• Freitag, 02. März 2012

Restaurant in Friedrichshain

Kräftige Prise französisches Leben

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  • L’origine du monde
    Foto: QIEZ
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La Vie en Rose
Ein echt netter Laden in der Gubener Straße, hier weht ein Hauch … mehr

Die Franzosen sind los! Das "L’origine du monde" in der Gubener Straße in Friedrichshain ist zwar ein eher unscheinbares Lokal, dafür jedoch rührend authentisch. Ein Besuch bei der Mutter aller Studentenkneipen lohnt sich definitiv.

Der Ursprung der Welt, er dürfte einem Aufbruch ähneln. Ein Kind, das den Mutterleib verlässt, hinaus in die Weite. Möglicherweise wächst es in Paris auf oder in Straßburg, und eines Tages beginnen seine Lehr- und Wanderjahre. Ein Restaurant könnte man eröffnen, und ihm den Namen eines skandalumwitterten Bildes von Gustave Courbet geben, "L’origine du monde". Dieses Bild zeigt, beinahe so genau wie eine Fotografie, die Tür zu jenem allerersten Aufbruch in das Leben. Kurz bevor es wirklich ernst wird, erbittet man von Maman noch schnell das Rezept für das Bœuf Bourguignon, das sie an den Sonntagen zu zaubern pflegte. Dann landet man irgendwie in Friedrichshain. Die Sprachkenntnis kommt hoffentlich mit der Zeit von selbst.

Das Ergebnis ist ein Restaurant, das die Mutter aller Studentenkneipen sein könnte. Es hat sogar ein Sofa. Auf den kleinen Tischen mit den einfach gestreiften Setdeckchen brennen Kerzen. Man hört das fröhliche Gelächter der Tafelrunde, die im Hinterzimmer speist. Ein paar zerlesene Bücher haben ihren Platz auf dem Regal über dem Sofa, sie stehen bereit für einsame Frühstücksgäste. Die Bilder an den Wänden stehen zum Verkauf, "all prices are negotiable". Eine Tafel neben dem Bartresen verkündet das Weinangebot: es gibt drei rote und drei weiße, wahlweise offen oder als Flasche. Einen Languedoc-Roussillon aus St. Chinian empfiehlt der Barkeeper: „très bon“ (20 Euro). Oh, er schmeckt nach den Sommerferien der frühen Jahre, nach dem eigenen Aufbrechen, nach dem Zelten mit der ersten Liebe bei der Windmühle nahe Perpignan.

Studentische Atmosphäre

Neun Gerichte stehen auf der Karte, nebst zwei Desserts. Der Salat „Chèvre Chaud“: ein erfrischendes Durcheinander von Blattsalaten, einem gekochten Ei, einigen getrockneten Pflaumen, rohen Schinkenscheiben und Tomatenachteln, schließlich ein halber Vollkorntoast und eine Scheibe lauwarmer Ziegenkäse, obenauf einige Pommes frites. Das Beste daran war jedoch das gelbe Dressing, genau die Sorte, die ich vor langer Zeit begehrte, als ich selbst noch studierte (11 Euro). Sehr ähnlich bereitet der Koch den Salat „Végétarienne“ zu, hier ist Paprika der Ersatz für den Schinken und auch für den Käse (6 Euro).

Atmosphärisch ist das Lokal der Jungs sehr nett, sie möchten, dass die Gäste sich wohlfühlen. Als wir um Salz und Pfeffer bitten, fragen sie, ob zum Streuen oder in der Mühle, ich bin gerührt. Zwischen den Gängen erkunden wir die Katakomben, wo uns eine Art Clubtresen und ein wirklich kleiner Vorführraum empfangen. Die Wandmalereien, weiße Strichmännchen mit vollen Lippen auf schwarzem Grund, sorgen für ausgelassene Heiterkeit.

Das weiche Bœuf Bourguignon ist in der sehr konzentrierten Rotweinsauce mit Möhren und der halben Birne auf der Seite durchaus schmackhaft gegart, allerdings äußerst fettig und sehnig. Sicher, das Fett kommt dem Geschmack der Sauce zugute, und ja, man kann es alles abschneiden. Doch wäre es nicht schön, wenn der Koch das vorab schon erledigen würde? (12 Euro)

Würstchen als Hommage der französischen Betreiber an Deutschland

Ein Rätsel gaben uns die Saucisses grillées auf, ein Paar leicht gebräunter Bratwürstchen in weicher Haut. Ob das tatsächlich französisch ist? Ein französischer Schwall der Erklärung brachte mir bei, dass es mitnichten französische Würstchen waren, denn Franzosen würden solche Bratwürstchen gar nicht essen. Aber schließlich sei man ja in Deutschland! Die Hommage der Jungs an ihr Gastland rührt mich erneut, ich versenke die Pommes tief im Schüsselchen mit dem Ketchup. "Aber der Senf", verkündet da triumphierend ein Servicemitarbeiter, der sei selbstverständlich aus Frankreich. So rutscht denn auch das Würstchen aus deutschen Landen munter die Kehle runter.

Die Mousse au Chocolat hat sicher viel Feinarbeit gekostet, sie hat eine schöne Festigkeit, ist dunkel und hausgemacht, mit gern gesehenen Schokostreuseln und einer Sahnehaube, die eigentlich gar nicht nötig ist. Der Gast könnte für 15 Euro ein Poster fürs traute Heim erstehen, die Zeichnung zeigt eine Frau mit zum Gebären oder Empfangen geöffneten Beinen. Aber das wäre zu profan für ein Lokal, das trotz aller Unscheinbarkeit doch auch eine tüchtige Prise von der Poesie des Lebens enthält.

L'Origine du Monde

Gubener Str. 41
10234 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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1 Beitrag zu diesem Artikel
SebastianFritz SebastianFritz 25.03.2012 18:58:32
La Vie en Rose
Ein echt netter Laden in der Gubener Straße, hier weht ein Hauch französischen Flairs durch die Gänge, das Essen ist zwar nicht furchtbar günstig aber für die gebotene Qualität auf jeden Fall den Preis wert. Das Personal ist stereotyp französisch nett und wer hier bestellt, muss schon mal die ein oder andere Vokabel raus kramen.
Auch der Kaffee ist französisch milchig und gut - außerdem gibt es abends Partys und DJs.
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