Berliner Künstlerin macht Stars

Prominente Knetfiguren

Prominente Knetfiguren
Fräulein Knetkowski posiert mit einigen ihren Knetfiguren.
Linda Jakobsen ist Fräulein Knetkowski. Wenn sie nicht gerade für einen Online-Versandhändler arbeitet, schlüpft die 26-jährige Berlinerin in ihr Künstlerinnen-Alter Ego und knetet los. Aus handelsüblicher Knetmasse für Kinder formt sie Figürchen von internationalen Stars wie Micheal Jackson oder Woody Allen.

Bei ihr standen sie alle schon Modell: Marilyn Monroe, Brigitte Bardot, John Lennon. Als Nächstes hat Linda Jakobsen alias Fräulein Knetkowski eine Fotosession mit Klaus Kinski geplant. Der 26-jährigen Berlinerin hat noch kein Star ein Foto verweigert. „Egal, wen ich fotografieren möchte, ich brauche ihn nur zu kneten.“ Seit vier Jahren formt sie berühmte Persönlichkeiten aus Kinderknete, von der Größe einer Hand, mit filigranen Gesichtszügen und in typischen Posen. Zur Vorbereitung schaut sie sich tagelang Fotos, Filmaufnahmen und Interviews an, bis sie ein Gefühl für die Person hat. Sind die Figuren dann erschaffen, werden sie zu Motiven für Knetkowskis Schwarz-Weiß-Fotos. Hildegard Knef hat die Künstlerin beispielsweise vor dem U-Bahn-Eingang Kurfürstendamm aufgenommen.

Als Linda Jakobsen arbeitet die kleine, zierliche Frau 30 Stunden in der Woche bei einem Online-Versandhandel, als Fräulein Knetkwoski knetet sie in ihrer Freizeit Menschen nach, die sie als Künstler schätzt. Das eine ist Alltag, das andere ihre „heile Knet-Fantasiewelt“. Knetkowski sagt: „Das hört sich komisch an, aber ich bin eigentlich Misanthrop.“ Mit der Menschheit als Ganzes hat sie Probleme. Nur in einzelnen Personen findet sie Inspirierendes. Der Mensch als Knetfigur bringt ihre Erinnerung an „die Unbeschwertheit der Kindheit“ zurück. 200 Fans hat ihre Seite inzwischen bei Facebook, seit kurzem gehören dazu mehr Fremde als Freunde.

Woody Allen im Regal

Woody Allen schaut mit traurigen Augen vom dritten Brett eines Schuhregals. Etwa ein Dutzend von Knetkowskis Geschöpfen stehen dort im Eck ihres WG-Zimmers, in einer Gegend von Prenzlauer Berg, in der es noch bröckelige Altbauwohnungen gibt. Knetkowski hat eine transparente Folie vor das Fach gehängt, damit Kater Karl nicht einfällt, hineinzuspringen. In ihrem Zimmer herrscht das kreative Chaos. Der Besucher findet Brigitte Bardot, sich räkelnd auf einem Bücherturm, der Kopf von Louis de Funès thront auf einem Stapel CDs. „Bei ihm musste ich aufhören, da hat das Gefühl nicht mehr gestimmt.“

Die Idee zu ihrer künstlerischen Tätigkeit kam Knetkowski ganz zufällig. Vor vier Jahren bastelte sie mit einer Freundin an einer gemeinsamen Myspace-Seite, zu der noch ein Profilbild fehlte. Dabei kam sie auf die Idee, einfach zwei Knetköpfe zu nehmen. Sie bekam positive Reaktionen von allen Seiten, so dass sie beschloss, eine ganze Figur zu kneten. Knetkowski wählte Morrissey, den Sänger ihrer Lieblingsband „The Smiths“ aus. Mit verschränkten Armen und lässigem Blick lehnt er im Schuhregal. „Eine Zeit lang war ich dann auf dem Trip, dass ich mir Leute immer gleich als Knetfiguren vorgestellt habe“, sagt Knetkowski. Seither wächst ihr Knetfigurenkabinett großer Persönlichkeiten stetig an: Nina Hagen, Arnim, der Sänger der „Beatsteaks“, Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky und Komiker Kurt Krömer sind unter anderem vertreten.

Ein Brief von Helmut Schmidt

Das bisher größte Erlebnis in Knetkowskis Karriere war, als ein Brief von Altkanzler Helmut Schmidt im Kasten lag. 2011, als Loki Schmidt bereits nicht mehr lebte, schickte Knetkowski ein Foto ihrer Figuren des Ehepaars Schmidt an das Büro des Altkanzlers. Die mit Schreibmaschine verfasste und eigenhändig unterschriebene Antwort hat einen Ehrenplatz in ihrem Regal. Schmidt bedankt sich darin – ein großer Moment für Knetkowski: „Da sitzt dieses Mädchen in Alt-Ost-Berlin und knetet Figuren, dort sitzt der Altbundeskanzler, und durch die Knete gibt es diese kurze Verknüpfung zwischen ihnen.“ Das Foto, das sie Schmidt zugesandt hat, zeigt ihn mit Loki zwischen Herbstlaub auf einer Bank sitzend. Knetkowski hatte gelesen, dass die beiden sich einander in Kriegszeiten auf einer Bank in Schöneberg versprochen hatten.

Die Fotos der Künstlerin erzählen immer eine Geschichte. Im Herbst plant Knetkowski eine Ausstellung, vorzugsweise in einer Kneipe, denn Galerien sind ihr meistens zu steril. Es soll menschlich zugehen, wo ihre kleinen Knetpersönlichkeiten zu sehen sind.

Weitere Informationen unter www.knetkowski.com


Quelle: Der Tagesspiegel

Prominente Knetfiguren, Danziger Straße 72, 10435 Berlin

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