Nachmittagsangebote in Neukölln

Keine Chance für Langeweile

Von wegen rumhängen: An der Richard-Grundschule in Neukölln haben die Kinder auch nach dem Unterricht alle Hände voll zu tun. Ehrenamtliche betreuen sie hier bei verschiedensten Nachmittagsprojekten.

Seit Neustem hat die zehnjährige Hacer einen vollen Freizeitkalender: Der sogenannte Knowledge Club an ihrer Schule, der Neuköllner Richard-Grundschule, bietet seinen Schülern über zehn Nachmittagskurse an, unter denen die Schüler wählen können. Hacer hat sich für die Theatergruppe entschieden, plus Modedesign und Fische sezieren. Dazu kommt zweimal die Woche Hausaufgabenbetreuung für alle Fächer. Beinahe jeden Tag hat Hacer Programm, lediglich den Freitagnachmittag hält sich das Mädchen ganz frei.

Der Knowledge Club ist ein Förderprojekt vom Verein Bildung ohne Grenzen, der in Hamburg bereits seit einigen Jahren ehrenamtlich Nachmittagsangebote für Kinder auf die Beine stellt. Die Teilnahme ist für die Schüler kostenlos. Kinder aus benachteiligten Vierteln sollen so ihre Talente entdecken können.

40 Ehrenamtliche betreuen die Schüler in den Freizeitkursen

Die Pädagogin Anna Vatankhah hat den Knowledge Club im letzten Jahr an die Berliner Richard-Grundschule gebracht. Gefördert wird der Knowledge Club in der Hauptstadt von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, der RWE-Stiftung und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Schwierig sei es gewesen, die Schulleiter von Berliner Schulen in ersten Telefonaten von der neuen Idee zu überzeugen, sagt Vatankhah. Marita Stolt aber, die Leiterin der Richard-Grundschule, wollte das Projekt unbedingt haben. Deshalb wurde 2010 eine große Ideenwerkstatt veranstaltet, bei der 120 Schüler gemeinsam mit Lehrern und Eltern über Freizeitangebote nachdachten.

Inzwischen konnte Vatankah 40 Ehrenamtliche für das Projekt gewinnen, die sich nun nachmittags für die Kinder Zeit nehmen. Größtenteils sind es Studenten und Promovierende, die im Kiez leben. Die Kurse sind vor allem für Viert- und Fünftklässler gedacht, zu jeder Gruppe gehören sechs bis zehn Kinder.

Noch mehr Kurse sind in Planung

Die Schüler sollen in möglichst alle Arbeitsschritte einbezogen werden. Die AG Modedesign beispielsweise näht nicht nur selbst Handytaschen, sondern war auch gemeinsam auf dem Markt am Maybachufer, um für wenig Geld Stoffe auszuwählen. Ganz toll, sagt der zehnjährige Omar, sei auch das Wochenende mit dem professionellen Filmteam gewesen, an dem ein Neukölln-Krimi gedreht wurde, den die Kinder nun zusammen schauen können.

Stolt sagt, dass sich die Kinder durch die Freizeitangebote an der Schule ernst genommen und insgesamt wohler fühlen. „Durch zuverlässige Rituale bekommen die Tage der Kinder Struktur“, so die Schulleiterin. Da viele AGs außerdem von „flippigen Studenten“ geleitet werden, hätten die Schüler auch mal andere als nur die gewohnten Ansprechpartner.

Weil die Angebote so hohe Resonanz erfahren, sind bereits neue Gruppen geplant: Gitarrenkurse und eine Umwelt-AG geben. Ein Architekt will mit den Kids sogar eine Schülerbibliothek bauen.


Quelle: Der Tagesspiegel

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