Boulevard Kastanienallee

Warum ein Flüchtlingscafé in Hellersdorf schließen musste

Warum ein Flüchtlingscafé in Hellersdorf schließen musste
Der Boulevard Kastanienallee in Hellersdorf-Süd: Im Sommer sieht es hier etwas weniger trist aus.
Ein erfolgreiches Flüchtlingsprojekt in einer nicht ganz einfachen Gegend – man sollte meinen, das Café LaLoka sei ein gern gesehener Mieter am Boulevard Kastanienallee. Doch die Deutsche Wohnen hat andere Pläne für die Räumlichkeiten; das Café ist seit Jahresbeginn dicht.

Im Prinzip sind sich ja alle einig: Das Internet-Café LaLoka, aufgebaut und selbst verwaltet von Geflüchteten, hat dem Kastanienboulevard gut getan. Jener Einkaufsstraße in Hellersdorf, auf der wenig glänzt und wo gerade nach vielen Jahren Leerstand die alte Kaufhalle abgerissen wurde, die durch ein Hochhaus ersetzt werden soll. Der größte Vermieter ist hier die Deutsche Wohnen, die vor einigen Jahren zahlreiche Wohn- und Geschäftshäuser übernahm. Während die Wohnungsgesellschaft anderswo – und besonders in Berlin – nicht den besten Ruf genießt, sieht das in Hellersdorf etwas anders aus. Sicher nicht ganz uneigennützig kümmert sich das Unternehmen hier aktiv darum, das Wohnumfeld zu verbessern, hat Flächen günstig an kulturelle und soziale Projekte vermietet.

In der Schneeberger Straße 17, mit Zugang von der Kastanienallee, konnte sich seit drei Jahren das LaLoka etablieren. Daran waren drei Vereine beteiligt: Mit der Hilfe von Hellersdorf hilft richtete Refugees Emancipation dort ein Internet-Café ein. Geflüchtete aus der nahen Unterkunft in der Carola-Neher-Straße, aber auch aus dem Umland, konnten seither im LaLoka online gehen und hatten einen eigenen Raum. Dieser stand aber immer schon für die Nachbarschaft offen, erzählt Chu Eben, Sprecher von Refugees Emancipation. Nach anfänglicher Zurückhaltung hätten Eltern mit ihren Kindern das Café gerne genutzt, zum Surfen oder um eine Kleinigkeit zu essen. Geplant oder schon eingeführt waren auch andere Events, etwa gemeinsames Cricketschauen oder Informationsabende über die Herkunftsländer der Flüchtlinge.

Gerissener Gesprächsfaden

Dritter Verein im Bunde war KuDePo, das Hellersdorfer Zentrum für Kultur, Demokratie und Politik. Es fungierte als Mieter, wollte diese Rolle aber zum Jahresende 2018 an den bisherigen Untermieter Refugees Emancipation abgeben. Chu Eben berichtet, dass man sich im Sommer mit Vertretern der Deutsche Wohnen und des Bezirksamts vor Ort zusammengesetzt habe. Die Stimmung sei positiv gegenüber einer Übernahme des Mietvertrags gewesen. Man habe sich darauf verständigt, dass Refugees Emancipation noch ein Konzept einreichen solle, was geschehen sei.

Weiß-gelbe Mietshäuser, im Vordergrund ein Blumengeschäft in einem Pavillon und eine Dönerbude

Blumen und Döner gibt es auf dem Kastanienboulevard noch, ein Internet-Café von Flüchtlingen jedoch erst mal nicht mehr.

Ab diesem Punkt gehen die Darstellungen der Beteiligten auseinander. Was kein Wunder ist, denn das LaLoka musste Ende 2018 schließen. Fest steht: Die Deutsche Wohnen möchte die Räumlichkeiten in der Schneeberger Straße 17 nun anderweitig vermieten. Anstatt eines sozialen Trägers solle dort Einzelhandel einziehen, wie Pressesprecher Marko Rosteck gegenüber QIEZ bestätigt. Man könne sich etwa eine Drogerie oder einen Supermarkt vorstellen. Dem Unternehmen gehe es um eine gute Mischung in der Gegend. Doch wie kam es zum Aus für LaLoka? Chu Eben sagt, es habe nie eine Rückmeldung der Deutsche Wohnen zu dem eingereichten Konzept gegeben. Pressesprecher Rosteck betont dagegen die Gesprächsbereitschaft der Wohnungsgesellschaft, allerdings nur, was mögliche Ausweichflächen angeht. Man schätze die Arbeit des Flüchtlingsprojekts und wolle nun mit dem Bezirksamt sprechen, um nach einer Lösung zu suchen. Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (Die Linke) hatte sich im Dezember in einer Pressemitteilung an die Seite von Refugees Emancipation gestellt.

Geht es mit LaLoka also womöglich doch noch weiter? Unabhängig von der Deutsche Wohnen hat Refugees Emancipation sich bereits umgehört. Für drei bis fünf Tage wöchentlich könne man eventuell woanders unterkommen, so Chu Eben. Aber eben nicht durchgehend und nicht als selbstbestimmter Gastgeber.

Warum ein Flüchtlingscafé in Hellersdorf schließen musste, Schneeberger Straße 17, 12627 Berlin

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