sie liebevoll „Vogel“. Der Hut ist Teil der Couture-Kollektion der Modistin und hat seit wenigen Wochen im Schaufenster von Bennetts neuem Laden in der Potsdamer Straße 82 einen repräsentativen Platz.

Von Mitte nach Tiergarten

Vorher hatte Bennett ihren Laden in einer Altbauwohnung in der Alten Schönhauser Straße. Man musste klingeln, um zu ihr kommen. Aber nicht nur der Wunsch nach mehr Offenheit trieb die gebürtige Engländerin, die seit 1972 in Berlin lebt, zum Umzug an. Sie wollte weg aus Mitte. 2009 hatte sie ihren Laden am Hackeschen Markt geschlossen und war in die Alte Schönhauser umgezogen. Aber auch hier war sie mit der Atmosphäre nicht mehr zufrieden. „Da bin ich ja nur noch von Jeans-, Turnschuh- und Kaffeeläden umgeben gewesen“, sagt sie.

Aber wohin? Prenzlauer Berg? Zu dörflich, befand Bennett. Friedrichshain und Neukölln? Zu jung. Charlottenburg oder Kudamm? Fühlte sich nicht richtig an. Und dann bekam sie den Tipp, sich an der Potsdamer Straße umzusehen. Hier, wo bis Oktober 2009 der Tagesspiegel seinen Sitz hatte, in der Nähe des Wintergarten-Varietés, umgeben von Spielhallen und dem Strich an der Kurfürstenstraße, entwickelt sich im Modeniemandsland plötzlich eine Oase für Design-Kenner.

Eine Straße mit Potential

Andreas Murkudis hat im Hinterhof der ehemaligen Tagesspiegel-Druckerei seinen 1000 Quadratmeter großen Concept-Store. Galerien wie Blain Southern und Nolan Judin oder die Agentur Edenspiekermann haben sich auch hier niedergelassen.

Die Gegend gefiel auch Bennett. Sie kennt sie noch aus ihrer Teenagerzeit, als sie die Nächte im Club 90 Grad und der Bar Kumpelnest durchfeierte, „Die Straße hat eine Seele“, sagt Bennett und schwärmt davon, wie sich abends die vielen Glühbirnen des Wintergartens in den Scheiben spiegeln, wie interessant es ist, von Inhabergeführten Läden und nicht von Ketten umringt zu sein. „Hier habe ich wirklich das Gefühl, dass ich in einer Großstadt bin“, sagt sie.

Die neue Hutfabrik

Über einen kleinen roten Teppich geht es hinein in den Verkaufsraum. Alles ist in Weiß gehalten. Die Hüte leuchten wie Farbtupfer in Violett, Grün, Rot und Blau. „Ich wollte einen Abenteuerspielplatz für Erwachsene schaffen, einen Ort, der zum Träumen anregt“, erklärt Bennett. Und natürlich: Zum Hüte kaufen.

80 Modelle sind derzeit im Sortiment, Panamahüte und Baskenmützen für Männer, muschel- glocken- oder blätterförmige Hüte für Frauen, manche wagenradgroß, andere zarte Hingucker. Die Baskenmütze gibt’s ab 140 Euro, der teuerste Hut kostet 1480 Euro und wird bald im australischen Melbourne zum Pferderennen ausgeführt. Die Käuferin hatte sich ihn extra von Bennett anfertigen lassen. Bennett hat schon die Band Rammstein ausgestattet, auch Christina Aguilera trug ihre Kreationen.

Wichtig sei beim Tragen ihres Kopfschmucks, dass der Träger nicht von seinem Hut erschlagen werde. „Träger und Hut müssen eins werden.“ Einen Anfänger würde sie deshalb auch nicht mit dem „Vogel“ auf die Straße schicken. Denn für diese Kreation brauche es Mut.


Quelle: Der Tagesspiegel

Fiona Bennett, Potsdamer Straße 81, 10785 Berlin

Telefon 030 28096330

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Montag bis Samstag von 10:00 bis 19:00 Uhr

Fiona Bennett (Mitte) mit ihren Mitarbeiterinnen Anna Mohl (links) und Selina Grädler.

Fiona Bennett (Mitte) mit ihren Mitarbeiterinnen Anna Mohl (links) und Selina Grädler.

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