Berlin Living Rooms

Wie wohnt eigentlich ...?

Wie wohnt eigentlich ...?
Ein Foto aus dem Bildband "Paris Living Rooms" zeigt, wie Yves Saint Laurent sein Wohnzimmer einrichtet...oder vielleicht auch einrichten lässt.
Wannsee - Dominique Nabokov ermöglicht mit ihrem Foto-Projekt "Berlin Living Rooms" einen Blick in die Wohnzimmer Berliner Persönlichkeiten. Dieses stellte sie in der American Academy mit Sitz in Zehlendorf vor.

Die Fotografin Dominique Nabokov, die in Frankreich und den USA lebt, war für ihre einfühlsamen Wohnzimmerportraits schon in New York und Paris unterwegs. Denn 1995 klopfte die ehemalige Chefredakteurin des New Yorkers, Tina Brown, bei ihr an, um sie für ein fotografisches Essay für die Zeitschrift zu gewinnen.

Nabokov sollte Wohnzimmerportraits von Schriftstellern erstellen. Die Künstler selbst sollten dabei allerdings nicht anwesend sein. Während ihrer Arbeit beschloss Nabokov das Projekt zu erweitern und auch die Wohnzimmer von anderen prominenten New Yorkern abzulichten. Ihre Fotografien stießen auf große Anerkennung, daraufhin veröffentlichte die Fotografin zwei Bildbände, die neben New York auch Pariser Wohnungen zeigten. Unter anderem bekam sie die Räumlichkeiten von Modeschöpfer Yves Saint Laurent vor die Linse (siehe Bild). Die Wohnzimmer könnten dabei nicht unterschiedlicher sein: Poeten, politische Aktivisten, Choreografen, Fotografen, Künstler – die Palette an interessanten Menschen und ihrer nicht minder interessanten Wohnungen scheint unerschöpflich. Dabei lichtet die Fotografin mal die Wohnung eines Freundes ab, mal eine von einer ihr vorher unbekannten Person.

New York, Paris, Berlin

Ihre Karriere begann Dominique Nabokov übrigens als Assistentin des Star-Fotografen Patrick Demarchelier. Seit 1980 beschreitet sie als Portrait- und Reportagefotografin ihren ganz eigenen und besonders erfolgreichen Weg. Ihre Werke sind auf diversen Ausstellungen, wie beispielsweise in der Staley-Wise Galery in New York, zu sehen. Ihre Mode-, Portrait- und Innenaufnahmen erschienen unter anderem im New Yorker als auch in der Vogue, der Vanity Fair und der Le Monde. Nun gesellt sich zu den Büchern „New York Living Rooms“ von 1998 und „Paris Living Rooms“ aus dem Jahr 2002 bald ein dritter Bildband dazu. Seit 2012 arbeitete Nabokov an den Portraits von Berliner Wohnzimmern. Ihr Projekt „Berlin Living Rooms“ stellte sie nun im Rahmen eines Vortrages in der Berliner American Academy in Wannsee vor.

Das US-amerikanische Kultur- und Forschungsinstitut engagiert sich für den wissenschaftlichen und kulturellen Austausch zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten und bietet unter anderem Stipendien in den Disziplinen Geisteswissenschaften und Kunst an. Die Stipendiaten arbeiten in der Akademie an ihren Projekten und halten öffentlich Vorträge, in denen sie ihre Kunst präsentieren. In den Räumlichkeiten arbeitete auch Dominique Nabokov an ihrem Projekt.

Rumpelbude oder Designer-Loft?

Das Berliner Foto-Projekt nahm Nabokov mit einem speziellen Schwarz-Weiß-Film auf, um den expressionistischen Stil der Berliner Film- und Fotografieszene der 30er Jahre aufzugreifen. Damit ließe sich wunderbar die Atmosphäre dieser Zeit widerspiegeln, meint die Künstlerin. Das erwartungsvolle Publikum wurde von den amüsanten Anekdoten, die Nabokov zu den Fotografien zum Besten gab, mehrfach zum Lachen gebracht. Nebenher erfährt man, welche Wohnzimmer es Nabokov während ihrer fotografischen Reise ganz besonders angetan haben. So ist es weniger ein prunkvoll eingerichtetes Zimmer, das die Künstlerin beeindruckt – eher sind es die mit kleinen und gemütlichen Details gestalteten Herbergen, die teilweise sogar kleine Rumpelbuden sind. Diese haben für Nabokov den ganz speziellen Charme. Berliner, die für die Fotografin die Wohnzimmertür aufgemacht haben, sind beispielsweise Gayle Tufts, Dieter Kosslick oder Michail Michailov.

Das Besondere: Ihre Fotografie erfasst gefühlvoll die Intimität der menschenleeren Zimmer – sie fotografiert sie so, wie sie verlassen wurden. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein: Teilweise sind die Räumlichkeiten unaufgeräumt und voll von wüst durcheinander gewürfeltem Arbeitsmaterialien oder Kleiderhaufen. Mal sind sie picobello aufgeräumt, der Nippes oder die edle Designerware glänzen, als wäre soeben die Putzfrau drübergegangen. Das macht Nabokovs Wohnzimmerfotografie auch so authentisch. Sie selbst bezeichnet ihre fotografische Arbeit daher als „individuelle Schnappschüsse“.

Schön ist es zu sehen, wie die Künstlerin es schafft, in ihren Werken die kleinen Eigenheiten der Wohnungsinhaber darzustellen: So hat beispielweise ein Künstler sein Fahrrad auf eine besondere Weise ins Wohnzimmer gestellt und liebevoll mit einer Lichterkette drapiert. Ein anderer hegt eine spezielle Vorliebe für Stühle und präsentiert dem Betrachter eine ganze Sammlung an unterschiedlichen Sitzgelegenheiten. Selbst ein wie ein Abstellraum anmutendes Zimmer hat die Fotografin so abgelichtet, dass es seinen ganz eigenen Charme ausstrahlt. Die kleinen Erzählungen, die Nabokov über den Wohnungsinhaber so ganz nebenbei zum Besten gibt, lassen die Vorstellungskraft zusätzlich wachsen.

Wer sich für die Arbeit der Künstlerin interessiert erhält hier mehr Informationen oder kann einen Bildband beispielsweise hier erwerben. Wann das Projekt „Berlin Living Rooms“ veröffentlicht wird, steht noch nicht fest.

American Academy in Berlin GmbH, Holzmarktstr. 15-18, 10179 Berlin
XMAS Newsletter

Weitere Artikel zum Thema Kultur + Events

Freizeit + Wellness | Kultur + Events | Liebe

Top 10: Events für Singles in Berlin

So groß die Zahl der einsamen Herzen ist, so vielfältig sind in Berlin die Möglichkeiten […]