• Sonntag, 25. März 2012

Müllberge

Auf in eine neue Grillsaison!

  • Müll wohin das Auge reicht ...
    Müll wohin das Auge reicht ... Foto: Der Tagesspiegel - ©Thilo Rückeis

Mit der Kampagne "Berlin SauberMann!" will die CDU dem Dreck in der Hauptstadt zu Leibe rücken. Das Müllproblem in Parks soll durch Grillverbote in Griff bekommen werden. Was sagen die Berliner dazu? Stimmen aus dem Görli, dem Mauerpark und dem Friedrichshain ...

Über dem Görlitzer Park scheint die Sonne, auf den Grünflächen überall Müllberge. Immerhin tragen einige Parkgäste ihre Hinterlassenschaften zu den (viel zu kleinen) Mülleimern. Andere lassen sie gleich auf dem Rasen liegen. Gani Özdil, 75, und Aytekin Özgenc, 52, stört das. Sie sagen: "So viel Müll liegt hier, das ist nicht schön." Özdil hat früher lange Jahre in einem Spandauer Park als Grünflächenpfleger gearbeitet, da gab's so etwas nicht, sagt er.

Zurück auf den Straßen in Kreuzberg SO 36 fallen die vielen Graffito an den Wänden auf. Auch hier will die CDU tätig werden, sie an öffentlichen Gebäuden innerhalb von 24 Stunden beseitigen. Asha Rowe findet das nicht richtig. Die Künstlerin stammt aus Australien und streift durch Kreuzberg, weil sie hier für vier Monate ein Zimmer sucht. "Ich bin unter anderem extra wegen der Graffiti hier, das ist für mich vielfach Kunst, und gerade das macht das kreative Berlin attraktiv."

"Berlin ist eben Berlin"

Im Mauerpark in Berlin Prenzlauer Park schwingen Plastiktüten im Wind, gebrauchte Grillplatten säumen die Wege, Verpackungen und Glasflaschen liegen auf den Wiesen. Es gibt schönere Plätze für ein Picknick. Alke Tilly (38) spaziert mit ihren zwei kleinen Kindern am Sonntagvormittag durch den Park. "Das Grillen an sich ist ja nicht das Problem, aber die Leute sollten mehr Eigenverantwortung zeigen und ihrem Müll wegräumen", so die zweifache Mutter. Die Aktion "BerlinSaubermann!" sieht sie zwiespältig. "Klar zu dreckig soll es nicht sein. Aber Berlin ist halt Berlin, ich möchte auch nicht in einer hypersauberen Stadt leben."

Vivien Rahn (23) aus Wedding will mit ihren Freundinnen und einem Picknick in den Tag starten. Sie suchen nach einem freien Platz zwischen dem ganzen übrig gebliebenen Müll. "Ja wenn wir hier auch nicht mehr Grillen dürfen, bleibt ja nur noch der eigene Balkon", scherzen die Mädels. "Oder der Flughafen Tempelhof" wird weiter überlegt. Eine echte Alternative gibt es aber nicht.

Diana Schümann stöbert auf dem Trödelmarkt am Mauerpark. Die Kreuzbergerin hält wenig von dem bevorstehenden Verbot. Es gibt einfach zu wenig Grünflächen, die Leute müssten einfach mehr sensibilisiert werden, dann gäbe es da Problem auch nicht. Auch die Aktion "SaubermannBerlin" passe nicht zu Berlin, so die 25-jährige Pädagogin. "Die Graffitis gehören einfach zur Hauptstadt, je mehr es verboten wird, desto mehr wollen die Sprayer erst recht ein Zeichen setzen. Man sollte eher in Richtung Legalisierung denken".

Alternative Volkspark Friedrichshain

Nils Karlsdorf (32) aus Weißensee hatte sich schon aufs Grillen im Mauerpark gefreut. "Tja dann muss ich wohl in den Volkspark Friedrichshain umsiedeln, aber der ist jetzt schon ganz schön dreckig". Die Ausweitung des Grillverbots auf den Mauerpark findet er gar nicht gut. Die "BerlinSaubermann"- Kampagne hingegen kommt gut bei ihm an: "Die Stadt ist teilweise schon ganz schön dreckig, da muss einfach mehr gemacht werden".

Die ersten Griller werden aus dem Tiergarten vertrieben. Zu ihnen gehört auch Sabrina Kutz-Morreale, die bepackt mit Grillkohle und Co. in den Friedrichshain ausgewichen ist. "Der Müll ist natürlich beachtlich, aber das könnte man ja auch anders regeln. Beispielsweise durch eine Anmeldung zum Grillen. Wenn das registriert ist können die Leute, die ihr Zeug nicht wegräumen direkt angesprochen werden. Es wäre schon schön wenn man nicht durch die halbe Stadt fahren müsste, um ein Platz zum Grillen zu finden", so die 21-Jährige. Die Suche nach einer Grillfläche wird langsam zum Wanderzirkus.

Berlin muss kein Saubermann werden

Karl Scholze (30) hat früher immer am Falkplatz seine Steaks zubereitet. Als dort das Grillverbot eingeführt wurde ist er nach Friedrichshein/Kreuzberg umgezogen. Die immer weiter ausgedehnten Grillverbote sieht er als kritischen Kreislauf. "Dann konzentrieren sich die Leute nur auf immer kleineren Flächen, und dort sammelt sich immer mehr Müll. Das bringt doch nichts". Seine Freundin Kristina Luban (32) bestätigt: "Man müsste die Leute mehr sensibilisieren, ihren eigenen Müll zu entsorgen, dabei wären auch schon mehr Mülltonnen hilfreich", dann wäre eine Kampagne wie die Aktion "BerlinSaubermann" gar nicht nötig. Im Moment ist der Volkspark Friedrichshain noch fest in den Händen der Anwohner, die froh sind, dass hier noch ausgewiesene Grillflächen bestehen.

Petra Aner kommt ursprünglich aus der Schweiz und lebt jetzt in Kreuzberg. Für sie ist beim Grillen das alte Flughafengelände in Tempelhof die richtige Adresse, in den Volkspark Friedrichshain kommt sie hauptsächlich wegen der vielen Bäume - perfekt zum Slaklinen. Aber auch sie meint. "In der Schweiz hat man alle 20 Meter einen Mülleimer, hier muss man sein Zeug immer ewig tragen, ehe man es entsorgen kann". Die Initiative "Berlin-Saubermann" befürwortet sie dennoch nicht. "Berlin hat dieses eigene Flair. Es wäre total schade, das durch solche Aktionen kaputt zu machen. Graffitis prägen die Stadt einfach", so die 26-jährige Schauspielerin.

Friedrichshain

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Quelle: Der Tagesspiegel
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