• Mittwoch, 02. Mai 2012

Dokumentarfilm

Die Bar 25 im Kino

  • Der Eingang zum Kater Holzig, dem Nachfolgeclub der Bar 25
    Der Eingang zum Kater Holzig, dem Nachfolgeclub der Bar 25 Foto: dapd - ©Steffi Loos/dapd

Die Bar 25 war eine der Institutionen der Berliner Partywelt schlechthin. Auch wenn sie zumindest vorübergehend in Form des Kater Holzig weiterlebt, der Abschied ist unvermeidlich. Britta Mischer hat einen Dokumentarfilm über den legendären Club gedreht. Am Montag kam er in die Kinos.

Sie sind überall. Diese winzigen, kreisrunden Papierschnipsel – gelegentlich in unschuldigem Weiß, gern aber auch farbenfroh und glitzernd. Bereits am Eingang des Kater Holzig liegt das Konfetti festgetreten auf dem Boden, auf dem Gelände ist es vor allem in der hölzernen Verkleidung am Wasser festgepappt. Diesen Ort hat Britta Mischer ausgewählt, um über ihren Dokumentarfilm "Bar25 – Tage außerhalb der Zeit" zu reden, mit Sicht auf das ehemalige Gelände des sagenumwobenen Clubs am Spreeufer.

Bereits zur Eröffnung der Bar 25 kamen 1000 Leute

Es ist das erste Projekt fürs Kino, das die Regisseurin und Drehbuchautorin realisiert hat. Mit Jugend und subkulturellen Strömungen beschäftigt sie sich am liebsten. Mischer und ihre Regie-Kollegin Nana Yuriko sind schon lange mit den Machern des Clubs bekannt und haben ihnen jetzt ein Doku-Märchen geschaffen. Es ist die phantastische Erzählung von einer dörflichen Gemeinschaft mitten in der Stadt, einem Peter-Pan-Land zwischen Wachen und Schlaf, in dem manche Leute am Freitagabend verschwanden, die erst am Montagmorgen wieder ausgespuckt wurden. Zwischen dem Verschwinden und der Rückkehr gab es viele farbenfrohe Glitzersteinchen, eine Schaukel über der Spree, Hasenkostüme, Konzerte, Elektromusik, Feuerwerke, Schlammschlachten, Zirkuseinlagen – und natürlich fässerweise Konfetti. Um in diesem Partyrausch nicht permanent aufzufallen, hat Mischer lediglich mit einer kleinen Handkamera gefilmt, die mit Glitzersteinchen getarnt war.

Erzählungen wie die über die Bar 25 gehören zu den großen Berliner Geschichten: Eine Gruppe von Leuten bekommt ein riesiges Gelände an der Spree zur Zwischennutzung – und schafft sich aus dem Baumüll des soeben umgezogenen Ostguts eine eigene Partylandschaft. Bereits zur Eröffnung kamen rund 1000 Gäste, die Feierlichkeiten dauerten eine Woche.

Die Bar 25 als Schlupfloch vor einer biederen Realität

Britta Mischer und Nana Yuriko haben schon den Aufbau des gut bewachten Partydorfes miterlebt. Aus mehr als 750 Stunden Filmmaterial hat Mischer dann zwei Jahre lang ausgewählt. Über das Ergebnis sagt sie: "Die Leute sollen beim Zuschauen das Gefühl haben, sie seien selbst auf einem Trip – ein bisschen wie bei Alice im Wunderland."

Der Dokumentarfilm begleitet die vier Protagonisten Danny Faber, Christoph Klenzendorf, Steffi Lotta und Juval Dieziger auch in weniger traumhaften Situationen: etwa zum Gericht, als die erste Kündigung vor der Tür steht. Es sind Bilder wie diese oder jene von den Demos gegen das Investorenprojekt Mediaspree, bei denen der Film auch eine zweite Perspektive vertragen könnte, aber Britta Mischer wollte dicht an den Figuren bleiben und "keine Reportage" anfertigen. Der ersten Kündigung folgten weitere, die Polizei störte das Traumland, die ersten Tränen flossen. Genau an dieser Stelle macht der Film klar, dass der überdimensionale Spielplatz für die Betreiber der Bar und viele der Gäste ein Schlupfloch vor einer Biedermeier-Realität war, in der an fünf Tagen die Woche gearbeitet wird und ein Tag gerade einmal 24 Stunden hat.

Nach dem Kater Holzig soll die Interessengemeinschaft Holzmarkt das Gelände nutzen

Im Film geht es allerdings auch darum, wie es ist, von der Subkultur zum Mainstream zu werden. Schließlich konnten auch die Versuche, der Bar ein kommerz-orientiertes Image zu verpassen, die Schließung im Herbst 2010 nicht abwenden. Zu dieser Zeit entstanden die letzten Filmaufnahmen der Produktionsfirma 25 Films. Mischer sagt: "Wenn man die Geschichte der Bar 25 erzählen will, muss man auch bis zum Ende bleiben. Von Brache zu Brache." Für die Postproduktion kam eine zu jener Zeit neue Idee, Geldgeber zu finden, genau richtig: Über das sogenannte Crowdfunding kamen 25.000 Euro an Spendengeldern zusammen. 271 Unterstützter fanden sich für das Projekt – die großzügigsten davon wurden am Montag zur Premierenparty des Films mit einer ordentlichen Konfettidusche beschenkt.

Die Bar 25 gleicht einem Traum, und viele wollen ihn lebendig halten. Zum Teil wird er nun im Kater Holzig weitergeträumt, doch auch dessen Vertrag über die Zwischenmiete läuft im nächsten Jahr aus. Das Kater Holzig behält das Gelände der Bar 25 weiterhin fest im Blick: Die unlängst gegründete Interessengemeinschaft Holzmarkt will auf einer Fläche von 12.000 Quadratmetern ein Wohn-, Gewerbe- und Kulturdorf errichten – ähnlich einem gallischen Dorf inmitten des Mediaspree-Imperiums. Luftig statt mit Betonklötzen soll es bebaut werden, und ein Weg am Ufer ist geplant. Britta Mischer wird dann erneut die Kamera zücken: "Ich wurde gerade beauftragt, einen neuen Imagefilm zu machen." Die nächste Konfettidusche kommt bestimmt.

Ab Donnerstag in den Berliner Kinos Acud, Colosseum, Central (mit englischen Untertiteln), Moviemento, Cinemaxx, Eiszeit, b-ware!-ladenkino und Zukunft

KaterHolzig

Michaelkirchstr. 23
10179 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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