Interview – Luisenkirchhöfe

Friedhöfe als Zeugen der Zeit

Friedhöfe als Zeugen der Zeit
Die traditionelle chinesische Nationalblume "Mume" schmückt das Grab von John Rabe.
Thomas Höhne: "In China gilt John Rabe als der bekannteste Deutsche nach Karl Marx und wird dort als Buddha verehrt." Der Kirchhofverwalter und Landschaftsarchitekt der vier Luisenkirchhöfe in Charlottenburg im Interview.

Von den 666 Ehrengräbern in Berlin befinden sich 16 auf den Luisenkirchhöfen, darunter die letzte Ruhestätte von Schauspielerin Brigitte Mira. 2018 kamen zwei neue dazu, auf die Sie besonders stolz sind.

Zum einen das des Kunsthistorikers und Museumsdirektors Wilhelm von Bode, 1929 verstorben. Das zweite Ehrengrab gehört John Rabe, berühmt auch als der „gute Deutsche von Nanjing“. Sein Leben war beeindruckend: Er arbeitete seit 1909 in China als Siemens-Ingenieur. Während des grausamen Angriffs der Japaner 1937 rettete er durch die Einrichtung einer Sicherheitszone Tausenden Chinesen das Leben! Die Nazis schwiegen diese große humanistische Leistung tot und beorderten ihn 1938 zurück. Die Chinesen allerdings verehren ihn seit damals als Held, sein Wohnhaus in Nanjing ist längst Gedenkstätte. John Rabe verstarb 1950 verarmt in Berlin. Nach dem Zufallsfund seiner Tagebücher in den 1990er Jahren in New York wurde sein Leben mit Ulrich Tukur in der Hauptrolle verfilmt.

Das Grab von John und seiner Frau Dora auf dem Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirchhof wurde nach Ablauf der Ruhefrist zwar eingeebnet, aber nie wieder neu belegt?

Das war ein Glücksfall! Mit hoher finanzieller Unterstützung der Chinesen konnten wir 2013 seine Grabstelle prächtiger denn jemit einem großen schwarz-weißen Stein mit Yin-und-Yang-Symbolik und einer traditionellen Bepflanzung wie der chinesischen Nationalblume Mume-Pflaume neu gestalten. Für mich war es eine Herzensangelegenheit. Die letzte Ruhestätte John Rabes ist übrigens das meistbesuchte Grab auf unserem Friedhof. Ich sehe oft große chinesische Delegationen, die mit ihrem Handy per GPS auf der Suche danach sind.

Was ist das Besondere an den Luisenkirchhöfen?

Den Friedhöfen sieht man bis heute an, dass Charlottenburg einst die reichste Stadt Preußens war. Beeindruckende Mausoleen, Skulpturen und Alleen spiegeln die alte Pracht wider. Wir haben viel dafür getan, das zu erhalten, z. B. durch die Gestaltung einer Rousseau-Insel.


Luisenkirchhöfe, Fürstenbrunner Weg 37-67, 14059 Berlin

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