Uraufführung von "Der Tunnel"

Fluchtgeschichten: Theater unter der Brunnenstraße

Klaustrophobisch eng ist es unter Tage: Dennis Katzmann (links) und Claas Würfel spielen die Tunnelgräber.
Klaustrophobisch eng ist es unter Tage: Dennis Katzmann (links) und Claas Würfel spielen die Tunnelgräber. Zur Foto-Galerie
Brunnenviertel - Zum 50. Mal jährt sich in einigen Tagen der Verrat an dem Tunnelprojekt in der Kremmener Straße, mit dem Bürgern der ehemaligen DDR versuchten, unter der Mauer durch nach Westberlin zu gelangen. Die Bernauer Straße war zwischen 1961 und 1973 ein Brennpunkt der Tunnelfluchten zur Zeit des Kalten Krieges. Ein Theaterstück, das am 24. Mai Premiere feiert, setzt die Geschichte der Tunnelflüchtlinge mit aktuellen Flüchtlingsfragen am historischen Schauplatz in Bezug.

„Der Tunnel“ ist die erste Produktion des Theaters in den Unterwelten. Das ungewöhnliche Theaterprojekt hat seine Bühne in den Tonnengewölben der erst 2011 entdeckten ehemaligen jüdischen Oswald-Berliner Brauerei. Besser könnte die Spielstätte nicht gelegen sein: In direkter Nähe zur Bernauer Straße treffen der geschichtsträchtige Ort als Zeuge des damaligen Geschehens und Fiktion aufeinander.

Eine Richterin wird mit dem Asylfall einer Syrerin konfrontiert, die durch den Krieg zur Flucht nach Deutschland gezwungen wurde. Die Geschichte der jungen Frau bleibt nicht ohne Folgen für die Beamtin. Plötzlich sieht sie Gesichter und erlebt Déjà vus – das Schicksal der Geflohenen ruft Erinnerungen an ihre eigene Geschichte und das Schicksal ihrer Familie hervor. In einem Fluchttunnel im Berlin der 1960er Jahre hatte sie als Baby Vater und Mutter verloren. Hier baute eine Gruppe junger Männer kurz nach dem Mauerbau von Westberlin aus eine Mauer Richtung Osten. Sie wollten ihren Angehörigen zur Flucht in den Westen verhelfen. Doch Wassereinbrüche, ein Stasi-Gegentunnel, Steit und Verrat sind Widerstände, mit denen die jungen Menschen massiv kämpfen müssen.

Aktueller Bezug

Das Stück verwendet Puppenspielelemente und Zeitzeugenaufnahmen, Schauspiel und Videoprojektionen. So werden verschiedene Zeitebenen und Handlungsstränge miteinander verzahnt. Ein besonderes Spiel mit Licht und Sound sorgt dafür, dass die klaustrophobische Enge unter Tage körperlich spürbar wird. Sie wird letztlich auch zu einem Symbol der fehlenden Freiheit in der DDR, der sich die Bürger ausgesetzt sahen. Man versteht, warum die lebensgefährliche Flucht durch den Tunnel für viele das Licht am Ende der Dunkelheit bedeutete.  

Doch indem die Geschichte der Tunnelfluchten aus der DDR mit dem zeitgenössischen Schicksal der syrischen Frau verwebt wird, regt das Stück dazu an, sich über die Geschichte der DDR-Flüchtlinge hinaus mit aktuellen Fragen von Flucht und Vertreibung auseinanderzusetzen. „Im Grunde geht es darum, dass Menschen schon immer geflohen sind, weil es ein Anliegen des Menschen ist, in eine bessere Welt zu kommen“, sagt Momo Kohlschmidt, Schauspielerin und Regisseurin des Stücks.

Der Verein Berliner Unterwelten e.V., der Initiator des Stückes ist, sieht das Stück als Ergänzung zum Audioweg „Flucht Tunnel“ und zum Fluchttunnelmuseum, das gerade aufgebaut wird. Die Macher des Museums wollen einen Zugang zu dem historischen Fluchttunnel unter der Bernauer Straße aus dem Jahr 1971 legen, um den Besuchern zu veranschaulichen, welch lebensgefährliche Bedingungen die Menschen auf sich nahmen, um der DDR zu entfliehen.

„Der Tunnel“ feiert am 24. Mai um 20 Uhr im Theater in den Unterwelten Uraufführung. Weitere Informationen finden Sie hier.

Foto Galerie

Fluchtgeschichten: Theater unter der Brunnenstraße, Brunnenstraße 143, 10115 Berlin

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