Im Gespräch mit Daniel Biskup

Der Mann, der nicht nur Merkel einfängt

Der Mann, der nicht nur Merkel einfängt
Einen der neueren Läden in seiner Nachbarschaft, das Milchmädchen, empfiehlt Biskup wegen des guten Kuchens. Zur Foto-Galerie
Graefekiez – Fotograf Daniel Biskup hat zum 60. Geburtstag der Bundeskanzlerin ebenso viele Porträts von ihr für eine Ausstellung zusammengestellt. Seit vielen Jahren macht er Bilder von Staatenlenkern und anderen Persönlichkeiten. Nach der Wende begleitete er fotografisch die Umbrüche in Osteuropa.

Die berühmtesten Merkel-Fotos der letzten Zeit stammen nicht von ihm. Doch die hätte er auch gerne gemacht, wie Daniel Biskup lachend zugibt. Es geht um die Kabinen-Aufnahmen während der WM in Brasilien, die die Bundeskanzlerin im Kreis der Fußball-Nationalspieler zeigen. Ansonsten hat Biskup Angela Merkel seit ihrem Aufstieg zur Spitzenpolitikerin immer wieder abgelichtet. Das chronologisch erste Foto seiner Ausstellung im Museum The Kennedys zeigt sie zusammen mit der früheren Bundesfamilienministerin Claudia Nolte, die heute Crawford heißt und für die Konrad-Adenauer-Stiftung tätig ist. Fragt man den Fotografen nach dem Werdegang der Kanzlerin, charakterisiert er sie so: „Sie war zu jeder Zeit ihre eigene Persönlichkeit, die sich aber auch entwickelt hat. Sie ist mit zunehmendem Erfolg gelassener geworden, geht ihren Weg und lässt sich nicht aus der Fassung bringen.“

Mit Merkel und Ex-Kanzler Helmut Kohl hat Daniel Biskup besonders gut zusammengearbeitet. Es gab nur eine Einschränkung: „Es gibt viele, die fühlen sich wohl, solange es in anderthalb Minuten vorbei ist – dazu gehört auch die Kanzlerin“, so der Fotograf. Grundsätzlich brauche man in seinem Metier „Sympathie für jeden, den Sie fotografieren“. Seine Liste ist lang, Weltpolitiker wie Wladimir Putin gehören ebenso dazu wie Filmstars.

Wenn Geschichte gemacht wird

Im letzten Jahr war Biskup immer wieder in der Ukraine unterwegs, hat mit Vitali Klitschko und dem neuen Präsidenten Petro Poroschenko gearbeitet, die Wahlen, aber auch den Alltag der Menschen dokumentiert. Der Gefahr in einem Krisengebiet ist er sich bewusst: „Es hätte jeden treffen können“, berichtet er über die blutigen Ereignisse Mitte Februar auf dem Majdan-Platz in Kiew, die er zum Teil selber miterlebt hat. Grundsätzlich versucht Biskup, extrem gefährliche Situationen zu vermeiden: „Kein Foto auf der Welt ist es wert, eine Familie alleinzulassen“, sagt der Vater von zwei Töchtern im Schulalter.

Genauso spannend wie seine heutige Arbeit klingen die Jahre 1989 bis ’99 in der Vita von Daniel Biskup. Der Fotograf hatte ursprünglich Geschichte und Politik studiert und offensichtlich eine feine Nase für gesellschaftliche Umwälzungen. Getarnt mit einem Blumenstrauß reiste er am 4. November 1989 nach Ost-Berlin ein und fotografierte die Großdemonstration auf dem Alexanderplatz, wenige Tage bevor die Mauer fiel. Biskup nahm die besondere Stimmung wahr: „Ich habe gedacht, jetzt passiert etwas.“ Was dann geschah, „war der Startschuss für alles, was ich in den nächsten zehn Jahren gemacht habe“, so der Fotograf. Bei allen Umbrüchen in Osteuropa, von Jugoslawien bis zur Sowjetunion, war er mit der Kamera dabei.

Unmittelbar nach der Wende zog Biskup nach Ost-Berlin und fuhr von dort in fast jeden Winkel der untergehenden DDR. „Es war eine große Abenteuerreise. Alles hat sich verändert, es war ein Land in der Auflösung“, erzählt er von seinen Touren, bei denen er vor allem Menschen und ihren Alltag, oder einfach Momente des Lebens, im Bild festhielt – von der Friseurin bis zum Fischer, von der Wahlkampfveranstaltung bis zum Betrieb an einer Tankstelle. „Die Kamera ist der Schlüssel zur Welt“, mit diesem einen Satz ist die Motivation des passionierten Fotografen treffend beschrieben. Außerdem geht es ihm um das Festhalten: „Ich habe Dinge dokumentiert, weil ich wusste: Die werden verschwinden.“

Ein Weltreisender im Kiez

Biskup ist bis heute ständig unterwegs. In den letzten Wochen war er in England, Italien, Spanien, Ungarn und Polen. Seine Frau arbeitet in Augsburg; dort leben auch seine Töchter. Einen zweiten Wohnsitz hat die Familie in Berlin-Kreuzberg, im entspannten Graefekiez. Der bietet Biskup einen Ort der Ruhe, auch wenn er im Schnitt nur einen Tag pro Woche dort ist. Warum er im Jahr 2000 in die Gegend zog, erklärt er so: „Ich fand Kreuzberg spannender als Mitte, weil die Mischung interessanter war. Das hat sich jetzt verändert, jetzt ist es im Graefekiez im Prinzip wie in Prenzlauer Berg.“ Doch Biskup stört das nicht, genauso wenig wie die vielen internationalen Gäste: „Ich gehöre nicht zu denen, die sagen: Mein Gott, so viele Touristen! Das macht die Stadt so lebenswert, dass so viele Leute aus aller Welt hier sind und sich wohlfühlen.“

Nach wie vor fotografiert er auch Berlin, „vom Papadam-Verkäufer bis zum Badeschiff.“ Biskup schätzt die Kultur, doch seine kostbare Zeit in der Hauptstadt verbringt er eher mal in einem seiner Lieblingsrestaurants. „Hier in dem Viertel gibt es so viele gute Sachen. Ich gehe sehr gerne zu den blonden Schwestern am Marheinekeplatz“ – sagt er und meint das italienische Restaurant Fratelli La Bionda. Weitere Gastro-Favoriten sind die authentisch chinesische Küche von Tangs Kantine in der Dieffenbachstraße, das neue Café Milchmädchen sowie zum Frühstücken die benachbarte Goldmarie in Sichtweite der Admiralbrücke. Und manche seiner Lieblingslokale nutzt Biskup gleich mit für seine Passion: „Die Matilda gefällt mir gut. Da habe ich schon mal Prinzessin von Thurn und Taxis fotografiert.“

Die Ausstellung „Angela Merkel: 60 Jahre – 60 Bilder“ ist bis zum 17. August im Museum The Kennedys in Mitte zu besichtigen.

Foto Galerie

Goldmarie, Grimmstraße 29, 10967 Berlin
XMAS Newsletter

Weitere Artikel zum Thema Wohnen + Leben