Neue Debatte um Kampfhunde

Waffenschein für Lila

Gar nicht ungefährlich: Immer wieder werden in Berlin Attacken von Terriern auf Menschen bekannt. Dieser hier steht zwar nicht auf der Rassenliste, dafür sein Verwandten, der Bullterrier.
Gar nicht ungefährlich: Immer wieder werden in Berlin Attacken von Terriern auf Menschen bekannt. Dieser hier steht zwar nicht auf der Rassenliste, dafür sein Verwandten, der Bullterrier.
Die Debatte um Kampfhunde und die Rassenliste ist wieder im Gange. Die Hundetrainerin Simone Laube spricht sich gegen die Liste und für die Pflicht zum Hundeführerschein aus.

Dass Lila ein Raubtier ist, bezweifelt Simone Laube nicht. Aber die Amstaff-Terrier-Hündin lehnt sich an die Beine der Hundetrainerin, fröhlich mit dem Schwanz wedelnd, und leckt ihr über die Jeans. Es ist ein kalt an diesem Nachmittag in der Nähe des Innsbrucker Platzes. Auf dem Sandplatz der Hundeschule „Stadthunde“ drängen sich zahlreiche verschiedene Hunderassen um die Ausbilderin. Wie ein Dirigent steht Simone Laube da und gibt den Vierbeinern Kommandos.

„Alle Hunde bleiben Raubtiere, ob nun Pitbull oder Dackel“, so die zertifizierte Hundetrainerin. Von einem Hund gehe immer eine gewisse Gefahr aus. Das hätte auch der Vorfall in Lichtenberg auf tragische Weise deutlich gemacht. Am Sonntag, den 26.02.2012 war dort ein kleiner Junge von dem Mischlingshund des Freundes der Mutter angegriffen und in den Kopf gebissen worden. Der Siebenjährige erlitt schwere Verletzungen und musste ins Krankenhaus gebracht werden.

Erziehungsfehler fördern Verhaltensauffälligkeiten bei Hunden

Hunde werden nicht verdorben und aggressiv geboren, sagt Simone Laube. 90 Prozent ihres Verhaltens hingen von der Erziehung ab. Da könnten Hundehaltern viele Fehler unterlaufen. Wichtig sei es, Grenzen zu setzen und diese durchzusetzen, erklärt die Sachverständige für das Hundewesen in Berlin. „Knurren zum Beispiel ist normal. Es ist Teil ihrer sozialen Kommunikation und darf nicht missverstanden werden“, sagt Simone Laube. Sie sitzt jetzt im Gartenhäuschen des Hundeplatzes, neben ihr auf der Bank sitzt Gerhard Wunsch. Der gemütlich aussehende Mann mit Vollbart ist der Halter von Lila.

Als die Hausverwaltung von Gerhard Wunsch erfuhr, dass die Hündin seiner Tochter mittlerweile bei ihm lebt, drängte man ihn, die Hündin wegzugeben. Die übrigen Hausbewohner jedoch erhoben Einspruch. Sie fühlten sich nicht in Gefahr wegen des Kampfhunds mit dem „sonnigen Gemüt“. Natürlich sei nicht jeder Listenhund wie Lila, lenkt Simone Laube ein. Aber das liege nicht an der Rasse, sondern an den Haltern. Sie hätte viele Kampfhunde für das Veterinäramt überprüft und sei eine entschiedene Gegnerin der Rassendiskriminierung.

Menschen können durch falsches Verhalten Hundebisse provozieren

Mit Rassendiskriminierung meint sie den lebenslangen Maulkorb- und Leinenzwang für Kampfhunde in Berlin, den die rot-schwarze Koalition jetzt kippen will. Würde die Rassenliste aufgehoben, könnte auch Lila sich wieder freier bewegen. Lange dafür gestritten hat auch Claudia Hämmerling, die tierschutzpolitische Sprecherin der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus. Dort sitzt sie in ihrem dunklen Erkerbüro in der Niederkirchnerstraße und hält die rechte Hand in die Höhe. Am rechten Mittelfinger fehlt die Fingerkuppe.  

Das sei ihre Schuld gewesen, sagt Hämmerling. Vor einigen Jahren sei ihr Schäferhund in eine Keilerei mit einem Bernhardiner geraten. Sie habe zwischen die Hunde gegriffen, der Bernhardiner habe zugebissen und plötzlich ein Stück ihres Fingers in der Schnauze gehabt. Ein kleines Unglück, sagt die Politikerin und lächelt, als hätte sich das Schicksal einen kleinen Scherz erlaubt.

Freiwillige können in Berlin den Hundeführererschein machen

Mit dem Hundeführerschein wäre es damals nicht so weit gekommen, vermutet Hämmerling, die Ende Februar 2012 – kurz nach dem Fall in Lichtenberg – einen eigenen Gesetzesentwurf zur geplanten Hundeprüfung vorlegte. Auch für sie persönlich sei das Thema bedeutsam, sagt Hämmerling und führt wie zum Beweis einen kurzen Film auf ihrem Handy vor, in dem ihre Amstaff-Bullterrier-Hündin und ihre kleine Enkelin beim Spielen auf einer Sommerwiese zu sehen sind. Die Szene zwischen dem etwa zweijährigen Mädchen und dem Hund, der in Brandenburg auf der Kampfhundeliste steht, wirkt vertraut.

Die Hundestunde in Schöneberg ist derweil zu Ende gegangen und Simone Laube sieht ein bisschen müde aus. Lila liegt träge im Sand. Hier in der Hundeschule können Freiwillige den Hundeführerschein schon jetzt machen. Jedoch gebe es momentan noch kein einheitliches Berufsbild für Hundetrainer, sagt Simone Laube. Prinzipiell sei der verpflichtende Erwerb des Führerscheins aber der richtige Weg, um Menschen besser zu schützen, sagt sie und tätschelt Lila den massigen Kopf. Die Kampfhund-Lady hat den Führerscheintest schon bestanden.


Quelle: Der Tagesspiegel

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