Durch den Kiez

Florian Bartholomäi: Der Tatort-Bösewicht ganz zahm

Florian Bartholomäi: Der Tatort-Bösewicht ganz zahm
Privat ist der Schauspieler Florian Bartholomäi ein Spaßvogel, in der bekannten Fernsehreihe Tatort ist er allerdings als Bösewicht bekannt. Zur Foto-Galerie
Friedrichshain – Schauspieler Florian Bartholomäi zeigt in der Fernsehreihe Tatort gerne seine boshafte Seite. Mit uns spricht er über seine WG-Eskapaden, seiner Suche nach dem Kiezgefühl und seine Traumrolle.

Kein Taxi weit und breit, Bösewicht ist auch keiner zu sehen. Dann entdecken wir den sechsfachen Mörder in der Café Bar Zebrano am Ostkreuz. Gelassen sitzt er da, bewaffnet mit Messer und Gabel. Vor ihm ein Rührei. Niemand hat bisher so oft getötet wie er – im ARD-Klassiker Tatort versteht sich. Dort hat der Schauspieler Florian Bartholomäi erst vor Kurzem im 1.000 Tatort den Ex-Soldaten und Taxifahrer Rainald Klapproth verkörpert.

Im Zebrano gab's erstmal Rührei und Kaffee zum Frühstück.

 „Ich bin privat eigentlich ein ganz lieber Kerl“ sagt er und wir glauben ihm aufs Wort. Während wir frühstücken und Kaffee trinken erzählt uns Florian, dass er aus seinen ersten beiden Wohnungen gleich mal rausgeflogen ist. Schon mit 19 Jahren zog es den gebürtigen Frankfurter nach Berlin. Heute lacht er über solche Geschichten und wird ruhiger, schließlich ist das 30. Lebensjahr erreicht. Passend dazu sagt er: „Ich empfinde den Kiez als einen Ort für über Dreißigjährige, die nicht alt werden wollen.“ Da hat er vermutlich nicht ganz Unrecht.

Seine Stammkneipe ist die Sieben, gleich gegenüber dem Zebrano. Eigentlich wollten wir uns in der typischen Friedrichshainer Kiez-Kneipe ein kühles Bier genehmigen, sind aber viel zu früh dran. In den guten alten Zeiten war er regelmäßig mit Freunden im Primitiv und der Astro-Bar, was allerdings nachgelassen hat. „Gelegentlich komme ich da noch vorbei, man kennt den Barkeeper, aber es ist einfach nicht mehr das Gleiche wie früher.“ Es sei kieziger gewesen, heute strömten die Touristen-Massen von der Warschauer Straße genau in Richtung dieser Kneipen. „Ich mag dieses lieblose Unbekannte nicht, das Miteinander ist mir wichtig. Deshalb bin ich auch ständig auf der Suche nach neuen Kneipen, wo ich dieses Kiezgefühl erleben kann.“

Nicht nur für Kneipen hat Florian einen Tipp, sondern auch was gutes Essen angeht. „Den Asiaten ums Eck finde ich super, da kann man gut essen.“ Das Pho House ist elegant eingerichtet und bietet verschiedene vietnamesische Spezialitäten, von denen man möglichst alles mal probieren sollte, sagt Florian. Als wir weiter spazieren entdeckt der Schauspieler einen neuen Bäcker und meint: „Den kenne ich gar nicht. Schon wieder ein Neuer.“ Die Fluktuation ist hier sehr hoch, deshalb verwundert es überhaupt nicht, wenn man die ein oder andere Neuentdeckung macht. Am liebsten isst Florian aber zu Hause in der WG, die er sich mit einem Freund teilt: „Kochabende in der WG mag ich sehr gerne. Hier kann man entspannen und genießen. Ich bin auch kein Clubgänger, dann lieber eine Kneipe oder Bar.“

Einmal den Pianisten Glenn Gould verkörpern - Florians großer Wunsch.

Und wie oft wird Florian auf den Straßen Friedrichshains erkannt? „Durch meine häufigen Auftritte im Tatort werde ich mittlerweile täglich erkannt. Das sind beispielsweise jüngere Mädels, die mich aus der Fantasy-Filmreihe Rubinrot, Saphirblau und Smaragdgrün kennen, mich als Prinzen in Aschenputtel gesehen haben oder eben die regelmäßigen Tatort-Gucker.“ Ganz unterschiedlich also. „Die Tatsache, dass man sich zum Tatort Gucken trifft, finde ich sehr spannend. Schön, dass man sich trifft und darüber diskutiert.“

Mit Wing Tai hat alles angefangen

Als Florian vor elf Jahren seine Koffer nach Berlin packte, war er sich sicher, Schauspieler zu werden, obwohl er auf diesem Gebiet so gut wie keine Erfahrung hatte, geschweige denn eine Ausbildung oder Studium.

Zu seiner ersten Rolle in Kombat Sechzehn kam der Wahl-Friedrichshainer durch den Kampfsport Wing Tai. Er war sechzehn Jahre alt und wurde in der Kampfsportschule angesprochen, ob er Lust darauf hätte, in dem Film über die rechte Szene mitzuspielen. Schauspielerisches Talent war dabei erst mal Nebensache. Es ging um den Kampfsport und den beherrschte er gut. Nach einem elfstündigen Casting hatte er die Crew überzeugt. „Die Schauspielausbildung habe ich mir dann quasi selbst zusammengebastelt, indem ich selbst entschieden habe und entscheide, zu welchen Lehrern ich gehe.“ Zukunftsangst ist ein omnipräsentes Thema des Dreißigjährigen. Es gibt kein regelmäßiges Einkommen und kommende Rollen verspricht einem auch niemand. Aber zum Glück ist der nächste Tatort schon geplant.

In Zukunft würde sich Florian gerne auch in internationalen Produktionen sehen.

Bisher war Florian in insgesamt zwölf Tatort-Folgen zu sehen. Der Jubiläumstatort fand auf Twitter so viel Anklang, wie kein anderer zuvor – und das freut den Darsteller natürlich sehr. Die Anspannung beim Dreh war groß, denn alles lief unter dem Motto: „Macht bitte was ganz Tolles draus, denn schließlich ist Jubiläum.“ Da wächst der Druck. Dazu kommt, dass der Dreh an sich schwierig war. Denn in der Folge spielt Florian einen ehemaligen Elite-Soldaten, der erfährt, dass seine Ex-Freundin seinen Erzfeind heiraten will. Völlig davon überwältigt nimmt er die Kieler Kommissare in seinem Taxi gefangen. „Nachts, im aufgesägten Taxi mit Teller in der Hand – da sitzt du über Stunden und implodierst fast.“ Der Teller war übrigens eine Requisite und diente als Lenkradersatz.

Die Planungen zur 1.000 Folge haben vor circa zwei Jahren begonnen. Florian hat sich darauf fünfeinhalb Wochen vorbereitet, um dann vier Wochen zu drehen. „Das Team war cool. Die haben bei Regen und Kälte richtig gute Arbeit geleistet und für Zusammenhalt gesorgt.“ Aber warum übernimmt eigentlich immer er die Rolle des Bösewichts? „Das weiß ich selbst nicht genau. Ich bin da so reingerutscht. Aber es macht Spaß! Das ist mein Yin und Yang: Privat nett, beruflich böse.“

Wunschkusspartnerin: Natalie Portman

Sein größter Wunsch wäre es, einmal den kaum bekannten Wunderpianisten Glenn Gould aus Kanada zu verkörpern. Der Pianist hatte laut Florian seine ganz eigene Art zu spielen, zum Beispiel einen viel zu niedrigen Stuhl oder sein ständiges Summen zu den Stücken, das auch in seinen Aufnahmen immer wieder zu hören ist. Und mit wem hätte der Schauspieler am liebsten einen Filmkuss? „Mit Natalie Portman. Wir hatten in unserer WG sogar mal eine Zahnbürste für sie im Badezimmer stehen, falls sie mal vorbeikommt.

Im Herbst hat Florian die Option auf zwei neue Kinofilme. Wir dürfen also gespannt sein, ob wir ihn bald wieder auf der Leinwand sehen. In Zukunft möchte er sich gerne mehr internationalen Rollen widmen und „hoffentlich nicht auf dem Arbeitsamt landen“, scherzt Florian.

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